Maiansichten 2021

Der Deutsche Verlagspreis und der SERAPH wurden vergeben, mehrere Magazine wurden gegründet oder warten mit neuen Ausgaben auf, die Punks haben Oberwasser, verschiedene Szeneakteur*innen denken über Fantasyentwicklungen nach u. v. m.

Hey ho. Irgendwie dachte ich zwischenzeitlich, es wäre schon Juni, aber nee – wir haben die Zielgerade des Mais erreicht uuund damit die nächsten Monatsansichten. Ich glaube, es verlief dieses Mal wieder vergleichsweise ruhig. Aber seit ich das im März von mir gegeben habe und der April daraufhin zu einer Szene-Kakophonie wurde, bin ich etwas vorsichtig mit solchen Aussagen.[1] Außerdem war es einer dieser Monate, in denen ich sicher nicht alles mitbekommen habe, da das RL etwas mehr Aufmerksamkeit verlangte. Habe daher leider auch viele der Phantastik-Beiträge verpasst, die u. a. im Rahmen von „Leipzig liest extra“ gestreamt wurden, obwohl da viel gutes Zeuch dabei war (wurde aber zum Teil glücklicherweise aufgezeichnet).

Deutscher Verlagspreis und SERAPH 2021 vergeben

Mitbekommen habe ich aber, dass der Deutsche Verlagspreis vergeben wurde. Zu den Ausgezeichneten gehört mit dem Hirnkost Verlag auch ein Unternehmen, das – abgesehen davon, dass es eh bemerkenswerte Subkultur-/Szene-Sachen verlegt – auch für die Phantastik nicht ganz unrelevant ist. Schließlich ist hier zuletzt nicht nur das Science Fiction Jahrbuch, sondern z. B. auch die CliFi-Anthologie „Der grüne Planet“ erschienen.

Ebenso wurde zum bereits zehnten Mal der SERAPH vergeben: Die diesjährigen Sieger*innen sind Ursula Poznanski mit „Cryptos“ (Bestes Buch), Theresa Jeßberger für „Töchter der Freiheit“ (Bestes Debüt) und Siegfried Langer für „Das Buch, das dich findet“ (Bester Independent-Titel). Infos und die Aufzeichnung zur Verleihung findet ihr auf der Website der Phantastischen Akademie. Anlässlich des Jubiläums erschien zudem auf TOR Online ein Interview mit Natalja Schmidt und Oliver Graute, den Vorsitzenden der Phantastischen Akademie.

Deutschsprachige Fantasy, wo stehst du?

Im Interview kommt auch die aktuelle Situation der Phantastik in Deutschland zur Sprache. Ausführlicher hat sich dem, ebenfalls auf TOR Online und bezogen auf Veränderungen in der deutschsprachigen Fantasy in den letzten zehn Jahren, Christian Handel gewidmet. Um herauszufinden, was die aktuelle Szene ausmacht, lässt er viele verschiedene Schriftsteller*innen und Verlagsleute zu Wort kommen, was bei dem Thema nur sinnvoll ist – je nachdem, aus welcher Ecke die Personen kommen, fallen die Ansichten erfahrungsgemäß sehr unterschiedlich aus. Persönlich würde ich z. B. Gesa Schwartz ein Stück weit widersprechen. Es stimmt zwar, dass viele innerhalb der Bubbles wahrgenommene Innovationen nur bedingt aus diesen herauskommen, doch gerade das aktuelle mediale Interesse rund um CliFi und Co. zeigt schon, dass sich etwas tut. Volle Zustimmung dagegen für die u. a. von Bernd Perplies vertretene Einschätzung, wonach Kleinverlage und Selfpublishing heute mit zum Kernstück der Szene geworden sind. Und auch wenn es sicher immer mehr Gegenbeispiele gibt, muss ich ebenso zustimmen, dass genretechnisch immer noch sehr in traditionellen Geschlechterrollen verlegt wird.

Von Weltenportal bis Phantast: Magazinupdates

Für Abwechslung und Vielfalt in der Szene sorgen auf jeden Fall mit auch die inzwischen wieder auf eine erfreuliche Anzahl angewachsenen Print- und E-Magazine. Jüngst neu hinzugekommen ist Christoph Grimms Weltenportal. Bereits jetzt kann man dagegen die neueste Ausgabe der Zeitschrift für Fantastikforschung lesen, die u. a. mit Interviews mit James Sullivan und Ivan Engler aufwartet. Ebenso gibt es eine neue Ausgabe des Phantast, dieses Mal zum Thema „Zugaben“ (verstanden u. a. im Sinne von Sequels, Rückkehr zu Wurzeln usw.). Damit feiert das E-Mag zugleich seinen Fünfundzwangzigsten – herzlichen Glückwunsch!

