Szene- und Dezemberansichten 2019

Der Dezember kam und ging und mit ihm vermutlich auch wieder viele spannende Artikel, Podcasts und Co. U. a. hat Lars Schmeink mit dem Deutschlandfunk über Cyberpunk und dessen Bezug zur heutigen Realität geredet. Einige Leute mit Bezug zur Phantastikszene haben außerdem Beiträge dazu veröffentlicht, was die vergangene Dekade so mit ihnen angestellt hat, darunter Falko Löffler und Markus Mäurer. Von mir gab’s auch einen Rückblick, aber nur aufs vergangene Jahr und die gelesenen Bücher. Auf Tor Online habe ich mich außerdem der Funtasy gewidmet.*

Ansonsten ging diesen Monat viel an mir vorbei und ich habe mir nicht mal den neuen Star Wars-Film angeschaut. Na ja, ich habe noch nicht mal „The Last Jedi“ gesehen, also ist es um meine Star Credibility wohl eh schlecht bestellt.

Wikipedia und Verlagskrisen: Das war 2019

Jedenfalls, da hier nun so viel freier Platz ist, nutze ich diesen, um einen kurzen Blick zurück aufs Szenejahr zu werfen. Das habe ich auch 2019 getan, und auf den ersten Blick scheint sich mir da auch gar nicht viel verändert zu haben. Wie ich es prophezeit habe, bleibt Diversity ein bestimmendes Thema. Allerdings wird es vor allem in Bezug auf verschiedene Fandoms diskutiert oder wenn es um das Zählen von Namen bei Neuveröffentlichungen geht. Allgemeine Betrachtungen sind seltener, aber dafür scheint das Thema auch selbstverständlicher zu werden – was ja auch irgendwie Sinn der Sache ist, selbst wenn in einigen Bereichen sicher noch viel zu tun bleibt.

Nichtsdestotrotz** war die Diskussion um die Liste der SF-Autorinnen auf Wikipedia wohl der Hauptaufreger bis in den Sommer hinein. Ich denke mehr denn je, dass eine sortierbare und (nach Möglichkeit) gendergerecht formulierte Liste allen am besten getan hätte, but well. Ich bin grundsätzlich froh über die Diskussion, die die Liste weit über sich selbst hinaus angestoßen hat. Gleichzeitig hoffe ich aber auch, dass die Wikipedia die Kurve bekommt und die Rufe nach einem Alternativprojekt verklingen. Denn wie schon häufiger erwähnt: die Wikipedia besteht nicht nur aus Gatekeepern, sondern auch aus einer Menge engagierter Artikelschreibenden, deren Arbeit nicht vergessen werden sollte. Selbiges gilt vermutlich auch (u. a.) für die Jurys verschiedener Genrepreise, denen mehr Bias-Bewusstsein gut tun würde. Aber auch hier habe ich den Eindruck, dass sich durchaus etwas tut. Nur schade, dass in Zeitgeistmode viele Diskussionen weiterhin so unreflektiert und auf Tweetlänge geführt werden.

Zwei Frauen und zwei Männer in einer Podiumsdiskussion
Durch eine Liste von Theresa Hannig (Podiumsmitte) wurde die Diskussion angestoßen; hier ein Foto vom „Tag des freien Wissens“ 2019 (Foto von Anne Braun für Wikimedia Deutschland, unter CC BY-SA 4.0)

Das für die Szene vor allem wirtschaftlich prägendste Thema war aber ein anderes, nämlich die Krise der (Klein-)Verlage. Erst die Insolvenz von KNV, dann das Ausmustern von Titel durch Libri: Es lief nicht gut für die ohnehin schon geringe Sichtbarkeit unabhängiger Verlage.*** Das hat seine Spuren hinterlassen, für die Phantastikszene wichtige Insitutionen wie Golkonda und Feder&Schwert mussten Insolvenz anmelden. Zwei Extrembeispiele, aber auch viele andere Verlage hatten zu knabbern. Ich merke es persönlich daran, dass einige meiner älteren Titel zeitweise nicht mehr über die großen Buchhandelsketten zu beziehen waren, teilweise ist das auch jetzt nur noch als E-Book möglich. Zudem reagieren die Verlage, indem sie ihr Programm anpassen. Verständlich, allerdings bedeutet es leider auch, dass mehrere Anthologien mit meiner Beteiligung aus dem Verkauf genommen wurden bzw. werden. Ein erster Roman wird 2020 folgen.

Außerhalb dieser beiden großen Themen gab es ein paar kleinere Aufreger und Diskussionspools. Mehrere Verlage machten von sich reden, da sie mit ihren Schriftstellenden offenbar nicht besonders partnerorientiert umgegangen sind. Aus meiner Sicht wurde außerdem viel über Genres diskutiert, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich hier nicht sehr Bubble-geprägt bin. Zumindest der Hopepunk sorgt aber durchaus für ein gewisses mediales Interesse über Bubble und Szene hinaus.

Quo vadis, 2020?

Und sonst? Es bleibt spannend für die Phantastik. Sie ist längst im Mainstream angekommen bzw. ist der Mainstream. Die Comic Cons schießen weiter aus dem Boden, 2019 löste eine neue die Role Play Convention ab. Ich war nicht begeistert darüber, hatte letztlich aber Spaß auf der sogenannten CCXP.

Thematisch bleibt der Fokus auf der Science Fiction. Die wird längst ernst genommen als Wegbereiter und Prophet, Fantasy ist nur die kleine Schwester, mit der nach Trends gesucht wird. Was diese aber sind? Das weiß keiner so recht.

Lassen wir uns also überraschen, was 2020 bringt. Wer es phantastisch mitgestalten möchte, hat noch bis zum 15. Januar Zeit, Paper für die nächste GfF-Tagung einzureichen. Wisst ihr Bescheid. Und nun startet gut ins Jahr!

Edit: Eine Sache habe ich vergessen, soll aber nicht unerwähnt bleiben. Das Science Fiction Jahr, so ziemlich das einzige SFF-Jahrbuch, das bisher noch erschien, benötigt für dieses Jahr finanzielle Unterstützung in Form von Crowdfunding. Für nähere Infos guckst du hier.


*Übrigens finde ich diesen Begriff ganz furchtbar, aber nun ja.
**Bei der Verwendung dieses Wortes höre ich immer einen meiner Philosophiedozenten, der jammerte, sobald jemand „nichtsdestotrotz“ gebrauchte …
***Dem Thema widmet sich übrigens auch die aktuelle „Geek!“ in einem längeren Artikel.

Text unter CC BY-SA 4.0

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