Februaransichten 2020

Sinnieren über potenziell eigenartige Vorträge und das Schwinden der Fehlerkultur, Hinweise zum DPP, SERAPH und den Tagen der Phantastik und … das war es eigentlich auch schon.

Hm, habe ich nicht gerade erst die Januaransichten veröffentlicht? Jedenfalls ging mein Februar irgendwie unter zwischen Arbeitsstress und einem familiären Krankheits- bzw. Trauerfall. Es blieb zwar Zeit für einige weitgehend sinnbefreite Social-Media-Posts,* aber nicht, um tiefer in Blog- oder Zineartikel einzusteigen.

Selbst die PAN-Diskussion Anfang des Monats habe ich erst leicht verspätet mitbekommen. Als sie dann bei mir ankam, war sie auch nicht gerade geeignet, die Laune zu heben. Für alle, die in den letzten Wochen unter einem Felsen gelebt haben: Für das diesjährige PAN-Branchentreffen, das rund um den ersten Mai in Düsseldorf stattfindet, wurde u. a. Peter Kees für einen Vortrag mit dem Titel „Rettet die Kunst vor den Moral-Aposteln!“ angekündigt. Nachdem Kees das Thema bereits im Deutschlandfunk behandelt und dort u. a. eine krude Linie von MeToo zum Nationalisozialismus gezogen hatte, also klar war, dass der Titel nicht ironisch o. ä. gemeint ist, war ebenso klar, dass das zu Gegenwind führen würde.

Oder nicht? Der PAN-Vorstand (?) schien doch überrascht. Was wiederum mich anfangs überrascht hat, bei näherem Hinsehen aber doch nicht mehr so sehr. In den Schriftstellendenkreisen von Facebook wurde der DLF-Beitrag bei Erscheinen differenzierter diskutiert denn in den doch sehr links-progressiven Twitter-Blasen. Berücksichtigt man das sowie die Tatsache, dass die Haupt-PANinis sich eher auf Facebook und Instagram denn auf Twitter bewegen, ist nachvollziehbarer, warum das Thema ausgesucht wurde. Enttäuschend finde ich es persönlich dennoch, dass es als gute Idee erschien, Kees einen Vortrag zu überlassen, anstatt das Thema im Rahmen einer (soweit möglich) ausgewogenen Diskussionsrunde zu behandeln (gerne auch mit Kees als Diskussionspartner). Solche Runden liefen zwar bereits bei vergangenen PAN-Runden nicht immer glimpflich ab, konnten aber breite Debatten anstoßen und das heterogene Stimmungsfeld zeigen.

Letztlich also eine unglückliche Sache, und dass der Kees-Vortrag zurückgezogen wurde, erscheint mir als die richtige Entscheidung. Allerdings war auch die Diskussion darüber eine unglückliche Sache, zumindest auf Twitter. Gut, für dessen Verhältnisse lief sie eigentlich freundlich ab, aber sie reiht sich ein in eine Folge ähnlicher Fälle, die mich an der Diskussionskultur dort doch zweifeln lassen. Ich schätze Twitter für Anstöße und pointierte Zusammenfassungen. Als alleinige Plattform für differenzierte Diskussionen oder Auseinandersetzungen ist das Netzwerk aber meistens nicht geeignet, daran ändern auch Threads nichts. Ein Bekannter bezeichnete die Diskussion dort als „hyperbolisch“, was ich als ziemlich zutreffend empfinde. Tweets können den Finger in die Wunde legen, was seine Berechtigung hat, um auf die Wunde aufmerksam zu machen. Aber das Verarzten vor Ort ist schwierig.** Ausgerechnet auf Facebook lief die Diskussion aus meiner Sicht konstruktiver ab, da dort der Platz genutzt wurde, um die Problematik im Detail zu erklären. Denn wenn man nicht ständig mit den damit zusammenhängenden Debatten konfrontiert wird, ist diese Problematik nun einmal nicht in all ihren Facetten selbstverständlich.

