Novemberansichten 2020

Verschiedene Auszeichnungen wurden vergeben, Magazine und Verlage haben das Licht der Blätterwelt erblickt, Phantastikläden stehen vor Herausforderungen, die Phantastik hält viele seltsame Wesen bereit u.v.m.

Okay, so spät wie dieses Mal war ich lange nicht mehr dran, aber leider kamen mir ein paar Sachen dazwischen, die die Novemberansichten nach hinten verschoben haben. Dass ich meine Themenliste für den Monat versehentlich gelöscht habe, war auch nicht so hilfreich, und dann musste ich ja auch noch zwei Stunden fasziniert am Fenster stehen und den elf Schneeflocken zusehen, die da vom Himmel rieselten! Aber hören wir auf zu jammern und schauen uns endlich an, was den Monat über Szene und Leute beschäftigt hat.

Auszeichnungen und Longlists

Beginnen wir mit den Auszeichnungen, derer im November so einige von sich reden machten: So wurden aus 1.501 Einsendungen die diesjährigen Gewinnertitel des Selfpublishing-Buchpreises ausgewählt. Ich freue mich sehr für Sameena Jehanzeb, dass ihr Phantastik-Roman „Was Preema nicht weiß“ in der Belletristik-Kategorie das Rennen gemacht hat – herzlichen Glückwunsch! In weiteren Kategorien wurden die Titel „Elise erkundet das Meer“ (Bestes Kinderbuch) und „EMOTIONIZE ME“ (Bestes Sachbuch) prämiert.

Ganz so weit ist der Krefelder Preis für phantastische Literatur, auch bekannt als Pentagondodekaeder, noch nicht. Dafür hat der neue Stadtpreis aber seine Longlist bekannt gegeben, auf der Autor*innen wie Katharina Hartwell, Thilo Corzilius, Diana Menschig oder wiederum Sameena Jehanzeb vertreten sind. Eine statistische Auswertung der Einsendungen findet sich auf Krefeld.de.

Weiterhin verliehen wurden der Blogpreis von SF Lit, der in diesem Jahr an Melanie Vogltanz‘ „Shape me“ ging, sowie der Planet Award von Radioplanet Berlin. Eine komplette Auflistung aller Planet Award-Gewinner*innen konnte ich nicht finden, aber auf jeden Fall hat Matthias Teut das Rennen als bester Autor gemacht. Glückwunsch!

Zwischen Neugründungen und Krisenzeiten

Positive Meldungen gab es auch in Sachen Neugründungen: So ist mit Legionarion ein neuer Fantasyverlag an den Start gegangen. Die ersten Veröffentlichungen umfassen Ann B. Widows „Einzige Chance: Überleben!“, A. C. Loclairs „Krieger meiner Seele“ sowie Sabrina Wolvs „Nummer 365 – Lichtbringer“.

Bereits im Oktober ist zudem die Winterausgabe des Print-Magazins We are bookish erschienen. Die neue Zeitschrift fokussiert sich nach eigener Aussage auf „Jugendbücher, Fantasy und New Adult“. Der phantastische Schwerpunkt liegt dabei zumindest in der Oktoberausgabe tendenziell auf Romantasy.

Ungleich älter ist die Geschichte des Fantasy Magazine. Zwischen 2005 und 2012 veröffentlichte das englischsprachige Magazin Geschichten von Autor*innen wie Lavie Tidhar oder Catherynne M. Valente. Danach ging es im eher SF-orientierten Lightspeed Magazine auf, seit November gibt es Fantasy nun aber wieder als eigenständige Online- und eBook-Variante.

Hierzulande wiederum ist die 24. Ausgabe des PHANTAST erschienen. Dem Themenschwerpunkt „Hoffnung“ widmen sich Essays u. a. von Thilo Corzilius, Almut Oetjen oder Judith Madera. Mit dabei sind außerdem mehrere Kurzgeschichten, darunter mein „Der Tod und die Tänzerin“ (mehr Worte zu meinen aktuellen Kurzgeschichten-Veröffentlichungen habe ich in einem eigenständigen Beitrag verloren).

Hoffnung können derzeit so einige gut gebrauchen, also vielleicht sogar noch etwas mehr als sonst. U. a. gilt das für Phantastikbetriebe, die vom Lockdown oder anderen Corona-bedingten Wirtschaftsfolgen unmittelbar betroffen sind. Offen spricht über diese beispielsweise der Koblenzer Geek-Store Loot Shoop, bei dem gleich mehrere unglückliche Umstände zusammenkamen.

Kung-Fu-Nazis und andere seltsame Kreaturen

Zurück zu Schönerem: Normalerweise steh ich nicht so auf Alternate-History-Nazi-Trash, aber ich hatte großen Spaß am Artikel der Zeit über den ghanaischen Film „African Kung-Fu Nazis“ und dessen Entstehung. Empfehle auch den eigenwillig übersetzten deutschen Trailer.

Klassischeren Themen widmete man sich auf Gizmodo sowie auf Skalpell und Katzenklaue: Auf Gizmodo fuhr Rob Bricken mit dem Reread der ersten Forgotten Realms-Romane fort.** Peter von Skalpell und Katzenklaue hat zum einen die Diskussion um die Retro Hugos aufgegriffen, diese zum anderen als Aufhänger genutzt, um über die Cthulhu-Geschichten von August Derleth bzw. dessen Rolle im Mythos zu berichten.

Tentakel über finsterer Landschaft
Endlich kann ich dieses Bild verwenden! („The Old One“ von 000Fesbra000 unter CC BY-NC-ND 3.0 via DeviantArt)

Von mir wiederum gab es zwei neue Beiträge zur Kreaturen-Reihe auf TOR Online: Einmal ging es um Drachen, einmal um die bereits angekündigten Werwölfe. Und wenn ihr ein paar hierzulande etwas weniger populäre Wesen kennenlernen wollt, könnt ihr mal bei Kellie Dohertys Auflistung auf Fantasy-Faction vorbeischauen.

Nachrufe

Leider brachte auch der November wieder einige Trauermeldungen zu Wirkenden der internationalen SFF-Szene: Am 1. November verstarb Rachel Caine mit 58 Jahren an den Folgen eines Weichteilkarzinoms. Die Autorin schrieb zahlreiche Romane verschiedener Genres, darunter ihre im deutschsprachigen Raum sehr beliebte YA-Fantasy-Reihe Haus der Vampire. Ihr Ehemann, der Illustrator R. Cat Conrad, sowie Caines Agentin und ihre Assistentin haben einen gemeinsamen Nachruf veröffentlicht.

Am 29. November dann verstarb der Science-Fiction-Autor Ben Bova mit 88 Jahren an den Folgen von Covid. Bova schrieb mehr als 120 Romane (u. a. die Reihen The Grand Tour und Star Watch) und war als Herausgeber und Redakteur der Magazine Analog und Omni tätig. Dafür erhielt er allein sechsmal den Hugo, hinzu kommen zahlreiche weitere Awards.

*

Nun kommt gut durch den restlichen Dezember und habt eine gute Zeit. Es naht ja die Phase der Jahresrückblicke …


*Was mich wieder daran erinnert, dass ich etwas Ähnliches mit Drachenlanze vorhatte, aber eins nach dem anderen

Allgemein Phantastik Top7

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