Augustansichten 2021

Wir denken über Feenflügel und Sword & Sorcery nach, bewerten Sendungen, die wir gesehen oder auch nicht gesehen haben, listen Magazine auf, kichern über Klappentexte, verweisen auf kommende Events mit unserer Beteiligung u. v. m.

Liegt ihr manchmal nachts wach, weil ihr euch fragt, warum Feen manchmal mit und manchmal ohne Flügel dargestellt werden? Keine Panik, ihr könnt bald wieder schlafen, denn Kristina Wojtaszek gibt darauf eine Antwort. Und damit willkommen zu den Augustansichten und einem weiteren Fall von „Wie fange ich bloß diesen Beitrag an?“

Im August ging es nicht nur um Feen. Es ging auch um Infodump, aber schlauerweise hab ich mir dazu zwar eine Notiz gemacht, aber nicht den Link abgespeichert. Hat jemand noch den Link zu diesem Beitrag zu Infodump in der SFF, der Anfang des Monats über Twitter rumging …? Stammte von einem englischsprachigen Blog und war glaub ich lesenswert.

Alles Conan oder was?

Ansonsten erst mal zurück zum nicht ernannten, aber irgendwie etablierten Lieblingsthema dieses Blogs: Subgenres! Genau gesagt: Sword & Sorcery. Wobei speziell dieses Subgenre nicht das Lieblingsthema dieses Blogs ist, das überlasse ich lieber Peter mit Skalpell & Katzenklaue – auch wenn der diesen Monat schon wieder thematisch fremdgeht, aber dazu später. Erst einmal geht es mir um einen Beitrag, der auf turniplanterns.com erschienen ist und die Frage danach stellt, ob sich die Sword & Sorcery nicht endlich vom Conan-Klischee lösen könne. Interessant finde ich das vor allem deshalb, weil ich diese Frage eigentlich gar nicht mehr stelle – in meinen Augen hat sich das Genre (zumindest branchenintern) längst davon gelöst. In letzter Zeit habe ich eine gewisse Conan-Nostalgie wahrgenommen und klar ist die einhergehende Ästhetik bis heute prägend. Aber ich denke bei Sword & Sorcery nicht automatisch an Conan. Ich denke eher an die ohneohren-Low Fantasy[1], an Torsten Finks Maru-Romane, an die Comics von Sylvain Cordurié, an Peter Hohmanns „Weißblatt“ oder an Susanne Pavlovics „Feuerjäger“. Kommt alles ohne halbnackte Barbaren aus. Und den im Text angesprochenen Grimdark betrachte ich zwar vornehmlich als genre-losgelöstes Movement, der Sword & Sorcery aber durchaus verwandt. Ich weiß nicht, ob das ein persönliches Ding oder ein Europa- oder ein Generationen-Ding ist … Was meint ihr, jetzt mal losgelöst von meinen Very-Indie-Beispielen? Sword & Sorcery = Conan?

Held mit Schwert und Fackel steht inmitten von Ruinen vor einem finsteren Eingang
Der Sword-Held in seiner natürlichen Umgebung. Die Sorcery wartet drinnen. („Expansive Ruins“ von KotnoneKot unter CC BY NC-ND 3.0 via DeviantArt)

Ach ja, apropos Klassiker: Das ZDF hat einen Zweiteiler zur Geschichte der Fantasy veröffentlicht. Ich habe ihn mir noch nicht angeguckt, nur am Rande die Diskussionen verfolgt. Offenbar ist das Ganze recht stereotyp geraten und orientiert sich vornehmlich an der Völkerfantasy. Es ist immer schade, wenn publikumsstarke Formate Klischees bedienen und die Vielfalt des Genres außer Acht lassen. Andererseits habe ich ein gewisses Verständnis für die Verkürzungen und populären Bilder, die solche Formate zielgruppen- und ressourcenbedingt bedienen müssen. Aber für ein tiefergehendes Urteil sollte ich die Sendung dann doch erst gucken …

Wellen und andere Bewegungen

Zurück zu Skalpell und Katzenklaue. Dort ging im August die Reihe zu M. John Harrisons Viriconium weiter, wobei das als Beschreibung arg kurz greift. Denn wie immer schlägt Peter einen weiten Bogen über die geschichtlichen Hintergründe der damaligen Zeit und das New-Wave-Movement bis hin zu Harrison und dessen Werk. Persönlich hatte ich Spaß an Harrisons Kommentar über die „saturnischen Movements“. Ist viel Wahres dran. (Hoffe, das war genug Clickbaiting, damit ihr auf den Link klickt. Auf, auf.)

