Automatenkunst

Mal schnell um die Ecke, um ein Kunstwerk zu ziehen? Warum nicht – Kunstautomaten machen es möglich. Zur Unterstützung lokaler Künstler*innen während der Pandemie gibt es nun auch ein Exemplar in Koblenz.

Hier in Koblenz haben wir eine Teststation, die sich das Gebäude u. a. mit dem Mittelrhein Museum und der Stadtbibliothek teilt. Das ist ganz praktisch, weil du beim Warten immer was zu gucken hast. Also … zumindest kannst du die fancy Treppe der Bibliothek bewundern und mit etwas Glück noch ein paar Aushänge vom Museum. Ist eine Abwechslung gegenüber dem Rücken der Frau in der Schlange vor dir. Und wenn du den Weg nach draußen nimmst, kommst du im Eingangsbereich des Forum Confluentes an einem ehemaligen Food-Automaten vorbei, in dem es seit kurzem Kunst zu erwerben gibt.

Das Konzept von Kunstautomaten ist nicht völlig neu. Beispielsweise gibt es in Höhr-Grenzhausen, wo ich aufgewachsen bin, einen ehemaligen Zigaretten-Automaten, in dem man für 6 Euro eine von lokalen Künstler*innen verzierte Kachel erwerben kann. Leider hat man keine Macht darüber, welche der Kacheln man erhält, und na ja, was soll ich sagen … nichts gegen künstlerisch wertvolle Brüste, aber hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich mir vielleicht ein anderes Motiv ausgesucht.[1]

Anyway, die Koblenzer Variante hat nicht nur den Vorteil, dass man die Motive vorher u. a. über die Website, aber auch im Automaten selbst betrachten und das Objekt der Wahl aussuchen kann.[2] Ungewöhnlich ist auch die Größe und Vielfalt der angegebenen Kunstwerke, die von Fotografien über Malerei bis hin zu Bilderbüchern und Skulpturen reicht. Daher war es gar nicht so leicht, einen passenden Automaten zu finden, wie Isa Steinhäuser von der ark e. V. erzählt. Letztlich hat es aber geklappt und das Ergebnis ist entsprechend vielfältig in der Auswahl. Damit variieren auch die Preise, die bei 15 Euro anfangen und bis 95 Euro gehen. Dennoch sind fast alle Werke Unikate bzw. aus limitierten Auflagen.

Manchen fehlt bei einem solchen Automaten vielleicht ein bisschen das Flair der Galerien oder auch der direkte Kontakt zu den Künstler*innen. Andererseits baut er durch seine leichte Zugänglichkeit Barrieren ab und spricht auch Leute an, die normalerweise seltener den Weg in Galerien, Ateliers oder auf Kunstmärkte finden. Zudem ist die Idee hinter dem Koblenzer Automaten, der Ende März 2021 aufgestellt wurde, lokale Künstler*innen während der Pandemie zu unterstützen, da durch Corona viele der üblichen Verkaufsmöglichkeiten temporär verschlossen wurden. Organisator ist die arbeitsgruppe rheinland-pfälzischer künstler e. V. (ark e. V.), vertreten sind aber auch Mitglieder des AKM Koblenz e.V. und von Mehrkunst Koblenz e. V. – darunter u. a. Isa Steinhäuser, Anja Bogott, Aloys Rump oder Nina Midi, die auch den Banner dieses Blog gestaltet hat.

Auswahl verschiedener Kunstwerke: Eine Fotografie von einem Ballettänzer, ein gesicht, mehrere Skulpturen, eine abstrakte Malerei
Eine Auswahl der Kunstwerke
(Fotos mit freundlicher Genehmigung von Isa Steinhäuser via Instagram)

Auf der Website des artShoppers – so der Name des Automaten – kann man sich anschauen, welche Objekte aktuell zu erwerben sind und was sie kosten. Wenn ihr eines haben möchtet, schaut zu den Öffnungszeiten des Forum Confluentes vorbei. (Mit Bibliotheksausweis kommt man 24h ins Gebäude.) Gezahlt werden kann nur mit Karte.

Darüber hinaus hat die ark e. V. übrigens noch einige weitere Projekte in Planung: Ab 26. Juni findet im Haus Metternich die Ausstellung Reset – Neustart: 30 Jahre Verband Bildender Künstler Thüringen e.V. statt, am 11. Juli kann man die Vernissage des Projektes Kunst im Wald im Koblenzer Stadtwald besuchen und am 5. September startet im Museum Boppard die Ausstellung NEXUS IV.


[1] Nichstdestotrotz finde ich auch diese Idee charmant. Wenn ihr mal in Höhr-Grenzhausen vorbeischaut – es hat hier ein Keramikmuseum, zwei Eisdielen und viele Kreisel –, dann gönnt euch eine Kachel! Ist viel cooler als diese seltsamen Münzstanz-Automaten von Sehenswürdigkeiten und so eine unanständige Kachel auf dem Fensterbrett sorgt stets für Gesprächsstoff.
Eine (unvollständige) Auflistung weiterer Kunstautomaten findet ihr unter diesem Link.

[2] Hab nun eine fancy Fotografie von einer Feder auf meinem Buchregal stehen. Man bekommt mich einfach viel zu schnell mit Wörtern wie „Unikat“ oder „signiert“ …

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