Warum ich (manchmal keine) gendergerechte(n) Formulierungen nutze

Es gibt Beiträge, bei denen ahne ich schon beim Schreiben, dass ich mir mit ihnen keinen Gefallen tue. Warum ich sie trotzdem erstelle? In diesem Falle, weil es [im Moment, da ich diesen Satz schreibe], ein Uhr morgens ist und ich den Fehler gemacht habe, mir als Gute-Nacht-Geschichte einen unsagbar polemischen Beitrag zum Thema der gendergerechten Sprache durchzulesen und das irgendwelche kreativen Antennen in mir angeregt hat.

Hierzu ist ja eine Grundsatzdebatte entbrannt, hinter der letztlich viel mehr steht als das Thema als solches. Indem man sich für oder gegen das Gendern entscheidet, positioniert man sich und in manchen Bubbles gehört es zum guten Ton, es aufgrund der verbundenen Haltungen oder Moralvorstellungen zu machen oder eben es zu lassen. Entsprechend schwierig ist es, das Ganze noch halbwegs distanziert zu betrachten. Da ich mich im Alltag auch immer häufiger dafür rechtfertigen muss, wenn ich gendergerecht formuliere, fällt mir das distanzierte Zurücktreten auch nicht mehr so leicht – zumal die meisten Diskussionen dazu fast immer auf einer emotional und rhetorisch sehr aufgeladenen Basis erfolgen. Aber gerade deshalb versuche ich nun einmal, meine Gedanken zu dem Thema zu ordnen.

Vorneweg der Disclaimer: Ich habe mich nicht bis in wissenschaftliche Tiefen mit dem Für und Wider beschäftigt, bin keine Linguistin, in Sachen Barrierefreiheit und Repräsentation von allen Sonderzeichen-Fragen nicht persönlichen betroffen und meine Meinung zu den einzelnen Facetten ändert sich immer mal, wenn ich einen überzeugenden Beitrag zu diesen lese. Daher ist nichts hiervon der Weisheit letzter Schluss und es tut mir leid, falls mir bei Begriffen Fehler unterlaufen sind (solche gerne anmerken); das hier stellt vornehmlich eine persönliche Moment-Betrachtung des Pro und Contra dar.

1. Pro

Wie kam es?

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich inzwischen meistens gendergerecht formuliere. Aktuell würde ich sagen, dass ich zu so 75 % von der Sache überzeugt bin. Das sicher nicht, weil ich es sprachlich ansprechender finde. Aber vor einigen Jahren habe ich das erste Mal dieses inzwischen in verschiedenen Varianten vielgeteilte Rätsel auf Facebook gesehen, dessen ursprüngliche Version aus einer Studie von Heidrun Stöger, Albert Ziegler und Hanna Davíd aus dem Jahr 2004 stammt (in der es mehr um Genderrollen statt um Sprache ging):


„Ein Vater fährt mit seinem Sohn Auto. Sie haben einen schweren Unfall, der Vater verstirbt noch am Unfallort. Sein Sohn wird schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht, er muss operiert werden. Alles wird vorbereitet, doch als der Chirurg erscheint, wird dieser blass und sagt: „Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!“ Wie kann das sein?“

nach Stöger/Ziegler/David 2004

Das Rätsel wurde ohne thematischen Kontext gepostet und ich kam echt nicht drauf, dass der Chirurg die Mutter des Kindes sein könnte. Mag ein plakatives Beispiel sein, aber mich hat es damals nachdenklich gemacht und ich habe angefangen, gendergerechte Formulierungen zu nutzen, wo ich es für betonenswert hielt, dass Nicht-Männer mitgemeint sind. Auf meiner zwischenzeitlichen Arbeitsstelle an einer Hochschule war es dann ohnehin zumindest erwünscht, dass man gendergerecht formuliert und nach einiger Zeit hatte ich mich eben daran gewöhnt, flächendeckend von „Studierenden“ oder „Dozierenden“ zu sprechen bzw. Stern, Doppelpunkt oder Unterstrich zu setzen.[1]

Edit zum Rätsel [08.07.]: Auf Twitter wurde richtigerweise angemerkt, dass es sich im Rätselbeispiel nicht um ein generisches Maskulinum handelt, sondern schlicht um ein in der Situation falsches Maskulinum (wie es im Alltag eben oft angewendet wird). Womit wir wieder dabei wären, dass Sauberkeiten schon einiges ausmachen …

Wie geht es?

