[Random 7] Horror + Grusel für Angsthasen

Es ist wieder diese Zeit im Jahr, da sich die Empfehlungen für Horrorfilme und -literatur häufen. Ich lese mir einige dieser Listen mit Interesse durch, obwohl ich weiß, dass ich das meiste davon niemals anschauen bzw. lesen werde. Denn ich habe vor Horror den totalen Horror. Es ist ein bissl paradox, weil ich das Genre durchaus spannend finde, seine tropes und mitunter innovativen Brüche mit Storykonventionen. Ich habe auch diverse Sekundärliteratur dazu gelesen und schätze die Handlungszusammenfassungen auf Wikipedia und Co. Aber wenn ich versuche, die entsprechenden Werke zu konsumieren, hab ich danach halt echt Schiss, dass ein Geistermädchen aus dem Fernseher krabbelt o. ä. Außerdem sehe ich keinen Reiz darin, mir aufgerissene Gedärme oder sonstwie zerfetzte Körper anzusehen. Erst vor ein paar Tagen habe ich mir so ein 9-Minuten-Video von „Midsommar“ angesehen, weil mich der Film eigentlich interessiert. Da war dann diese Stelle drin mit den beiden Greisen auf der Klippe und ja danke, dieser Anblick wird mich wohl noch eine Weile verfolgen.

Also, ich gebe gerne zu, dass Horror seinen Reiz hat, gebe aber noch lieber zu, ein völliger Angsthase zu sein, wenn es um den Konsum geht. Härter als „Die Farbe“ muss echt nicht sein.*

Aber es gibt ein paar Bücher, die am Horror kratzen oder zumindest Grusel erzeugen und die ich dennoch gelesen, ja, die mir sogar gefallen haben. Daher hier eine Random 7 mit Horror- und Dark-Fantasy-Literatur für Leute, die keinen Horror mögen:

1. „Die Katzen“ von Marie-Hélène Delval

Schwarze Katzen sind schon ziemliche Creeps: Das findet zumindest der junge Sebasto, dessen Haus plötzlich von unzähligen Fellknäueln belagert wird. Doch die Katzen wollen keine Streicheleinheiten, sondern ein finsteres Ritual vollziehen.

Dieses Buch ist ein bisschen wie eine Jugend-und-Katzen-Variante von „Die Vögel“.** Es ist lange her, dass ich es gelesen habe, aber es bot mir seinerzeit angenehmen Grusel und war nach „Vision“ (siehe „Schutzengel“) ein erfolgreicher Versuch, mich dem Genre auf kindgerechtere Weise zu nähern.

Cover zu "Die Katzen", zeigt drei Katzen
„Die Katzen“ von Marie-Hélène Delval, Arena Verlag, ISBN: 978-3-401021-522

2. „Mein kleiner Horrortrip“ von Susan Rich (Hrsg.)

Diese Anthologie habe ich kürzlich schon einmal im Rahmen des Kurzgeschichten-Festivals angeteasert. 71 Autor:innen, darunter Neil Gaiman, James Patterson oder Holly Black, erzählen in Gedichten, Comics oder Kürzestgeschichten Horror-Storys, die es zum Teil wirklich in sich haben. Vor allem aber bieten nahezu alle Beiträge eine gelungene Pointe. Das macht „Mein kleiner Horrortrip“ zu meiner Lieblingsanthologie und einem perfekten „Appetithäppchen“ für zwischendurch. Absolute Leseempfehlung!

Cover zu "Mein kleiner Horrortrip" mit Autorennamen und Auge
„Mein kleiner Horrotrip“ von Susan Rich (Hrsg.), Beltz&Gelberg, ISBN: 978-3-407810-915

3. „Schutzengel“ von Dean R. Koontz

Ich mache Dean R. Koontz mit dafür verantwortlich, so eine Angst vor Horrorliteratur zu haben. Mit zwölf Jahren oder so hielt ich es für eine gute Idee, seinen Poltergeist-vs.-Vampir-Roman „Vision“ zu lesen. Ergebnis dessen waren wochenlange Albträume. Meine Eltern waren nicht begeistert, als sie herausgefunden haben, dass ich ausgerechnet dieses Buch aus dem Regal meines Vaters gezogen hatte, aber ihr Lösungsansatz war interessant: Sie haben mir geraten, das Buch zu Ende zu lesen. Tatsächlich hat das die Albträume beendet, aber danach hatte ich halt genug von Horror.

