Märzansichten 2021

… in denen wir auf aktuelle Nominierungen und Listen verweisen, uns an nachdenklicher Nostalgie erfreuen, auf kostenfreie Bücher aufmerksam machen und vieles mehr.

Es ist plötzlich April und traditionell würde sich Phantastikautor:in nun mental aufs PAN-Branchentreffen vorbereiten, um sich aus dem Post-Messe-Blues herauszuarbeiten. Jaa, ich wollte einfach noch mal ein bisschen Salz in die Wunde streuen. :p Na ja, stattdessen blicken wir auf ein Jahr Pandemie zurück[1], ist doch auch was. Letztes Jahr befand ich in den Märzansichten, dass ein seltsamer, aber Phantastik-aktiver Monat hinter uns lag. Nun, der aktuelle März war meinem Empfinden nach nicht seltsamer als seine Kollegen der letzten Zeit, aber es war wieder einiges los.[2] In meinen Notizen stehen 28 Themen für die Monatsansichten und ich prophezeie, dass ich die nicht alle werde behandeln können.[3] Mal schauen, wie weit wir kommen.

Die deutsche Award-Saison startet

Zunächst mal hat die Award-Saison inzwischen auch den deutschsprachigen Raum erreicht: So haben sowohl der Kurd-Laßwitz-Preis als auch der SERAPH ihre (ersten) Nominierungslisten veröffentlicht. Die Liste der Nominierten für den Kurd-Laßwitz-Preis, dessen Gewinner_innen im Juni bekanntgegeben werden, findet ihr auf der Award-Website,  die Longlist des SERAPH auf jener der Phantastischen Akademie. Die Phantastische Akademie gibt außerdem bekannt, dass der SERAPH 2021 aufgrund seines 10-jährigen Jubiläums etwas höher dotiert ist: „Bester Roman“ ist nun mit 2.500 Euro dotiert, die Kategorien „Bestes Debüt“ und „Bester Indie-Titel“ mit jeweils 2.000 Euro. Die Preistragenden werden im Zuge der Veranstaltung Leipzig liest extra vermutlich via Live-Stream gekürt; nähere Infos folgen noch.

Vom Vincent Preis kommt dagegen eine schlechte Nachricht: Obwohl hier in vielen Kategorien bereits die Nominierten bekanntgegeben worden waren – u. a. fand sich unter den Anwärtertiteln auch „Geschichten aus dem Keller“ – wurde der Award wegen interner Probleme für dieses Jahr ausgesetzt. Nachlesen lässt sich die Diskussion dazu inkl. der aufgehobenen Nominierungen im Forum Phantastik-Literatur.de.

Listen, wir haben Listen!

Der März zeigte außerdem eine gewisse Listen-Affinität. So wurde auf TOR-Online nach einer Mischung aus Publikums- und Juryvoting eine Liste der 100 Besten Fantasyromane aller Zeiten veröffentlicht. Dass eine solche Liste immer gewisse Probleme mit sich bringt und nicht alle zufriedenstellen kann, ist klar, darauf wird auch im Beitrag selbst ausführlich eingegangen. Dennoch scheinen die meisten mit der Liste recht zufrieden zu sein, was ich so mitbekommen habe. Sie bietet eine ausgewogene Mischung aus älteren und neueren Titeln, außerdem sind sowohl Klassiker als auch Beinahe-Geheimtipps enthalten. Persönlich freue ich mich, dass es z. B. Evangeline Waltons „Die vier Zweige des Mabinogi“, ein Buch von Joy Chant[4], mehrere von Patricia A. McKillip, einer meiner Pratchett-Lieblingsromane („Kleine freie Männer“) und auch Oliver Plaschkas „Das Licht hinter den Wolken“ auf die Liste geschafft haben. Bei ein paar anderen Titeln wundere ich mich, dass sie auf der Liste vorhanden („Bannsänger“ o.O) bzw. nicht vorhanden (hu, nichts von Brandon Sanderson?) sind. Schade finde ich, dass soweit ich das überblicke, mal wieder keinerlei Jugend-Romantasy auf der Liste vertreten ist.[5]