Gegenwärtig bevorzuge ich es, wo immer möglich, die Partizip-Form (also „Dozierende“, „Schriftstellende“ usw.) zu nutzen. Ja, streng genommen ist es sprachlich nicht ganz korrekt, jemanden als „dozierend“ zu bezeichnen, dier aktuell nicht doziert. Hinzu kommt, dass diese Formen manchmal ungenauer sind. Aber ich habe kein Problem damit, das als neue, losgelöste Form zu betrachten oder nach genaueren Alternativen zu suchen (bevorzuge daher z. B. „Schriftstellende“ gegenüber „Schreibenden“), und ich halte es für die angenehmere Lösung z. B. gegenüber dem Entgendern nach Phettberg („Gendern mit y“, z. B. Fahry statt Fahrer / Fahrende).

Wo keine Partizipform möglich ist, greife ich aktuell auf Unterstrich oder Genderstern zurück, da wohl vor allem der Stern gegenüber dem Doppelpunkt als etwas barriereärmer gilt. Twine z. B. liest aber Unterstrich und Stern als Fehler aus, da bleibt es dann aktuell beim Doppelpunkt.[2] Mit Neopronomen freunde ich mich langsam auch an, obwohl das hier glaube ich der erste öffentliche Text ist, in dem ich eines benutze. „Sier“ und dessen Deklinationen fühlen sich dabei für mich am natürlichsten an; sprachliche Probleme habe ich mit „they“. Klar bin ich es gewöhnt, englische Begriffe in meinen Sprachgebrauch aufzunehmen, aber eher bei Substantiven oder Adjektiven. Die Kommunikation mit der Logik englischer Grammatik macht mir Probleme und über das „th“ stolpere ich ohnehin oft.[3]

Grundsätzlich fällt es mir schriftlich leichter, gendergerecht zu formulieren. In mündlicher Kommunikation bin ich unsicherer und hier muss ich mich immer mal wieder aktiv daran erinnern, die entsprechenden Formulierungen zu nutzen.

Warum das?

Dass mit dieser Art von Sprachanpassung allein noch keine Probleme gelöst werden – jo, klar. Ich finde auch, dass das Gegenargument, dass Gesellschaften mit genderneutraler Sprache nicht unbedingt gleichberechtiger sind, nicht außer Acht gelassen werden sollte. Aber Sprache ist nichtsdestotrotz ein wichtiger Faktor, der unser Denken prägt. Was mich angeht, so stelle ich mir beim generischen Maskulinum durchaus in der Regel Männer vor, und gerade in beruflichen Kontexten sorgen geschlechtsneutrale Formulierungen für Sichtbarmachungen (siehe dazu auch diesen Beitrag von Quarks). Wie oft wurde ich z. B. zur Praktikantin oder Assistentin deklariert, wenn „der Medientechniker“ kommen sollte und ich auf der Bildschirmfläche erschienen bin? Mehr Techniker*innen in den Formulierungen können da durchaus helfen, Klischees abzubauen und Erwartungshaltungen zu verändern; auch weil sich durch entsprechende Formulierungen z. B. in Ausschreibungen mehr Frauen oder bzw. inkl. trans, inter und nichtbinäre Personen angesprochen fühlen. Und dass Letztere durch die Debatte mit dem Genderstern an Sichtbarkeit gewonnen haben, ist denke ich auch unbestreitbar. (Überhaupt macht die Kombi aus genderneutraler Sprache und der Debatte darüber wahrscheinlich am meisten aus.) Insofern haben auch die Sonderzeichen wieder etwas Gutes, auch wenn ich auf die Dauer eine Lösung ohne sie für wünschenswert halte.[4] Und na ja – letztlich kann ich den Wunsch nach Sichtbarkeit durchaus verstehen.[5] Da es mir primär um „Alltagssichtbarkeit“ geht, störe ich mich an Begriffen wie „jemand“ o. Ä. übrigens überhaupt nicht, da sie aus meiner Sicht bereits neutral gedacht werden – selbst wenn sie es im Ursprung vielleicht nicht waren. Jedenfalls, wenn sich diese entsprechenden positiven Effekte erst einmal einstellen und Geschlechterrollen stärker hinterfragt werden, kann sich das wiederum auch positiv auf scheinbar handfestere Probleme wie den Gender-Gap auswirken.

