CCXP 2019 – Ein würdiger RPC-Nachfolger?

Mit der CCXP eine Comic Con nach Köln zu bringen, ist eigentlich keine schlechte Idee. Auch wenn die Comic Cons derzeit in Deutschland nur so aus dem Boden schießen, war schließlich ausgerechnet das Medien- und Geekzentrum Köln bisher in dieser Hinsicht noch nicht versorgt. Von hier aus wäre die nächste Comic Con jene in Dortmund, und auch die findet erst im Dezember statt. Dennoch war das Echo im Vorfeld eher verhalten.

Ein Grund dafür lag sicher in der Terminwahl. Das Event vom 27. bis zum 30. Juli 2019 auf vier Tage auszudehnen, mag ein Alleinstellungsmerkmal der Comic Con Experience Cologne sein, kurz CCXP. Doch am selben Wochenende fand nicht nur das Literaturcamp Heidelberg, sondern auch die Comic Con Germany in Stuttgart statt – hierzulande die etablierteste Veranstaltung dieser Art. Das bedeutete Konkurrenz bei Händlern, Stargästen und nicht zuletzt den Besuchern; wenn der kurzentschlossene Kölner seinen inneren Geek entdeckt, wird er zwar nicht überlegen, ob er lieber nach Stuttgart oder Deutz fährt, aber für viele regelmäßige Con-Besucher und Cosplayer spielen Renommee oder Stargäste eine größere Rolle als die Entfernung zum Wohnort. Zudem brauchte die CCXP lange, um zugegeben namhafte VIPs wie Ben Barnes, Nikolaj Coster-Waldau, Jason Statham oder Idris Elba anzukündigen.

Was für viele schwerer wog, war aber etwas anderes: Köln hatte bisher keine Comic Con, hat aber auch keine gebraucht. In Sachen Games ist die Stadt mit der Gamescom sehr gut versorgt, wer auf Stargäste aus ist, kann auf MagicCon oder FedCon in Bonn ausweichen. Rollenspieler kommen beispielsweise auf dem nahegelegenen FeenCon auf ihre Kosten, auf Heftromane und SF ist der ColoniaCon spezialisiert, Manga-Fans und Cosplayer können z. B. auf den Japantag in Düsseldorf oder das Natsumatsuri des japanischen Kulturinstituts ausweichen.

Eine Veranstaltung, die all das verbindet, dazu noch LARP-, Mittelalter- und Comicfans anspricht, ist trotzdem eine tolle Ergänzung, keine Frage. Gab es aber auch schon und nannte sich Role Play Convention (RPC). Dass die der CCXP gewichen ist bzw. in sie integriert wurde, führte nicht gerade zu Begeisterungsstürmen in der Community.

Eigentlich hatte ich auch vor, meine Trauer über den Wegfall der RPC mit einem Besuch der Comic Con Germany zu kompensieren. Als dann aber Autoren für das wie auch in den letzten (RPC-)Jahren von Feder&Schwert organisierte CCXP-Lesecafé gesucht wurden, habe ich beschlossen, der neuen Con doch eine Chance zu geben. Auf den Autorentisch habe ich allerdings erst einmal verzichtet.

Ich war also dort, und bin nun zwiegespalten. Einerseits hatte ich eine Menge Spaß. Andererseits ist nun wirklich klar: Die RPC gibt es nicht mehr. Ein Vergleich und Bericht in Stichpunkten:

Atmosphäre und Ambiente

Alles so violett hier: Entsprechende Laufteppiche schmeichelten allen Barfüßlern und betonten insgesamt den Pop an der Geek-Kultur. Das ist natürlich eine ganz andere Nummer als die düsteren Hallen der RPC, und hat einem gleich schon beim Eintritt klar gemacht: Die CCXP mag die RPC integriert haben, zieht aber trotzdem ihr eigenes Ding durch. Wenn man sich daran mal gewöhnt hat, sind die so herausgeputzten Hallen aber nicht ohne Charme. Zudem boten die Gänge genug Platz, um auch noch Leute mit zwei Metern Flügelspannweite durchschlendern zu lassen. Man könnte sagen, dass die CCXP insgesamt sehr auf die Bedürfnisse der Cosplayer und Fotografen ausgerichtet ist, während die RPC sich dieser Szene erst nach und nach geöffnet hat – sie war nun mal in erster Linie für LARP und Rollenspiel konzipiert, wo es mehr Hörner und spitze Ohren, dafür tendenziell weniger Flügel gibt.

