Augustansichten 2019

Wir widmen uns mehreren Awards, fassen Frustrationen in Worte, verweisen auf Artikel zum New Weird, freuen uns über die FaRK-Einkünfte und machen auf kommende und gegebene Veröffentlichungen aufmerksam.

I have DPP issues

Schon in den Juliansichten wurde es ja angespoilert: Kaum war der August da, ging es schon hoch her. Zum einen, weil der alljährliche Stimmen-Marathon zum Deutschen Phantastik Preis eröffnet wurde. Bei dieser Mischung aus Publikums- und Jurypreis* gibt es auch 2019 wieder einige Neuerungen: Neu hinzugekommen ist die Kategorie des „Besten deutschsprachigen Jugendbuchs“. Novellen haben dafür weiter das Nachsehen, ob sie zu Romanen oder wieder zu Kurzgeschichten gezählt werden, ist mir auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Auch wie es um die österreichischen und Schweizer Schriftstellenden bestellt ist, lässt sich nicht genau sagen. Inzwischen tragen die meisten Kategorien zwar „deutschsprachig“ statt „deutsch“ im Titel, aber noch nicht alle. Ich weiß, das klingt spitzfinderisch, aber sorry, ich fand es völlig albern, als in den letzten Jahren Autoren aus Österreich oder der Schweiz in der internationalen Kategorie gelandet sind, wo sie dann gegen Namen wie Terry Pratchett oder Brandon Sanderson „antreten“ durften.

Verliehen wird der Preis dieses Mal am 23. November 2019 auf der Buch Berlin – vermutlich ein passenderes Umfeld als die German Comic Con Berlin, die im letzten Jahr Gastgeber der Verleihung war. Die Abstimmung ist schon rum, wenn dieser Beitrag erscheint, daher spare ich mir die üblichen Empfehlungen und Hinweise, wo ich mitgewirkt habe. Harren wir stattdessen der Shortlist.

Schlechte Zeiten für unabhängige Verlage

Weniger erfreulich ist das zweite Thema: Die Europa-Verlagsgruppe hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt** und der dazu gehörige Golkonda-Verlag wird offenbar mit den Verlagen Scorpio und Now verschmolzen. Nach Feder&Schwert ist das in kurzer Zeit der zweite Szene-Verlag, um den es nicht allzu gut steht. Das zeigt einmal mehr, dass es keine rosigen Zeiten sind für „unabhängige“ Verlage, zumal sowohl Feder&Schwert als auch Golkonda eigentlich als relativ verankert galten und keine Eine-Person-Verlage waren. Zu dem Thema hat auch Grit von Art Skript Phantastik hier einige Worte verloren.

Die KNV-Insolvenz im letzten Jahr wirkt nach, und dass Libri, die Anfang des Jahres noch Kleinverlagen ausgeholfen hatten, nun offenbar viele Titel vor allem von eben diesen „verunsichtbaren„, macht es nicht besser. Ob dahinter wirklich ein gezielt kleinverlagsschädigendes System steht, wie manch einer orakelt, bezweifle ich eher. Aber ich muss echt sagen, es ist derzeit frustrierend. Für die Verleger sicher noch mehr als für uns Autoren, aber trotzdem. Wenn nicht einmal mehr über Bestellungen die Leser an die Bücher herankommen, fragt man sich halt schon, wozu die ganze Mühe.

DSFP und eine unendliche Geschichte

Nun wieder erfreulichere Nachrichten: Heute (und damit streng genommen bereits im September,) wurden mit Thorsten Küper (für die Kurzgeschichte „Confinement“) und Tom Hillenbrandt (für „Hologrammatica“) die Gewinner des Deutschen Science Fiction Preises bekannt gegeben. Erst einmal meinen Glückwunsch dafür, vor allem an Thorsten! Verliehen wird der Preis am 2. November 2019 auf dem PentaCon.

In dem Zusammenhang müssen wir wohl trotzdem noch mal das Thema mit Frauen und SF ansprechen. Spaß macht das keinen mehr, es wird zu viel aneinander vorbeigeredet (bzw. geschrien), Szenestrukturen außer Acht gelassen und die Diskussion von beiden Seiten oft seltsam heruntergebrochen. Ein Beispiel dafür ist dieser Blogbeitrag von Michael Schmidt. Also wenn man schon mit Zahlen anfängt, muss man halt auch sagen, dass 8 von 23 jetzt nicht so eine super tolle Quote ist. Und dass Heidrun Jänchen vor zehn Jahren einen Preis bekommen hat, den Thorsten Küper jetzt erst erhält, spricht auch nicht für krasse Repräsentation.