Es geht aber nicht nur darum, dass sich mehr Menschen angesprochen oder repräsentiert fühlen sowie Klischees abgebaut werden können. Kein generisches Maskulinum zu nutzen, macht Sprache auch angenehm genau. Beispielsweise habe ich letztens für einen Beitrag vor der Recherchefrage gestanden, ob die Priester eines antiken Volkes ausschließlich männlich oder eben auch weiblich sein konnten. Im Text wurde das nicht thematisiert, aber eine genderneutrale Formulierung des Textes hätte die Benennung von Personen als „Priester“ deutlich eindeutiger gemacht.

2. Contra

Nun hab ich viel dazu verloren, warum ich mich dazu entschieden habe, gendergerecht zu formulieren. Dass ich mich dazu entschieden habe, heißt aber noch lange nicht, dass ich keine Probleme sehen würde. Im Gegenteil bin ich dadurch, dass ich nun mal sehr viele Texte schreibe, auch ständig mit Unsicherheiten konfrontiert, die sich durch diese Formulierungen ergeben.

Das erste und „platteste“ Problem: Zu auffälliges Gendern vertreibt manche Lesende. Nun kann man sagen, jo, haben die halt Pech gehabt. Aber ganz so egal ist es mir nicht, wenn ich einen Inhalt nicht an alle Interessenten bringen kann, weil die Form nicht anspricht. Ich verliere schließlich nicht nur die Aus-Prinzip-Dagegen-Leute (auf die kann ich tatsächlich verzichten), sondern auch solche, bei denen noch kein Gewöhnungseffekt eingetreten ist. Letztlich sage ich mir hier – gut, je häufiger solche Formulierungen verwendet werden, desto normaler werden sie, d. h. ich baue darauf, dass halt irgendwann doch ein Gewöhnungseffekt eintritt. Aber wie gesagt, ganz egal ist mir nicht, wenn ich auf dem Weg Leser*innen verliere.

Hinzu kommt, dass ich manchmal durchaus selbst ein ästhetisches oder praktisches Problem mit gendergerechten Texten habe. In 80 % der Fälle ist alles leserfreundlich lösbar, aber ein Beispiel, wo das nicht so leicht war: Kürzlich habe ich einen Artikel über Zauberer in der Fantasy geschrieben (ist noch nicht veröffentlicht). Und bei dieser Formulierung fängt es ja schon an. Korrekterweise muss ich natürlich von „Zauber*innen“ sprechen. Aber in einem Text, in dem der Begriff in jedem Satz auftaucht, dazu auch noch dicht gefolgt von „Magier*innen“, „Hexenmeister*innen“ und „Hexe/rn (Hexe*rn?)“, lenkt das Ganze auf die Dauer schon vom Inhalt ab. Ich war mit diesem Text ziemlich unzufrieden und hab mir einen abgemurkst bei dem Versuch, ihn leserfreundlich zu machen. Was bei Beiträgen, bei denen mein Arbeitsfokus eigentlich auf der Recherche und Inhaltsvermittlung liegt, zuweilen ein ärgerlicher Ressourcenfaktor sein kann. Mit einer Partizipform wäre es einfacher gewesen, aber im Fantasykontext ist der Zauberer gegenüber den „Zauberwirkenden“ oder den „Zaubernden“ anders konnotiert, sodass ich ihn nicht guten Gewissens dauerhaft ersetzen konnte. Hinzu kommt, dass ich manchmal unsicher war, welche Form nun angebracht ist. Wenn in einem Setting z. B. nur männliche und weibliche Zauberwirkende vorkommen, müsste ich dann nicht korrekterweise in so einem Fall von „ZauberInnen“ statt von „Zauber*innen“ sprechen? Oder bleibt es bei „Zauber*innen“, weil man theoretisch davon ausgehen kann, dass auch in binären Gesellschaften nicht-binäre Menschen leben? Was, wenn das Setting das ausschließt, man aber auf solche Details nicht eingehen möchte? Ich weiß es wirklich nicht.

Und solche Unsicherheiten und Unsauberkeiten begegnen mir immer mal wieder. Letztens ploppte etwa auf einer Unternehmensseite Werbung für eine Lesung auf, die mit „Autor*innen“ beworben wurde, obwohl nur männliche Autoren teilnahmen. Da wirkt die genderneutrale Formulierung halt unnötig. Andererseits ist „Autor*innen“ vielleicht dennoch legitim, wenn man nicht weiß, ob eine der Personen nichtbinär ist? Es bleibt eben das Problem, dass neue Kategorien nicht unbedingt für mehr Übersicht sorgen.