Ansonsten könnte ich wieder mal sehr viel über Solarpunk und CliFi hier anführen, aber da das ausuferte, sind die entsprechenden Newsbeiträge in einen anderen Beitrag eingeflossen. Aber apropos Climate Fiction: Am 14. September findet in Hannover ein entsprechender Themenabend im Xplanatorium Herrenhausen statt – weitere Infos findet ihr auf der Website der Volkswagenstiftung.

Bereits stattgefunden hat über den Kanal WildMics eine Diskussion rund um deutschsprachige Phantastik, an der Tommy Krappweis, Liza Grimm, Natalja Schmidt, Markus Heitz, Bernhard Hennen und Bernd Harder teilgenommen haben. Ich habe mir im Stream nur die erste Stunde angeschaut; war eine unterhaltsame Runde, schwierig fand ich bloß den Teil, in dem es um progressive Phantastik ging. Einerseits stimmt es natürlich – progressive Elemente sind längst da, auch die „Mainstream-Fantasy“ ist nicht immer so konservativ, wie ihr mitunter vorgeworfen wird. Und auch Diversität findet sich nicht nur in Büchern, die damit beworben werden, glücklicherweise. Trotzdem geht der Ansatz der progressiven Phantastik noch weiter, in dem er viele unterschwellig problematische tropes angreift und auch auf struktureller Ebene ein Um- oder Weiterdenken anregt. Vor allem Natalja hat darauf durchaus hingewiesen, ich hatte aber den Eindruck, dass das eher unterging.

Listen, Listen … und Klappentexte

Zurück zu einfacheren Themen: Auf npr.org wurde eine Liste der laut Umfrage 50 besten Fantasy- und Science-Fiction-Romane der letzten Dekade veröffentlicht. Norbert Fiks hat außerdem einen vergnüglichen Beitrag über sehr dramatische Klappentexte in der Science Fiction verbloggt. Auf TOR Online wiederum erschien von mir eine Auflistung von SFF-Printmagazinen aus dem DACH-Raum – quasi die thematisch geordnete Variante meiner Liste hier auf dem Blog.

Ebenfalls auf TOR Online wurde ein Beitrag von Judith Madera zu einigen der wichtigsten deutschsprachigen Science-Fiction-Autorinnen des 21. Jahrhunderts veröffentlicht. Ich bin angemessen rot geworden angesichts dessen, selbst auf dieser Liste vertreten zu sein („Urgestein der deutschen Phantastikszene“ darf Stand Jetzt dann auf meinem Grabstein stehen). Und, auf Twitter habe ich es bereits erwähnt, aber auch hier sei es noch mal betont: Ich freue mich sehr darüber, dass Nadine Boos ebenfalls auf der Liste auftaucht. Sie hat mich damals bei Wurdack für D9E vorgeschlagen und mir die Angst vor der Science in der Fiction genommen, wofür ich ihr bis heute sehr dankbar bin.

Wo man mich im September finden kann

Mit deutschsprachigen SF-Autorinnen sind wir auch bei der nächsten Ankündigung: Vom 10. bis 12. September finden die Wetzlarer Tage der Phantastik statt, Thema sind dieses Jahr – tada – deutschsprachige SF-Autorinnen. Neben der Verleihung des Phantastikpreises der Stadt Wetzlar an Katharina Köller für „Was ich im Wasser sah“ winken bei der Veranstaltung Vorträge, Lesungen und eine Führung durch die Bibliothek. Von mir gibt es samstags einen Vortrag zu Cyberpunk-Autorinnen aus dem DACH-Raum. Für 30 Euro bzw. ermäßigt 20 könnt ihr nach vorheriger Anmeldung teilnehmen.