Aber wichtiger ist mir, was auch im Kommentar von „Unknown“ schon angesprochen wird: Ich glaube nicht, dass es speziell in dieser Diskussion vorweigend darum geht, „weiblicher“ zu schreiben, was auch immer das überhaupt heißt. Natürlich spielt das z. B. insofern eine Rolle, wenn es nun beispielsweise um das Schreiben realistischer Frauenfiguren geht, oder vielleicht auch mal in der Themenwahl. Aber in erster Linie geht es um Akzeptanz und darum, bei Entscheidungsträgern – ob das nun Verlage, Jurys, Agenturen oder auch Leser sind – überhaupt und dann als gleichwertig wahrgenommen zu werden. So eine Entwicklung dauert, und ich gebe Michael auch Recht, dass man nun mal an seinen Gewohnheiten festhängt. Ich merke ja auch an mir selbst, dass ich bei der Buchwahl eher auf Bewährtes zurückgreife. Aber nun, sich dessen bewusst zu werden, dafür führen wir die Diskussion ja, nich. Und übrigens möchte ich den Blogbeitrag hiermit auch nicht irgendwie haten oder sonst was, ich finde die Perspektive interessant. Er zeigt mir nur einmal mehr, dass die Diskussion aneinander vorbeigeführt wird und die Probleme nicht ganz klar sind.

Events, Events und New Weird

Was war sonst so los? Die Science Fiction Research Association (SFRA) hat ihr Summer Issue veröffentlicht, und der FaRK fand in den Wassergärten Reden statt. Bei diesem wahrlich phantastischen Charity-Event wurden insgesamt 107.579 Euro eingenommen, welche u. a. dem DRK, dem THW und mehreren Schulen zugutekommen. Das ist mal eine stattliche Summe, wa!

Ebenso fand der WorldCon in Dublin statt. Perfekter Ort dafür, und es sind relativ viele hingereist. Bei mir hat es leider wieder nicht geklappt,*** ich hoffe daher auf Nizza 2022 … Jedenfalls wurden auf dem WorldCon auch die Hugo Awards verliehen, die u. a. an Mary Robinette Kowal für „The Calculating Stars“, an Martha Wells für „Artifical Condition“ und an Becky Chambers „Wayfarer“-Serie gingen. Der 2018 verstorbene Gardner Dozois wurde als Kurzgeschichten-Herausgeber geehrt (bzw. als „Best Editor, Short form“). Einen ausführlichen Bericht mit Vorstellung der nominierten Romane haben die Teilzeithelden veröffentlicht.

In meiner Genre-Reihe auf Tor-Online war im August New Weird dran. Zufälligerweise wurde das Thema außerdem von Elvia Wilk unter feministischer Perspektive auf Lithub aufgegriffen. Der Artikel ist lang, interessant und komplex, und ich muss zugeben, ihn noch nicht ganz gelesen zu haben. Aber damned, die Atwood-Story klingt faszinierend!

Man schreibt und veröffentlicht

Zuletzt noch zwei Hinweise in vorwiegend eigener Sache: Zur FaRK ist im Verlag Edition Roter Drache auch eine Anthologie erschienen mit dem Titel „FaRK Chronicles: Lost Places„, herausgegeben von Stephanie Kempin und Sandra Baumgärtner. Ich freue mich, darin mit einer Geschichte vertreten zu sein, in der ich mal voll regional unterwegs war und einen Westerwälder Lost Place ein wenig phantastisch ausgeschmückt habe.****

Eigentlich hätte im August auch mein neuer Kurzroman erscheinen sollen, aber er verzögert sich leider etwas. Die Druckfahnen sind aber inzwischen zurück beim Verlag, die Illustrationen inkl. Cover erstellt und alle PC-Probleme beseitigt, sodass es euch sehr bald möglich sein sollte, im Verlag Torsten Low die Sommerlande zu erkunden. :-) Mehr dazu dann noch in einem eigenen Post. Bis dahin schon einmal einen schönen Spätsommer!


*Ok, eigentlich ist es ein reiner Publikumspreis, aber seien wir ehrlich: Titel, die nicht schon auf der „Vorschlagsliste“ stehen, haben kaum eine Chance.
**Offenbar zieht sich das Thema schon mehr oder weniger seit Mai, hat aber jetzt erst so richtig die Öffentlichkeit erreicht.
***Mein Alternativprogramm in Zeeland war aber sehr nicey! Und vermutlich entspannender.
****Wobei da gar nicht mal so viel ausgeschmückt wurde. In der Höhle, der ich mich gewidmet habe, haben mal Theateraufführungen stattgefunden, außerdem sollen sich dort Hexen vor der Verfolgung versteckt haben und sie bildet den Eingang zu einem Tunnel, der zu einer Kirche führt. Also, viel dazu zu erfinden war echt nicht mehr nötig!

Allgemein Monatsansichten

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