[Random 7] Gelbe Romane

Vor wenigen Tagen ist im Amrûn-Verlag Tino Falkes Debütroman „Crow Kingdom“ erschienen. Es geht um einen Racheplan und einen Vergnügungspark und … viel mehr kann ich leider bisher nicht sagen, da ich das Buch noch nicht gelesen habe. Aber eines kann ich bereits sagen: Das Buch fällt dank seines gelben Covers auf.

Ich weiß nicht, warum es so wenige gelbe Romane gibt.[1] Bei grünen Büchern ging vor einer Weile das Gerücht um, die würden sich schlechter verkaufen, aber obwohl in meinem Bücherregal Weiß, Schwarz und Blau vorherrschen – ein paar grüne Exemplare sind ebenfalls dabei. Gelb hingegen? Nur im Kai-Meyer-Fach. Bei seinen Trilogien geht es offenbar klar, einen Band gelb zu machen, aber ansonsten herrscht gähnende gelbe Leere. Na ja, da sind natürlich die Reclam-Hefte, aber die laufen ebenso wie „Faust“ irgendwie außer Konkurrenz. Auch ein paar Sachbücher und „Das große Asterix-Lexikon“ sind gelb, aber WO SIND DIE GELBEN ROMANE? Ah, da. „Der Wolkenatlas“ ist gelb, aber das hab ich noch nicht gelesen. „Die Leben des Tao“ ist ebenfalls gelb, aber das hab ich nach 50 Seiten abgebrochen.[2] Hm hm, nicht mal meine „Dune“-Ausgabe ist besonders gelb. Glaubt man Lovelybooks, sind es in erster Linie lebensfrohe, optimistische Titel, die gelb becovert werden. Vielleicht hab ich deshalb kaum welche.[3]

Die Erkenntnis über den Mangel an gelben Romanen in meinem Regal hat einerseits meinen Wunsch einer Random 7 zu den paar geweckt, die sich doch wacker in Gelb kleiden. Andererseits: Wenn ich da nicht nur Reclam-Hefte nennen möchte, wird es echt eng. Ich habe daher überlegt, das Ganze auf „Ockergelbe Romane“ – ihr wisst schon, Bücher in diesem Historienroman-Braungelb mit Pergamentcharme – oder auf „Gelbe und Orange Bücher“ auszudehnen, denn Orange habe ich tatsächlich einiges hier. Aber damit würde ich mir die Chance nehmen, zu Orange und Ockergelb eigene Blogbeiträge zu machen, und das geht ja nicht.

Zum Glück habe ich es geschafft, indem ich bei „Die Brautprinzessin“ ein Auge zugedrückt habe, doch noch sieben gelbe Titel zusammenzutrommeln, die sich zufälligerweise alle der Fantasy zuordnen lassen. Und hier sind sie:

(1) „Die Sturmkönige: Glutsand“ von Kai Meyer

Wenn die Kai-Meyer-Trilogien hier schon das Gelb hochhalten, sollen sie wenigstens als Erstes genannt werden. Zumindest „Glutsand“, der Abschlussband der „Sturmkönige“-Reihe, die eine für Meyer-Verhältnisse recht klassische Queste erzählt, aber im 1001-Nacht-Setting und mit zwei Brüdern als Protagonisten. Nun ist es locker zwölf Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe, entsprechend vage sind meine Erinnerungen[4] und hm, würde ich das Buch unter heutigen Kriterien noch so wie damals bewerten? Weiß ich nicht, aber ich weiß auf jeden Fall noch – SPOILER –, dass das Ende für False-Reality-Fans wie mich einen hübschen Plot Point bereithielt und es einige visuell ansprechende Szenen gab. Also Szenen von der Art, bei der man denkt „hey, wenn ich zeichnen könnte, würde ich das wirklich gerne malen“. Kopfkino war entsprechend da und ich mag generell Geschichten mit Geschwistern als Protagonist*innen, also läuft.

Das zweite gelbe Kai-Meyer-Buch wäre „Das Steinerne Licht“ aus der Merle-Trilogie. Mochte ich auch, als ich es vor zwanzig Jahren gelesen habe. Äh, irgendwie fühle ich mich jetzt alt … (Bei der Suche nach Covern habe ich festgestellt, dass es auch noch andere gelbe Meyer-Bücher gibt, aber das sind dann nicht meine Ausgaben. Ja, nur zur Sicherheit, falls es jemand noch genauer nimmt als ich. Ach so, und „Arkadien erwacht“ ist auch bissl gelb.)