Daneben stehen im September meinerseits zwei weitere Veranstaltungen an. Zum einen eine Online-Lesung, deren genaues Datum noch nicht ganz feststeht – ich werde über Social Media und die Termin-Unterseite alsbald Genaueres mitteilen. Und eine ziemlich ungewöhnliche Aktion namens „Lebende Bücher“ steigt am 18. September in der Stadtbibliothek Koblenz: Zwischen 12 bis 15 Uhr könnt ihr hier nämlich Gesprächsslots mit mir oder fünf anderen Autor*innen aus der Region buchen. Wenn ihr also Bock habt, eine Runde mit mir bzw. uns zu quatschen, schaut vorbei. Ich hoffe, ich werde eine angenehme Gesprächspartnerin sein. Alle Informationen findet ihr im Katalog zur Veranstaltung, den ihr auf der Website von Koblenz einsehen könnt. Darin enthalten ist auch ein Interview mit mir, in dem es um „Die Türme von Eden“ und kommende Projekte geht.

Leider überschneidet sich die Veranstaltung mit der FutureWork-Konferenz zur Zukunft der Arbeit, die am 17. und 18. September in Karlsruhe stattfindet. Vor Ort werde ich nicht mit dabei sein, aber dafür bin ich mit vielen geschätzten Kolleg*innen in dem Kurzgeschichten-Band „Die Arbeit von übermorgen“ vertreten, der im Rahmen des Projekts ebenfalls im September erscheinen wird. Das freut mich aus verschiedenen Gründen sehr, aber auch dazu an anderer Stelle noch mal mehr.

Erst einmal trinke ich jetzt einen Tee und stelle mit leichter Verspätung diesen Text auf den Blog …


[1] Jaa, ich setze Low Fantasy und Sword & Sorcery gleich und nein, das kommt nicht durch deutschsprachige Rollenspielliteratur. Soweit meine JSTOR-Infos reichen, hat sich diese Gleichsetzung in den 90ern etabliert und ich bin ein Kind der 90er, also ist Low für mich Sword, nicht Urban. Kay? Von mir aus können wir uns aber gerne auf Sword & Sorcery als eindeutigeren Begriff einigen.

10 Kommentare zu „Augustansichten 2021

Gib deinen ab

  1. Diese Swort&Sorcery-Sache ist mE ein Problem von Außen/Innensicht oder vll sogar noch eher von Literatur/Szene. Für die Massen, auch die, die Fantasy lesen, dürften Bücher oder zumindest die Bildwelt von Conan weiterhin recht bestimmend sein, allein schon, weil die international so mächtig waren… hab zB jetzt endlich mal den Film geguckt & war verwundert, wie lang Arnie komplett bekleidet blieb… Den Verlag ohne Ohren kennen dagegen wahrscheinlich sogar viele regelmäßige Fantasy-LeserInnen nicht. Gerade deshalb sollte aber mE dann zB eine Doku wie die vom ZDF (auch noch nicht gesehen), wenn das denn so ist, nicht nur die Geschichte erzählen, die eh schon alle kennen.

    PS: Der einzige Klappentext, wg dem allein ich mir jemals ein Buch gekauft habe (das Buch war Mist…):

    „Es begann damit, dass ein Mann an meinem Tisch ermordet wurde, wie in einem schlechten Roman. Es führte dazu, dass ich wenig später von einer Frau vergewaltigt wurde, die zweihundert Jahre älter war als ich und darauf bestand, mich zu heiraten. Und beide wurden wir dann von einer Katze adoptiert, die durch Wände ging. Sie war noch sehr klein, und sie wußte es nicht besser.“

    1. Jo, ich argumentiere jetzt natürlich, ebenso wie der Blogartikel, aus Szenesicht (Externen wird vermutlich nicht mal „Sword and Sorcery“ was sagen). Dass auch aus der Szene z. B. die meisten nicht an Cordurié denken, ist mir ebenfalls bewusst, aber vielleicht denken andere dafür z. B. an Samuel R. Delany. (Ich editiere den Satz gleich etwas, damit meine Intention deutlicher wird.)*