An „Vision“ gekommen war ich eigentlich auch nur, weil ich vorher „Schutzengel“ gelesen hatte, ebenfalls ein Roman von Dean R. Koontz. Wann immer hier im Leben der jungen Laura Shane eine Gefahr auftaucht, tritt ein mysteriöser Mann in ihr Leben und rettet sie. Als sie erwachsen ist, liegt ihr Schutzengel aber plötzlich mit Schusswunde vor ihrer Haustür und die Rollen verdrehen sich.

Das Ganze geht eher Richtung Zeitreise-Thriller, die Horror-Elemente sind gering. Mir hat das Buch früher sehr gut gefallen, ich habe vor allem den ersten Teil, der Lauras Kindheit in einem Waisenhaus schildert (und der eher an einen Coming-of-Ager erinnert), sehr oft gelesen.

4. „Dämonicon“ von Darren Shan

Der irische Autor Darren Shan ist bekannt dafür, Splatter- und Gore-Romane für Jugendliche zu schreiben. Schon in seiner Vampirreihe „Mitternachtszirkus“ gab es ein paar entsprechende Momente, doch in der „Dämonicon“-Reihe sind diese weitaus ausgeprägter. Jeder der zwölf Bände erzählt dabei nicht-chronologisch von den Begegnungen verschiedener Jugendlicher quer durch die Zeit mit der Demonata, der Welt der Dämonen mit ihrem Fürsten Lord Loss. Und dabei geht es nicht zimperlich zu: Es spritzen Blut und Gedärme, vor Freunden wie Familie wird kein Halt gemacht. Fand ich manchmal schwer zu ertragen, aber das „Dämonicon“ hat dennoch einen eigenen, besonderen Reiz. Finde es immer noch sehr schade, dass die Sammelbände des PAN-Verlags eingestellt wurden.

Cover zu "Dämicon 1", zeigt im Zentrum einen jungen Mann
„Dämonicon 1: Das Erwachen“ von Darren Shan, PAN Verlag, ISBN: 978-3-426283-547

5. „Das Fleisch der Vielen“ von Kai Meyer

Diese Geschichte – von der Länge her irgendwo zwischen Kurzgeschichte und Novelle – ist erstmals als Beigabe des Albums „Verfallen Folge 1: Astoria“ von ASP erschienen. Inzwischen ist sie aber auch als Comicumsetzung bei Splitter verfügbar. Wir haben’s hier mit astreinem Horror zu tun, und es hat mir schon Tapferkeit abverlangt, die Story zu Ende zu lesen. ;-) Aber es hat sich gelohnt, sehr fesselnd geschrieben. Haare haben seither an Unschuld verloren …

Eingehender habe ich die Geschichte hier besprochen.

6. „Necroscope“ von Brian Lumley

Brian Lumley ist bekannt geworden als Autor diverser Cthulhu-Romane. Damit ist klar, wohin die Reise geht: Seine Vampir-Reihe „Necroscope“ bietet keine melancholischen Dandys à la Anne Rice, sondern astreine Bestien. Mit denen schlägt sich Geheimdienstler Harry Keogh herum, weil einer muss es ja tun. Das ist grundsätzlich spannend, aber ich fand die Sex- und Orgienszenen so albern, dass ich nach Band 2 abgebrochen habe.

7. „Drei Hexen, drei Katzen und die singenden Mäuse“ von Jenny Nimmo

Selten war ich so unentschlossen, was ich als Nummer 7 wählen soll. „Judaskinder“, weil bissige Vampire? „Fairwater“, weil gruselige Fabrikszenen? „Lost Land: Der Aufbruch“, weil Jumpscare-Zombies? Oder doch was von „Hellboy“? „Metro 2033“?

Doch die Wahl fiel auf das Gruselmärchen „Drei Hexen, drei Katzen und die singenden Mäuse“, über das ich schon einmal im Zuge der „Musikalischen Fantasy“ geredet habe. In dem Buch versuchen zwei Katzen herauszufinden, weshalb immer mehr Kinder in ihrem Heimatort in eine Art Koma fallen. Von der Stimmung her erinnert das eher für jüngere Teenager gedachte Buch an alte Schauerromane.

***

Habt ihr auch solche Beispiele für Romane oder Comics etc., mit denen sich auch ein Angsthase angenehm gruseln kann?


*Eine Ausnahme ist allerdings so komischer Psychokram wie „Saw“. Das find ich einfach nur langweilig und bissl eklig. Ebenfalls ausgenommen sind viele Vampir- und Zombiesachen, die eher Richtung Dark Fantasy gehen. Selbst „28 Weeks Later“ habe ich mir nach einigem Zögern angesehen und fand es dann sogar sehr gut.
**Übrigens so ziemlich der einzige Horrorfilm, den ich immer wieder gerne gucke.

Allgemein Phantastik Top7

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