Auch in der Prosa fällt es mir schwer, vom generischen Maskulinum Abstand zu nehmen. Ja, es ist möglich, einen Roman gendergerecht zu formulieren und ich finde es bemerkenswert, wenn Schriftstellende das machen. Aber es fällt auf und ist insofern ein Gestaltungselement, das man aktiv als solches akzeptieren muss. In meinem aktuellen Near-Future-Projekt beispielsweise war meine Idee, die wörtliche Rede genderneutral zu halten, da das für die Figuren die normale Formulierung sein sollte. Aber beim Lesen kommt es eben für Leute, die aus der Jetzt-Perspektive lesen, nicht normal rüber, wodurch ein Bruch entsteht, bei dem ich mir unsicher bin, ob ich ihn in Kauf nehmen will. Je nach Setting kann man die Formulierungen sicher trotzdem so gestalten, dass sie von den Lesenden als innerhalb des Worldbuildings „normal“ angenommen werden, aber je näher die Handlung an unserem Hier und Jetzt oder dessen Konventionen ist, desto schwieriger gestaltet es sich.

Davon ab muss ich außerdem erwähnen, dass in der Praxis die genderneutralen Formulierungen oft bissl inkonsequent sind. Beispielsweise werden englischsprachige Begriffe meistens nicht der deutschen Grammatik angepasst, obwohl meiner Meinung nach auch „Host“, „Geek“, „Nerd“ und Co. keine genderneutralen Begriffe sind. Mir uneins über den Umgang bin ich auch bei Begriffen wie „leserfreundlich“ oder „Priesterschaft“, um bei genannten Beispielen zu bleiben. Und gerade in der Fantasy, mit der ich nun mal viel zu tun habe, tauchen zahlreiche Begriffe auf, die sich nicht so leicht gendergerecht formulieren lassen.

Edit [06.07.]: Ergänzend fiel mir noch ein, dass ich in Interviews den Interviewten überlasse, ob sie gendergerecht formulieren möchten oder nicht. Was vermutlich irritierend ist, wenn dann in ein- und demselben Text Person A es macht, Person B aber nicht. Auch das Übergangsphänomene, bis eben gemeinsame Lösungen oder ein Status Quo gefunden sind.

3. Und nun?

Tja, im Detail gibt es also Probleme. Oder sagen wir – ich sehe zumindest Probleme. Vielleicht gibt es für sie längst Lösungen oder ich denke viel zu kompliziert?

Aber selbst wenn es keine Lösungen gibt, heißt es dann, dass wir es lassen sollten? Ich würde sagen, nein, da für mich die positiven Effekte gegenwärtig überwiegen. Wie so häufig wünsche ich mir aber einen ambivalenten Umgang. Im öffentlichen Bereich, in Verwaltungen und Berufs- und Unternehmenskontexten halte ich genderneutrale Formulierungen für begrüßenswert und weitgehend problemfrei. Überall da, wo die sprachliche Ästhetik eine größere Rolle spielt, würde ich sagen, muss man eben abwägen und ggf. Mischformen nutzen. Bleibt jemand beim generischen Maskulinum, finde ich es aber äußerst empfehlenswert, dass innerhalb des Textes dennoch klar wird, dass es sich eben um genau das handelt – und nicht tatsächlich nur männliche Personen gemeint sind.[6] Damit das gemacht wird, ist es wiederum erst einmal wichtig, Bewusstsein für die Grundproblematik zu schaffen, wofür es gar nicht so schlecht ist, wenn wir erst mal über die eine oder andere Formulierung stolpern. [7]

Für mich bleibt das Ganze ein spannendes – manchmal ein zu spannendes – sprachliches und soziales Experiment.  Und wie gesagt, persönlich ändere ich meine Meinung zu einzelnen Facetten immer mal. Insofern bin ich auch gespannt, wo ich selbst in fünf Jahren stehe. Selbst wenn sich gendergerechte Sprache auf Dauer nicht durchsetzen sollte, sorgt die Diskussion jedenfalls für ein breitenwirksameres Bewusstsein von Exklusionsproblematiken.