Und auch zwischen eher linksorientierten Leuten gibt es zahlreiche Abstufungen dessen, was als problematisch empfunden wird, da sich u. a. der Fokus verschiebt. Was auch völlig in Ordnung ist, da die Welt immer noch nicht schwarzweiß geworden ist. Deshalb braucht es auch nach wie vor nicht nur eine Diskussions-, sondern auch eine Reflexions- und Fehlerkultur. Ansonsten erschaffen wir nur eine Unsicherheitskultur, die am Ende eher die falschen Stimmen verstummen lässt.***

Tja, so kurz zu einem Thema, das selbst ganze Blogs füllen könnte. Ansonsten lief es glaub ich ruhiger ab, aber der Deutsche Phantastik Preis machte von sich reden. Anfang des Monats wurde zunächst bekannt gegeben, dass sich iFuB von der Organisation des Preises zurückzieht. Die Rechte bleiben bei Olaf J. Menke und werden von Phantastiknews.de verwaltet. Ende des Monats folgte dann noch die Nachricht, dass der Preis in diesem Jahr aussetzt. Aus meiner Sicht nur verständlich und zu begrüßen. Es ist besser, den Preis einmal ruhen zu lassen und sich in Ruhe zu überlegen, wie er vom Rand der Bedeutungslosigkeit zurückgezogen werden kann, anstatt nun irgendetwas zu überstürzen. Das kam in den vergangenen Jahren schon zu oft vor.

Trösten kann man sich u. a. mit dem SERAPH, dessen Shortlist sich hier einsehen lässt – nebst der Info, dass der Preis in allen drei Kategorien dotiert ist. Meinen Glückwunsch allen Nominierten! Verliehen wird der Preis am 12. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse.

Eine Frau und ein Mann an Mikrofonen, dahinter der Schriftzug "Leipziger Buchmesse"
Natalja Schmidt und Oliver Graute bei der Verleihung des SERAPH 2019.

Diese werde ich dieses Jahr übrigens nicht selbst besuchen, selbst falls sie stattfinden sollte. Da im März einige Brotjob-Events anstehen, wäre mir das zu viel geworden. Zumindest aber verbirgt sich hinter einem dieser Events die FutureWorks-Tagung, die auch ziemlich Phantastik-relevant ist. Vielleicht sieht man sich dort ja. Wenn die Tagung stattfindet; muss man derzeit ja immer dazu sagen.

Zuletzt noch der Hinweis auf den Call for Papers der Phantastischen Bibliothek Wetzlar für die Tage der Phantastik, die Anfang September stattfinden. Thema sind in diesem Jahr die „weiblichen Perspektiven der Zukunft“. Nun muss ich aber erst einmal packen, um mich morgen in Weimar Lernorten der Zukunft widmen zu können …

Bibliotheksgang mit vielen vollen Regalen
Die Phantastische Bibliothek Wetzlar während der Tage der Phantastik 2019 (yeah, Foto-Recycling …)

*Je schlechter ich drauf bin desto „leichter“ meine Social-Media-Beiträge. Ist mir mal so aufgefallen.
**Wobei ich zugleich anerkenne, dass es auch schwer ist, das „Verarzten“ an einen anderen Ort zu verlegen. Und damit lasse ich diese Metapher jetzt auch wieder ruhen.
***Wie viel ich nun allein daran herumüberlegt habe, auf wie viele Arten dieser Absatz interpretiert werden könnte und dass es vermutlich deutlich einfacher wäre, ihn einfach wegzulassen. Btw finde ich es ein wenig schräg, dass mir von meinem Offline-Umfeld oft vorgeworfen wird, zu radikal in Sachen Diversity zu sein, während ich mir hier manchmal furchtbar konservativ vorkomme. o.O

Allgemein Monatsansichten Phantastik

4 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ja, die Diskussionskultur. Twitter verwirtt mich da auch immer wieder. Zum Glück bekomme ich nur die Hälfte mit. Teils weil ich Syntax nicht verstehe, teils das Problem. Mir kommt es so vor, als ob Gelassenheit fehlte. Ich wünsche mir mehr Hippies in der Szene.

    Viel Spaß in Weimar!

    • Mehr Hippies sind für die meisten Lebenslagen keine schlechte Idee ;-) Ich glaub, um bei allen sozialen Regeln von Twitter mitzukommen, müsste man sich stark auf eine einzige Blase konzentrieren und der Tag und Nacht folgen. Das ist mir dann aber doch auch zu anstrengend.

      Danke, leider musste ich kurzfristig noch krankheitsbedingt zurücktreten :( Sehr schade, hätte mir Weimar gerne mal angesehen.

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