(2) „Wien – Stadt der Vampire“ von Fay Winterberg

An dieser Stelle stand eigentlich „Das Lied des Achill“ und eine lange Erklärung zu meiner persönlichen Haltung zur Achilles-Patrokles-Beziehung und allen damit einhergehenden Dilemmata. Aber das Cover ist halt eher golden statt gelb und was, wenn ich nun noch eine Random 7 zu goldenen Büchern machen möchte? Ihr versteht, warum ich nervös wurde. Also wird der deepe Text auf irgendwann später verschoben, und stattdessen erwähne ich hier „Wien – Stadt der Vampire“ von Fay Winterberg. Hm, Vampire und Gelb scheint ein Ding zu sein (siehe auch Nr. 5 oder „Die Radleys“). Vielleicht weil … gelbe Augen oder Sonnenlicht, dunno. Jedenfalls, „Wien – Stadt der Vampire“ bietet auf gerade mal 120 Seiten eine knackige, humorvolle Geschichte mit Vampiren, Urban Fantasy, Alternate History, Steam und bissl Near Future. Das Ganze ist der Auftakt zu einer (bislang) drei Bände umfassenden Reihe namens New Steampunk Age. (Ich hab erst „New Age Steampunk“ geschrieben und sehe vor meinem inneren Auge nun so eine esoterische Ätherästhetik …)

Cover der Romane "Helle Barden" von Terry Pratchett, "Wien - Stadt der Vampire" von Fay Winterberg, "Die Erben der Drachenlanze 3 + 4" von Margaret Weis und "Dorn" von Thilo Corzilus
Romane mit gelbem Cover! („Helle Barden“ / Goldmann, „Wien, Stadt der Vampire“ / Art Skript Phantastik, „Die Erben der Drachenlanze 3 + 4“ / Blanvalet, „Dorn“ / Piper)

(3) „Drachennest / Die Grube der Feuerdrachen“ von Margaret Weis und Don Perrin

Ha, da versteckt sich in zweiter Reihe ja noch ein richtig gelber Roman! Die meisten Drachenlanze-Romane habe ich in der truen weißen Version (Flexiflex!), war aber an irgendeinem Punkt um die quietschbunten Neuauflagen finanziell durchaus dankbar. Wusstet ihr, dass „Die Grube der Feuerdrachen“ damals in der weißen Version mit Preisen um die 50 Euro gehandelt wurde? Drachenlanze-Bände gute Geldanlage, aber ich hab dann doch lieber auf den gelben Doppelband („Die Erben der Drachenlanze 3 und 4“) zurückgegriffen, der die im Original als Einzelband veröffentlichte Geschichte nicht unnötig aufsplittet.[5] Erzählt wird eine von der Haupthandlung unabhängige Story, die aus Sicht der Drakonier erzählt wird, des Antagonisten-Volkes, das sonst immer nur als Kanonenfutter der finsteren Göttin Takhisis herhält. In „Drachennest / Die Grube der Feuerdrachen“ stellen wir nun fest, dass auch Drakonier Gefühle haben, und es deprimiert sie, sich nicht fortpflanzen zu können. Umso aufgeregter sind sie, als sie feststellen, dass es auch Eier mit weiblichen Drakoniern gibt – nur wurden die unter Verschluss gehalten, um die Drakonieranzahl kontrolliert zu halten. Also ist die Mission klar: Die weiblichen Drakoniereier müssen gerettet und ausgebrütet werden!

Klingt irgendwie haarsträubend, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Papi-Drakonier die frisch geschlüpften Drakonierinnen aufziehen, um später mit ihnen … Nun, der Cringefaktor ist hoch, aber tatsächlich mochte ich die Geschichte sehr gerne, da sie viel humorvoller erzählt ist als die Haupthandlung und definitiv von Schema F abweicht. Mit „Draconian Measures“ gibt es noch eine Fortsetzung, die ich leider nicht gelesen habe. Vielleicht entdecken die Drakonierinnen da die Selbstbestimmung oder so. (P. S.: Auf dem Cover steht zwar Reihenautor Tracy Hickman, aber die beiden Romane wurden von Margaret Weis mit Don Perrin geschrieben.)

(4) „Helle Barden“ von Terry Pratchett

Eigentlich hatte ich „Ab die Post“ aus der Pratchett-Regalreihe gezogen, aber bei näherer Betrachtung war das halt doch ganz schön blau und wenn ich dem einmal nachgebe, schauen mich hier zehn andere Bücher mit hochgezogenen Augenbrauen an bzw. weisen mich auf ihre eigene Gelbhaftigkeit hin. Also nehme ich sicherheitshalber „Helle Barden“, das ist umfassender gelb und auch gut. Aber nicht ganz so gut wie „Ab die Post“. Ja, sorry, aber ich mag die „späteren“ Scheibenwelt-Romane halt lieber, die sind stringenter. „Helle Barden“ ist trotzdem auch unterhaltsam, denn schließlich ist es nicht nur ein Scheibenwelt-, sondern auch ein Wachen-Roman. Grob gesagt geht es darum, dass der Assassinengilde eine krasse Waffe gestohlen wird und dann gibt’s Chaos in Ankh-Morpork.

(5) „Das kurze zweite Leben der Bree Tanner“ von Stephenie Meyer

Oh lol, da suche ich nach gelben Romanen und merke nicht, dass auch mein zuletzt ausgelesenes Buch ein entsprechendes Cover hatte. Kommt davon, wenn man den Schutzumschlag entfernt.