Hyphenpunk und Punkhype

Darüber hinaus haben die Punk-Movements nun ein eigenes (englischsprachiges) Magazin namens Hyphen Punk erhalten. Überhaupt war da was im Wasser im Mai, denn das Interesse an den Punks ist plötzlich noch mal sprunghaft angestiegen. Beispielsweise hat das Nornennetz eine Auflistung veröffentlicht; ich verweise an dieser Stelle unauffällig noch mal auf meine eigene Liste.[2] Einige Begriffe überschneiden sich, bei anderen weichen wir voneinander ab. Hab persönlich z. B. noch nie was von Zoopunk gehört, was aber natürlich nichts heißen muss. Es ist eine fluide und lebendige Angelegenheit und momentan sprießen die Movements wie seit 2012 nicht mehr. Anfang 2020 bin ich in dem Zuge auch auf Dreampunk aufmerksam geworden, dem ich ebenfalls im Mai einen Beitrag gewidmet habe. Sören Heim wiederum ging es in seinem Blogbeitrag zu den schönsten 3,5 Minuten von „Ghost in the Shell“ zwar eigentlich nicht gezielt um Cyber- oder gar Dreampunk, doch sorgt er gleich fürs passende Ambiente. Am 2. Juni findet wohl außerdem auf dem YouTube-Kanal Brennende Buchstaben eine von Thorsten Küper und Frederic Brake organisierte Diskussionsrunde rund um die Punk-Genres statt, an der u. a. Jürgen Eglseer, die Vögte und Yvonne Tunnat teilnehmen.

Just nachdem ich diesen Abschnitt geschrieben hatte und zum obligatorischen Blick auf Twitter geschlendert bin, habe ich leider die Nachricht gelesen, dass der Künstler Benoît Sokal verstorben ist. Das von ihm kreierte Adventure „Syberia“ war für mich 2002 einer der ersten „aktiven“ Ausflüge in die Ästhetik der Punk-Genres, insbesondere in die des Steampunks. Ich mochte Sokals Stil sehr, den man auch in Comics wie der „Kraa“-Reihe oder zuletzt in „Aquarica“ kennenlernen konnte.

Aralbad aus der Syberia-Reihe (Bild von Anuman Interactive unter CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Artikelroll und Ausblick

Abschließend wie immer Hinweise auf Beiträge, die nicht so recht in die übrigen Sinnabschnitte passen, dadurch aber nicht weniger lesenswerte sind: Mit schöner Regelmäßigkeit erscheinen ja Beiträge, in denen SF-Erfindungen aufgezeigt werden, die es in die Realität geschafft haben bzw. in dieser für technische Inspiration sorgen. Im Mai hat sich diesem Thema nun das t3n-Magazin angenommen, das sich in seiner ersten Printausgabe des Jahres ja auch schon dem Cyberpunk gewidmet hatte.

Zufälligerweise ist mir außerdem die aktuelle Print-Ausgabe des Magazins HDTV über den Weg gelaufen, in der anlässlich des DVD-Release von „Cosmic Sin“ ein Blick auf Bruce Willis‘ SF-Karriere geworfen wird. Um ganz was anderes, nämlich den Comichelden Dan Dare bzw. die dazugehörige Hörspiel-Modernisierung, ging es im Mai auf Skalpell und Katzenklaue. Und auf dem Blog von Norbert Fiks gab es eine spannende Exkursion in die 1950er Jahre, als die ersten SF-Taschenbücher deutschsprachiger Autoren veröffentlicht wurden.

Hm, immer wenn ich denke, ich hätte dieses Mal gar nicht so viele Beiträge gesammelt, wird doch wieder ein zweiseitiger Word-Beitrag draus. Na, ich beschwer mich nicht, und bin gespannt, was der Juni bringt. Angekündigt ist jedenfalls schon mal die Buchmesse Saar, die vom 18. bis zum 20. Juni stattfindet. Im Gepäck dabei sind auch jede Menge Phantastik-Panels. Am 18. werde ich z. B. aus „Die Sommerlande“ lesen und gemeinsam mit Kolleg*innen über das Shared Universe der Herbstlande plaudern. Die genaue Uhrzeit werde ich rechtzeitig unter dem Reiter Termine bekanntgeben.


[1] Kleinere Dissonanzen gibt es natürlich eigentlich jeden Monat, aber solange sie nicht zu groß werden, fokussiere ich mich lieber auf spannende Artikel, Videos usw. – noch bin ich ja kein Szenegossip-Blog. :p

[2] Übrigens habe ich die Liste auch um ein paar allgemeine Einschätzungen zu dem Thema ergänzt.

3 Kommentare zu „Maiansichten 2021

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