Oktoberansichten 2019

Wir beobachten etwas verwundert, wie Subgenres emotionalisieren, vermissen bestimmte SF-Autorinnen und berichten über neue Call for Papers und Awards.

Der Oktober war, wie jedes Jahr, zahlreichen Events gewidmet: In Stuttgart fanden die Dragon Days statt, in Essen die SPIEL, in Frankfurt und Dreieich die Frankfurter Buchmesse und der BuCon. Zum Lesen von Blogs und Co. bin ich durch Vorbereitungen und Postmelancholie kaum gekommen, und wenn doch, habe ich schon darüber gebloggt.

Hoffnung und Widerstand

Mitbekommen habe ich aber, dass Anfang Oktober mein (tatsächlich bereits vor mehreren Monaten geschriebener) Artikel zum Hopepunk erschienen ist. Schon bei der ersten Runde via Twitter hat der Begriff … Irritationen hervorgerufen. Aber nachdem James Sullivan ihn nach der FBM noch einmal geteilt hat, ging die Diskussion, ob das nun ein Genre ist oder nur eine fancy Trendspielerei, so richtig los. Was mich am Rande auch zu einer kleinen Spielerei veranlasst hat:

Es ist scho ein bisschen bemerkenswert. Als ich das Thema hier Anfang des Jahres erstmals angesprochen habe, hat kaum ein Hahn danach gekräht, und auch als im August eine Presseanfrage dazu die Runde machte, war es nicht wirklich en vogue. Plötzlich aber ist es DAS Trendthema und ich beobachte da so eine gewisse Lagerbildung. Der jüngste „Diskussionshype“ wurde wohl vornehmlich durch die Veröffentlichung des Romans „Wasteland“ ausgelöst, der von dessen AutorInnen Judith und Christian Vogt dezidiert als Hopepunk betitelt wird. Wie dem auch sei, die Diskussion wird überraschend leidenschaftlich geführt. Aber … es ist nur ein Genre. Oder die Vision eines Genres. Oder so. Ich mein, mir macht das echt Spaß, darüber zu diskutieren, und ich denk mir, solange wir uns an sowas aufreiben, muss unsere Welt noch ganz in Ordnung sein. Aber ich hatte den Eindruck, als fühlten sich manche geradezu beleidigt, weil da nun ein Begriff auftaucht, dem sie vorher noch nicht begegnet sind.

Wobei das Thema „Genres“ offenbar generell eines ist, das viele Leute emotional bewegt. Ich glaube, es war High Fantasy, als sich zunächst ein User darüber echauffierte, dass ich „Das Schiff der Ishtar“ nicht genannt hatte (ist meines Erachtens auch keine High Fantasy …) und eine Userin wiederum beklagte, dass ich keine Autorinnen genannt hätte (es tauchen eine ganze Reihe im Artikel auf).

Generationenfragen

Aber so ist das halt, man kann es nicht jedem recht machen, und ich meckere ja auch oft genug, wenn mir etwas unvollständig oder einseitig erscheint. Zum Beispiel bei dem Artikel zu den „Autorinnen in der deutschen Science Fiction„. Also finde es toll, dass so eine Übersicht erschienen ist und gerade der Teil zur SF vor 1990 bot mir einige Aha-Momente. Bloß ist es schade, dass die „typischen“ SF-Genrekleinverlage wie Atlantis, Wurdack, p.machinery oder Begedia und damit Autorinnen wie Nadine Boos oder Miriam Pharo – aus meiner Sicht zwei der wichtigsten Genreautorinnen der Gegenwart – keine Erwähnung finden. Meistens beklage ich, dass die „ältere“ SF-Szene Titel von Verlagen wie ohneohren, Art Skript Phantastik oder auch Drachenmond nicht auf dem Schirm hat, dieses Mal ist es quasi umgekehrt. Wobei ich spätestens seit meiner Liste zu in Deutschland spielender SFF auch weiß, wie nervig solche Anmerkungen von Leuten sein können, die einem vorwerfen, dass man einen zu eingeschränkten Blick auf die Szene hat ;-)

Politik und SF: Call for Papers

Ansonsten gibt es Neuigkeiten von der GfF, der Gesellschaft für Fantastikforschung: Nachdem deren diesjähriges Tagungsthema ein wenig sperrig geraten war (es ging um das Romantisch-Fantastische), wird es 2020 wieder offener: Noch bis 15. Januar können Abstracts rund um „Speculative fiction and the Political“ auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Ich spiele mit dem Gedanken, nach längerer Pause auch mal wieder einen Beitrag einzureichen und sehe im Thema eine Chance, wissenschaftliche und sonstige Phantastikszene(n) miteinander zu verbinden. Die Tagung selbst findet vom 10. – 12. September 2020 in Augsburg statt.

Awards

International machte beispielsweise der Nommo Award von sich reden. Der auf afrikanische Speculative Fiction spezialisierte Preis wurde an Akwaeke Emezi mit „Freshwater“ (Bester Roman), Nerine Dorman für „The Firebird“ (Beste Novelle), Ekpeki Donald Oghenechovwe für „The Witching Our“ (Beste Kurzgeschichte) sowie Nnedi Okorafor und Leonard Romero für „Shuri“ vergeben (Bester Comic / Graphic Novel).

Zur Stärkung von SFF-Literatur aus der Feder britischer People of Color wurde mit dem Gollancz and Rivers of London BAME SFF Award zudem ein neuer Preis angekündigt, für den sich passende, bislang bei britischen Verlagen unveröffentlichte Autor:innen ab sofort bewerben können. Wie der dezent sperrige Name schon andeutet, sind das SFF-Imprint Gollancz sowie Ben Aaronovitch, Autor der „Flüsse von London“-Reihe, Hauptorganisatoren des Awards.

Hierzulande wiederum wurde der Publikumspreis Skoutz-Award verliehen. Die Liste der Gewinner:innen kann hier eingesehen werden. U. a. konnte Maya Shepherd das Publikum mit „Die Grimm-Chroniken“ in der Fantasy-Kategorie von sich überzeugen, im Bereich Science Fiction gewannen Brandon Q. Morris und Cliff Alister mit „Helium 3“, im Horror Erdal Ceylan mit „Fuck you, Zombie“.

Doing November

Abschließend noch der Hinweis auf die Arte-Dokumentation „Die Geschichte der Fantasy“: Selbst habe ich sie noch nicht geschaut, kann das aber hoffentlich die Tage nachholen. Denn noch bis 23.11. ist sie als Zweiteiler in der Mediathek verfügbar.

Ansonsten wünsche ich euch einen schönen November. Ein paar Tage hat er ja schon …

Allgemein Monatsansichten Phantastik

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