Tja, also „Das kurze zweite Leben der Bree Tanner“ (ich weigere mich, den bescheuerten anderen Titel zu nennen) verrät ja schon, dass wir es mit einem Kurzroman zu tun haben. Er erzählt, auch das verrät der Titel bereits mehr oder weniger, von Bree Tanner, die mit 15 Jahren zum Vampir gemacht wird und fortan mit ständigem Durst und der Angst vor ihren gewalttätigen Artgenossen lebt – denen sie dann auch nach kurzer Zeit zum Opfer fällt. Das Ganze ist ein Spin-off zur Twilight-Reihe, in der Bree Tanner offenbar eine Nebenfigur ist, die kurz auftaucht und dann stirbt. Leider spoilern das nicht nur der Titel, sondern auch Klappentext und Vorwort, was ich als Nicht-Twilight-Leserin ein bisschen ärgerlich fand. Ich glaube, wenn ich nicht gewusst hätte, dass bzw. zumindest wie die Protagonistin am Ende stirbt, hätte mir die Novelle noch besser gefallen. Denn auch, wenn Meyer ja quasi persona non grata ist, weil glitzernde Vampire und so[6] – Schreiben kann sie. Vor allem der Anfang der Novelle hat mir sehr gut gefallen, die Art, wie Brees Durst, ihre Angst vor dem Sonnenlicht und vor ihren Artgenossen beschrieben wird. Da kommt so ein bisschen diese Emo-Melancholie raus, die auch Anne Rice‘ Vampirromane ausmacht. Brees in mehr als einer Hinsicht unnötiger Tod ist frustrierend, aber zugleich ein konsequentes Ende dieser freudlosen Erzählung.

(6) „Die Brautprinzessin“ von William Goldman

Na ja, mein Exemplar ist eher ein Fall für Ockergelb, aber ehe ich sie verschenkt habe, hatte ich auch mal eine gelbe Neuausgabe. Zählt also! Allzu viel muss ich vermutlich nicht zum Buch schreiben. „Die Brautprinzessin“ erzählt eine Geschichte von unsterblicher Liebe, Abenteuern etc. pp. Es ist eine Märchen- und Abenteuerpersiflage, die sehr viel Spaß macht und wenn ihr sie noch nicht kennt, lest sie euch einfach durch. Ok? Ok. (Dieses Buch fand auch in den Top 7 zu gelungenen Enden und zu Funtasy Erwähnung).

(7) „Dorn“ von Thilo Corzilius

Wenn man von „angenehm klassischer Fantasy“ redet, hat das heute manchmal so einen Beigeschmack. Aber „Dorn“ (almost ockergelb!) ist genau das – eine Fantasygeschichte, die so klassisch erzählt ist (Graf gewährt Elbin (ja ja) Zuflucht und dann halt Drama, Abenteuer, Reise), dass sie das Rad nicht neu erfindet, aber so ein Gefühl des Heimkommens erzeugt. Und zwischendurch ist sowas einfach nett, vor allem, wenn es im Gewand eines Einzelbandes daherkommt. Auch die Figuren sind sympathisch, Musik spielt eine interessante Rolle und once again, Geschwistertopic!

Jaa, soweit zu den gelben Romanen in meinem Bücherregal. (Wobei man die Sache mit dem Bücherregal nicht zu wörtlich/physisch nehmen sollte.)  Honorable Mention für „Der böse Ort“, was ebenfalls sehr gelb ist, aber erst in den letzten Random 7 vorgestellt wurde.

Wie sieht es bei euch aus – habt ihr viele gelbe Romane im Regal stehen?


[1] Nicht im synästhetischen Sinne, da fielen mir noch mehr ein, but …

[2] Nicht, weil es schlecht gewesen wäre, aber die Motivation, weiterzulesen war nicht so richtig da. Ich bin aber fest entschlossen, „Die Leben des Tao“ noch mal eine Chance zu geben. Wäre nicht das erste Buch, das gebraucht hat, mich gefesselt zu bekommen, und dann doch noch „einschlagen“ konnte.

[3] Dank dieser Liste bin ich nun aber auf das Buch „Der Roboter, der Herzen hören konnte“ gestoßen und es klingt irgendwie niedlich? Und optimistisch, herrje.

[4] Großen Respekt für Leute, die ein Buch lesen und sich auch zehn Jahre später noch an zahllose Details erinnern können. Ich bin so nicht.

[5] Es gibt Bücher, bei denen die Trennung in der Übersetzung wegen bemerkenswerter Seitenzahlausdehnung Sinn macht. Die meisten Drachenlanze-Romane gehören nicht dazu.

[6] Schon klar, Stephenie Meyer hat einige sehr problematische tropes in die Romantasy eingeschrieben, die zu Recht kritisiert werden. Aber die automatisierte „Kritik“ weniger reflexiver Zeitgenoss*innen, mit der Meyer ins Lächerliche gezogen werden soll, ist ermüdend.

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