Ebenfalls eine neue Liste gibt es von Fantasy-Faction: Anlässlich des Weltfrauentags wurde hier der Versuch gestartet, eine Liste aller Autorinnen zu gestalten, die SFF schreiben. Ich finde die Liste nicht so gut, denn ich stehe nicht drauf :p Nein, also … ich liebe ja Listen, aber vielleicht ist dieses Thema für eine solche Website doch ein bisschen zu groß und eher was für Wikipedia …?[6] Anfangs wurde die Liste noch ergänzt, inzwischen soll sie wohl nur noch als … ja, als was eigentlich gelten? Inspiration? Generelle Info – hey, Frauen schreiben auch SFF? Eigentlich hoffe ich, dass wir über den Punkt hinaus sind, an dem es eine solche Liste mit random Namen braucht. Zumal einfach so viele selbst bekannte Autorinnen nicht drauf sind. Zum Herumklicken okay, und Potenzial sehe ich z. B. in der Aufteilung nach Subgenres, da sich ja irgendwie hartnäckig das Gerücht hält, wir würden alle ausschließlich Romantasy schreiben. Aber letztlich hätte auch da eine Auswahl, dafür mit ein paar Worten zur jeweiligen Person, mehr Infogehalt gehabt.[7]

Aussagekräftiger ist die Vorstellung von „19 Asian Sci-Fi/Fantasy Books released in 2020“, die auf Narratess veröffentlicht wurde. Okay, streng genommen wurde sie bereits im Februar online gestellt, aber sie eignet sich so gut, um zum nächsten Thema überzuleiten.

Über indische und chinesische SFF

Denn auch sonst sind im März einige interessante Beiträge rund um asiatische SFF erschienen: So hat die (gleichwohl international orientierte) Mithila Review Ausgabe Nr. 15 herausgebracht, inklusive eines Editorials von Ishita Singh, das nicht nur die aktuelle Ausgabe und die Vision der Mithila Review, sondern auch die aktuelle Lage in Indien beleuchtet. In der Washington Post wiederum ist ein Gespräch zwischen Silvia Moreno-Garcia und Lavie Tidhar über indische Fantasy- und Science-Fiction-Romane erschienen, während sich Wired ausführlich dem Leben und Wirken des chinesischen SF-Schriftstellers Chen Quifan widmete.

Nostalgien

Ansonsten wurde im März recht viel in Vergangenem geschwelgt. Wer es nicht mitbekommen hat – hier auf dem Blog lief auch eine Reread-Aktion zu „Erdzauber“, gemeinsam mit Peter von Skalpell und Katzenklaue. Der widmete sich außerdem differenziert dem Umgang mit der Sword & Sorcery, deren Klassiker einerseits viele problematische Inhalte beinhalten, deren Vielfalt dabei aber andererseits oft kaum Beachtung findet. In dem Zusammenhang wurde auch auf die Genderswapped-Folge zu Genre(-konventionen) im Rollenspiel verwiesen, aber leider kam ich noch nicht dazu, sie selbst zu hören. Dasselbe gilt für all die anderen frischen Podcasts, etwa den Lore-Podcast über „Die wichtigsten D&D-Welten“.

Aber noch mal zurück zur Sword & Sorcery: Deren wohl größtem Helden – Conan – widmete sich auch Stephen Graham Jones in einem Beitrag für Texas Monthly. Sein Beitrag über das Aufwachsen mit Conan-Storys lässt die Kritik beiseite, aber ich muss zugeben, für diese Art nachdenklicher Nostalgie etwas übrig zu haben.[8] In eine ähnliche Kategorie fällt auch Maja Ilischs verspäteter, aber gleichwohl äußerst lesenswerter (und irgendwie rührender) Nachruf auf Terry Pratchett, dessen Todestag sich im März zum sechsten Mal gejährt hat.

Noch mehr Nostalgie gab’s außerdem auf dem Blog Science Fiction and Other Suspect Ruminations, wo ein Schlaglicht auf die Coverkunst von Johann Peter Reuter geworfen wurde.