      Was die ZDF-Sache angeht, stimme ich dir in der Theorie zu. Aber ich hab z. B. grad letzte Woche einen Artikel mit Phantastikthema abgegeben, bei dem ich frustriert darüber war, wie oberflächlich ich wegen der Zeichenanzahl bleiben musste (Printmagazin, das sich an Interessierte, aber nicht an Szenemitglieder richtet). Da blieb ich dann auch größtenteils bei Beispielen, die in der Szene als ausgelutscht gelten, und hatte kaum Möglichkeiten, auf progressive oder „besondere“ Elemente einzugehen. Insofern hab ich Verständnis dafür, dass der Spagat zwischen Zielgruppe, verfügbaren Ressourcen und Erwartungshaltung manchmal schwierig ist. Allerdings kann man zumindest guten Willen zeigen. Wenn der ZDF-Beitrag jetzt echt behaupten sollte, dass Fantasy = Völkerfantasy, wäre ich verschnupft. (Aber weiß noch nicht, ob ich ihn mir ansehen will oder ich nicht mit meiner aktuell versöhnlichen Art besser fahre :p)

      *Noch eine Ergänzung: Ich musste gerade an ein Gespräch denken, das ich letztens mit einem Rollenspiel-affinen Freund hatte. Er meinte sinngemäß, man bekäme das Bild und den Begriff der Barbaren nicht aus dem Spiel, weil der Conan-Typus zu fest verankert sei. Vielleicht unterschätze ich, wie beeinflussend dieses Bild gerade aus der Rollenspielecke heraus noch ist?

      1. ja, für mich klingt der ZDF Beitrag nach allem was ich gehört habe leider eher nach Zeitverschwendung… Zeit in der ich mir zB Unsinn auf Yotube ansehen könnte ;)
        Meine Herangehensweise wäre für so ein Filmprojekt wahrscheinlich: 20 Minuten „graue Vorzeit“ – unbekannte Wurzeln der Phantastik. 20 Minuten „Tolkien, Potter, Conan usw, kennt ihr ja eh, oder?“ und dann blieben bei 2×2 Stunden noch 80 Minuten um vll bei neuerem und verdrängten Klassikern in die Tiefe zu gehen…Ist ja nicht so, dass ÖR auf Quoten schielen müsste.

      2. Klingt gut, aber mit dem Konzept biste dann bei Arte ;) Ist halt auch die Frage, ob ein*e Expert*in am Werke war oder noch Recherchezeit für Grundsatzfragen draufging. Vielleicht gucke ich es mir doch an, ich habe jetzt den Anspruch, mit arroganter Connaissance kritisieren zu können.

      3. Ich glaube dein lakonischer Video-Style ist genau das was Youtube jetzt braucht. Wenn du nicht weiter weiß kannst du immer paar Esel ins Bild schneiden…

  2. Ich glaube, dieser Zweiteiler lief letztes Jahr auch schon auf Arte. Fand ihn da auch eher holprig und uninteressant.

    Mein erster Gedanke bei Sword & Sorcery ist auch Conan, einfach, weil ich mit den Filmen aufgewachsen bin. Der zweite Gedanke ist Ffahrd und der graue Mausling. An Delany hatte ich gar nicht gedacht, obwohl ich ihn gelesen habe. Und auch modernere Autoren wie Saladin Ahmed oder Kai Ashante Wilson. Hängt sicher von meiner Sozialisation ab und was mich in den prägenden Jahren eben am meisten geprägt hat. Würde ich einen Artikel über das Genre schreiben, würde der natürlich differenzierter ausfallen und neben Conan auch Jirel von Joiry von Cathrine L Moore erwähnen. Aber die Arbeit hat ja Peter schon (viel kompetenter) übernommen. ;)

    1. Ah, war das derselbe? Ich hatte vage in Erinnerung, dass da letztes Jahr schon mal was war, aber wusste nicht mehr, was und wo genau.

      Interessant. Vielleicht hängt es wirklich daran, wie stark man mit den Filmen aufgewachsen ist. Die waren mir als Kind und auch als Jugendliche so gar kein Begriff oder zumindest habe ich sie nicht geguckt. Ich weiß gar nicht, ab wann ich Conan überhaupt bewusst „wahrgenommen“ habe …

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