Schriftzug der CCXP Cologne
CCXP Cologne

Zudem dominierten vor allem in der ersten Halle (8) die Foto-Points. Ob Batmobil, „Es“-Luftballons, Iron Man oder venezianische Gondel: Wer wollte, konnte munter mit Requisiten herumposen. Wer das nicht wollte, bekam hier aber vor allem eins präsentiert, nämlich Werbung. Halle 7 bot mehr Händler, außerdem einige aus der RPC bekannte Flächen wie Künstler- und Autorenmeile sowie Rollen- und Brettspielbereich. Vor allem Letzterer lag allerdings donnerstags ziemlich verwaist.

Schmerzlich vermisst wurde die Foodcorner samt der dort zu RPC -Zeiten verkauften Flammkuchen. Eine Enttäuschung war zudem der „Mittelaltermarkt“, oder sagen wir besser der Außenbereich. Die Anzahl an Händlern war sehr überschaubar, die Konzertbühnen fehlten ganz, und auch einige Indoor- und Outdoor-Mitmacht-Attraktionen wie Jugger, Schwertkampf oder die Lasertag-Arena waren verschwunden. Sehr schade, aber Pluspunkte gibt es für die großzügigen und schön gestalteten Chillout-Flächen sowie für die Lego-Area, in der man munter vor sich hin bauen durfte.

Legoburg mit See vor Legosteinen
Kunst

Kunst und Kommerz

Die CCXP ist ein Social-Media-Event. An jeder Ecke wartet eine Fotowand mit eigenem Hashtag, und wenn man beides nutzt, wird man automatisch zum Werbeträger diverser Filme oder Marken. Kann lustig sein, aber letztlich zahlt man ziemlich viel Eintritt, um innen entweder einzukaufen oder Werbung zu machen. Na ja. Ist irgendwie Zeitgeist, aber so nett das ambientetechnisch auch alles war, hat es mir ein wenig am Programmausgleich gefehlt. Das könnte allerdings auch dem Tag geschuldet sein, beispielsweise fand erst am Wochenende mein geliebter Cosplay-Wettbewerb statt. Sehr gut gefallen haben mir dafür die Art Battles am Stand von Faber Castell. Hier bekamen jeweils zwei Künstler*innen eine Aufgabe gestellt und das Publikum konnte zusehen, wie die beiden sie umgesetzt haben. Klingt vielleicht etwas eintönig, aber war wirklich spannend zu beobachten.

Lesecafé und Autorenmeile

Es ist ja irgendwie schon Tradition, dass man auf der RPC grundsätzlich gegen einen Walking Act mit Dudelsack o. ä. anliest. Die CCXP konnte da locker mithalten und meine dramatische Sequenz aus „Die Netze von Nomoto“ wurde halt mit ein bisschen Folk unterlegt. Das Mikro war aber – anders als zu RPC-Zeiten – so eingestellt, dass man mich trotzdem noch gut verstehen konnte. Insofern fassen wir das eben als liebenswerte Eigenart dieser Messe auf. Ansonsten wirkte das Lesecafé mit seinen magenta Sitzblöcken insgesamt wohnlicher als das cleane Pendant der RPC. Da sich das farblich in den Gesamteindruck der Comic Con eingefügt hat, wirkte der Bereich auch insgesamt nicht so ausgesondert wie in den Vorjahren. Pluspunkte also dafür, auch wenn sich generell nicht allzu viele Besucher ins Lesecafé verirrt haben.

Die Autorenmeile wirkte ebenfalls integrierter, allerdings waren die Künstlertische kleiner als in den Vorjahren. Verkaufstechnisch hat es sich meinen ausgefeilten Recherchen nach aber für die Teilnehmer*innen gelohnt, und mit EosAndy und einem HarryPotter-Cosplay-Stand gegenüber gab es für die Autoren auch in besucherarmen Phasen einiges zu gucken.

Fazit

Die Comic Con Experience Cologne ist nicht die RPC. Punkt. Wo die RPC die Zusammenkunft einer ausdifferenzierten Phantastik-Landschaft war, ist die CCXP eher ein Fun-Event, auf dem man einige Bekannte trifft. Wenn man das mal akzeptiert hat und sie eben als eigenständige Veranstaltung begreift, war sie aber durchaus gelungen. Verbesserungspotenzial ist auf jeden Fall da – ich sage nur Mittelaltermarkt! – , aber ich sehe recht optimistisch in die Con-Zukunft. Trotzdem ist der Wegfall der RPC schade. Als Alternative für deren LARP-lastigeren Teil wurde inzwischen der Weltenwerker Konvent angekündigt. Vielleicht muss man es so sehen, dass die RPC nun auf verschiedene Events aufgeteilt wird, obwohl ich ja gerade ihren Mix zu schätzen wusste. Nun ja. Wie gesagt, Freude hatte ich trotzdem, Spaß erst recht, und vor allem will ich die interessanten Gespräche mit einigen der diesjährigen Aussteller*innen nicht missen.

Allgemein Eventansichten Phantastik Schriftstellerei

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