Muskelbepackter Mann mit langen schwarzen Haaren, die im Wind wehen.  Kämpft mit Schwert und Kriegsbeil, von dem noch das Blut seiner Feinde tropft und auch sonst alles recht martialisch.
Posing aufm Schlachtfeld („Conan The Barbarian“ von Dvazart unter CC BY NC-ND 3.0 via DeviantArt)

Von Cyberpunk bis Solarfiction

Ansonsten noch ein paar Tipps zum Ende: In der aktuellen, ohnehin lesenswerten Ausgabe von t3n findet sich ein Interview mit Lars Schmeink, in dem er u. a. auf Bezüge unseres Hier und Jetzt zum Cyberpunk eingeht, oder auch darauf, wie dieser von aktuellen Medien als reine Ästhetik genutzt wird.  In der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung ist außerdem ein neuer Band erschienen, der sich dem Afrofuturismus widmet. Und ganz kostenfrei lässt sich „Cities of Light“ herunterladen, eine Solarfiction-Sammlung mit Kurzgeschichten und Essays unter Ägide der Arizona State University.

„Die Türme von Eden“: Im April kostenfrei

Apropos kostenfrei: Ab 4. April wird für mehrere Tage das E-Book zu „Die Türme von Eden“ kostenfrei angeboten. Solltet ihr euch also für das Buch interessieren, könnt oder wollt es aber aus irgendeinem Grund nicht kaufen, ist das eure Chance.

Trotzdem nutze ich diesen Moment noch mal, um darauf hinzuweisen, dass ich eine, wenngleich recht brach liegende, Kofi-Seite besitze, über das ihr meinen Tee- und Kaffeekonsum einmalig (bzw. wenn ihr mögt, auch mehrmalig ;)) mitfinanzieren könnt. Wie schon häufiger gesagt, teile ich gerne mein Wissen und meine Kunst, sogar kostenfrei. Zugleich sehe ich mich aber auch mit der Tatsache konfrontiert, dass Dinge im Alltag Geld kosten und daher … jo. Wenn euch gefällt, was ich schreibe oder tue, freue ich mich über diese Form der Anerkennung ;)

Und nun entlasse ich euch in den April, der übrigens auch das digitale LitCamp Heidelberg beinhaltet, auf dem ich vermutlich auch wieder irgendeine Session anbieten werde. Vielleicht dazu, wie man interaktive Textadventures erstellen kann. Habe zwar noch keines meiner eigenen bis zur Veröffentlichung bekommen, aaaber über die Software kann ich schon reden.

Habt ein paar möglichst entspannte Feiertage!

P. S.: Dieser Beitrag enthält keinen Aprilscherz. Finde es eigentlich schade, ich mag diese Tradition, selbst (oder gerade) 2021. Aber hab’s schlichtweg vergessen, mir was auszudenken und jetzt fühlt sich mein kreativer Geist zu sehr unter Druck gesetzt. :(


[1] Oder sagen wir lieber – ein Jahr Pandemie-Awareness in Europa.

[2] Obwohl es an großen Aufregern zugleich gefehlt hat.

[3] Einen Tag und drei Seiten in Word später kann ich berichten: Ich habe mit dieser Prophezeiung recht behalten.

[4] Aber warum ausgerechnet dieses …

[5] Nachdem das Time Magazine vor wenigen Monaten eine ganz ähnliche Liste veröffentlicht hatte, gab es auf Twitter eine gewisse Empörung darüber, dass nichts von Tad Williams darauf war; kann nun alle Williamatiker_innen beruhigen, er ist zumindest auf der TOR-Online-Liste vertreten. ;-)

[6] Sofern sie dort nicht gelöscht wird, natürlich.

[7] Von den ganzen Problematiken, die eine solche Auswahl mit sich bringt, will ich jetzt sogar mal absehen.

[8] Ist das ein Zeichen des Älterwerdens …? Zu meiner Verteidigung, solche Beiträge sollten nicht ins Verklären abdriften, und idealerweise werden sie mit kritischer (Selbst-)Reflexion kombiniert – wie z. B. in den beiden „Der Herr der Ringe“-Artikeln aus den Februaransichten.

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