Nachtgedanken-Edit [07.07.]: Vielleicht gibt es in fünf Jahren ganz neue Ansätze. Theoretisch könnte ich mir auch vorstellen, dass das Femininum komplett abgeschafft und das Maskulinum quasi zum Neutrum wird; für Klarheit müssten dann Adjektive sorgen, aber auf die Dauer könnte das (außer bei Begriffen wie „Kameramann/-frau“) tatsächlich auch die gewünschten Effekte bringen, da eben in der Hauptform kein Unterschied mehr bestünde, you know … Allerdings zeigt z. B. die oben genannte Studie, dass wir dann ohne zugleich erfolgende soziale Veränderungen trotzdem nicht herum kämen, alternative Möglichkeiten zu finden, z. B. Geschlechterrollen im Beruf breitentauglich zu hinterfragen.

Ach ja, und – große Zuneigung für Begriffe wie „Leute“, „Personen“ oder „Figuren“. Hab euch echt gern.


[1] Übrigens: Auch wenn die gendergerechten Formulierungen theoretisch erwünscht waren, bin ich mir sicher, dass niemandem bei Nicht-Nutzung ein Nachteil entstanden ist. Tatsächlich habe ich in der Arbeit mit Dozierenden deutlich häufiger Texte gesehen, die nicht gendergerecht formuliert waren.

[2] Persönlich finde ich den Doppelpunkt angenehmer, weshalb ich ihn auch hier auf dem Blog lange verwendet habe. Neben den Barrierefreiheitsaspekten sei aber erwähnt, dass er von manchen nichtbinären Menschen wegen der geringeren Sichtbarmachung weniger geschätzt wird.

[3] Habe ich persönlich mit Menschen zu tun, die für sich Neopronomen nutzen, versuche ich Rücksicht auf deren Wahl zu nehmen; mir geht es jetzt um die Form, die ich im Allgemeingebrauch als am praktikabelsten empfinde.

[4] Aaaber ich sehe mich von dieser speziellen Problematik und allem, was daran hängt wie gesagt auch nicht betroffen. Edit [08.06.]: Einen Twitter-Thread von einer betroffenen Person, die u. a. kritisiert, dass sich das Thema nicht auf eine Gruppe und Benennung einengen lässt, findet ihr hier.

[5] Die Idee vom dominanten generischen Femininum finde ich, nebenbei bemerkt, unterhaltsam, aber es löst nicht die Probleme, die durchs generische Maskulinum entstanden sind.
Edit [08.06.]: Zu dem Satz vor der 5 außerdem noch eine Anmerkung, da es auch hierzu Kritik gab: Es ist sicher so, dass ich nicht alle Facetten des Sichtbarkeitbedürfnisses von Menschen mit nicht-binärer Identität verstehe, darauf sollte sich der Satz auch nicht explizit beziehen. Was ich hier meinte ist, dass ich den Wunsch nach Sichtbarkeit nachvollziehen kann, da ich ihn selbst aus verschiedenen anderen Bereichen aus der Eigenperspektive kenne, hier z. B. als Frau (und mir ist klar, dass die Dimension eine andere ist, da Frauen dennoch deutlich mehr Sichtbarkeit haben als nicht-binäre Personen).

[6] Je häufiger gendergerecht formuliert wird, desto mehr sorgen nicht-gegenderte Begriffe natürlich für Irritation. Wenn zwei „Schulen“ nebeneinander existieren, bleiben solche Übergangsphänomene nicht aus.

[7] Dass nicht jede*r gleich mitzieht und manche Leute auch einfach keinen Nerv haben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, vor allem, solange es im Flow ist, finde ich btw auch nachvollziehbar. Ich würde mir nur manchmal mehr Offenheit wünschen.

Beitragsbild von geralt via Pixabay

2 Kommentare zu „Warum ich (manchmal keine) gendergerechte(n) Formulierungen nutze

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  1. Pragmatische Ansätze und tatsächlich Geduld sind wahrscheinlich ebenso wichtig wie Menschenfreundlichkeit. Einander nicht übelzunehmen, für welche Formulierung man sich entscheidet, ist da der Anfang. Die Sprache ist, was das Gendern angeht, gerade in Bewegung, das dauert wohl noch eine Weile, bis sich ein allgemeiner Gebrauch einstellt. Es ist wohl wichtig für die folgenden Generationen, irgendeine Übereinkunft zu finden, mit der alle leben können. Ohne Streit und Verluste geht das nicht. Aber wenn sich viele Leute zumindest Gedanken dazu machen, ist das eine gute Entwicklung. Danke für den Text.

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