[Random 7] Romane von Feder & Schwert

Die Nachricht dürfte gestern viele überraschend getroffen haben: Der Kölner Rollenspiel- und Phantastikverlag Uhrwerk sowie die seit 2016 angeknüpfte Feder und Schwert GmbH haben ihre Insolvenz bekanntgegeben. In der dazu herausgegebenen Pressemitteilung gibt sich Feder & Schwert nicht allzu optimistisch, was den Fortbestand der Verlage “ in dieser Form“ angeht. Nachdem erst vor kurzem mehrere Projekte wie das Femtasy-Imprint Wicked Queen Editions und der Essayband Roll Inclusive in Angriff genommen wurden, kommt die Meldung umso unvermuteter – auch wenn klar ist, dass gerade viele unabhängige Verlage in den letzten Monaten zu knabbern hatten.

Mal ganz davon abgesehen, dass eine Verlags-Insolvenz für Mitarbeitende inklusive Freelancern und Autor*innen, aber auch für die Leser*innen nie schön ist, träfe gerade ein Ende von Feder & Schwert die Szene besonders hart. Mir fällt kein anderer Verlag ein, der sinnbildlich so stark für die Phantastik-Literaturszene stände. Feder & Schwert hat sich nicht nur mit – oft sehr ästhetisch ansprechend gestalteten – Rollenspiel- und Romanprodukten einen Ruf gemacht, sondern auch geholfen, den Steampunk in der Szene als Genre zu verankern. Zudem konnten viele inzwischen etablierte deutschsprachige Autor*innen wie Ju Honisch oder Oliver Plaschka hier ihre ersten Schritte machen. Und auch sonst bot der Verlag selbst externen Autor*innen oft Unterstützung, etwa mit dem Angebot des Lesecafés auf der RPC, bzw. diesjährigen Comic Con Experience Cologne. Kein Wunder also, dass viele betroffen auf die Nachricht von der Insolvenz reagiert haben.

Was also nun tun? Abwarten und Tee trinken? Ist eine Möglichkeit, aber besser wäre es, den Verlag aktiv zu unterstützen, beispielsweise durch den Kauf von dessen Büchern. Vielleicht klingt das nach einem Tropfen auf den heißen Stein, aber um es noch mal mit den Worten der Pressemitteilung zu sagen: „Je mehr Einnahmen wir mit den bestehenden Produkten erwirtschaften, desto mehr ausstehende Projekte können wir realisieren.“

Im Folgenden stelle ich euch daher sieben Romane bzw. Reihen aus dem Verlag vor, die ich besonders interessant finde. Einige von ihnen sind nicht mehr über den Verlag lieferbar, und ich habe etwas gezögert, sie trotzdem aufzunehmen. Allerdings unterstreichen gerade einige dieser Bücher für mich, warum ich den Verlag so schätze. Die nachfolgende Reihenfolge ist willkürlich.

1. „Die Chroniken der Nebelkriege“ von Thomas Finn

Als ich die ersten beiden Bände von den „Chroniken der Nebelkriege“ als Teenager bekommen habe, waren sie noch unter dem Dach von Ravensburger. Inzwischen sind nicht nur zwei weitere Bände erschienen, die Reihe hat auch eine Neuauflage bei Feder & Schwert erhalten. „Die Chroniken der Nebelkriege“ bieten spannend erzählte, relativ klassische All-Age-Fantasy.

2. „Pepper Martin“ von Casey Daniels

Manche guilty pleasures bieten so viel pleasure, dass man sich kaum mehr schuldig fühlt. Genau das gilt für die „Pepper Martin“-Reihe von Casey Daniels, die klassische Urban-Fantasy-Detektivstorys mit Chick-Lit-Elementen verbindet. Die Romantitel sind zwar zum Haare raufen, aber ich habe die Reihe mit großem Vergnügen gelesen – schade nur, dass sie nicht zu Ende übersetzt wurde und auch nicht mehr über den Verlag lieferbar ist. Mehr zu Pepper Martin findet ihr in meiner Funtasy-Top-7.

„Tote Paten küssen besser“, Band 1 der „Pepper Martin“-Reihe, ISBN: 978-3-867620-46-8

3. „Imagery“ von Christoph Marzi

Christoph Marzi ist bekannt für seine poetischen Urban-Fantasy-Romane, die einen Hauch Gaiman verströmen. „Imagery“ ist ganz anders. Es wurde als Science-Fiction-Roman vermarktet, aber vielleicht trifft es „Digitalthriller“ oder etwas in der Art besser. 2011, vier Jahre vor „The Circle“, verpackte Marzi das Thema Social-Media-Markting in einen intelligenten Krimi. Eigentlich ist es höchste Zeit, den Roman noch mal unter heutiger Sichtweise zu lesen …

4. „Engel“-Romane und -Comic

Hinter „Engel“ verbirgt sich ein Erzähl-Rollenspiel von Oliver Graute, Oliver Hoffmann und Kai Meyer. Das postapokalyptische Setting rund um Engel, Templer und die insektenartige Traumsaat ist ebenso ungewöhnlich wie die Gestaltung der Regelwerke, Romane und Arkana-Karten. Obgleich inhaltlich ausnahmslos interessant, variiert die Qualität der von unterschiedlichen Autor*innen verfassten Romane. Sehr gut gefallen haben mir beispielsweise die beiden „Der Schwur des Sommerkönigs“-Bände von Verena Stöcklein und Thomas Plischke, die zudem einen guten Einstieg in die Welt bieten, oder der nur noch antiquarisch erhältliche Comic-Band „Pandoramicum“ von Kai Meyer und Dieter Jüdt.

„Terra Nova“, Band 1 von „Der Schwur des Sommerkönigs“; ISBN 978-3-937255-21-7

5. „Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Bartholomew“ von Oliver Plaschka

Auch wenn es inzwischen mehrere Überarbeitungen erfahren hat und derzeit schlicht unter dem Titel „Fairwater“ im Programm von Knaur läuft: Für mich ist gerade dieses Buch ein Paradebeispiel dafür, was viele der Feder-&-Schwert-Veröffentlichungen ausgemacht hat. Das Buch ist in mehrfacher Hinsicht ein Experiment – nicht chronologisch erzählt, ambivalente Auflösung, und dann auch noch von einem damals unbekannten deutschsprachigen Debütautoren geschrieben. Trotzdem wurde es veröffentlicht, und nicht nur, dass der Roman ein Erfolg war, er ist auch noch – sorry für die Ausdrucksweise – verdammt noch mal geiles Zeuch! Ebenfalls ursprünglich bei Feder & Schwert erschienen ist das nun bei ohneohren erhältliche „Der Kristallpalast“ von Oliver Plaschka, Alexander Flory und Matthias Mösch.

6. „Der Krieg der Spinnenkönigin“ (Forgotten Realms)

„Zersetzung“, der erste Band von „Der Krieg der Spinnenkönigin“, dürfte mein erster Roman aus dem Hause Feder & Schwert gewesen sein. Die Reihe gehört zu den Forgotten Realms und wird inzwischen nicht mehr vom Verlag herausgegeben. Seinerzeit aber punkteten die von verschiedenen Autor*innen geschriebenen Bücher nicht nur mit ungewöhnlichen Einblicken ins Underdark, sondern auch mit einer einzigartig gelungenen Gestaltung. Leute, was habe ich diese Brom-Cover geliebt!

7. „Die zerbrochene Puppe“ von Judith und Christian Vogt

Auf der Leipziger Buchmesse sagte ich noch, dass die Vögte für mich untrennbar mit Feder & Schwert verbunden sind. Zumindest Judith hat zwar vorher schon Romane veröffentlicht, aber ich habe das Gefühl, dass die Kombination aus den beiden mit dem Verlag mit dazu beigetragen hat, dass Steampunk in der Phantastik-Literaturszene seinen festen Platz ergattern konnte. Und auch bei Projekten wie „Eis und Dampf“ oder Roll Inclusive wirken Verlag und Vögte auf mich quasi wie eine Einheit. „Die zerbrochene Puppe“, ein Steampunk-Roman mit ein paar herrlichen New-Weird-Einlagen, war der erste gemeinsam veröffentlichte Roman des Ehepaars und auch ihre erste Veröffentlichung bei Feder & Schwert.

***

Soweit also zu meinem Empfehlungen. Mal sehen, was die Zukunft für die beiden Verlage bringt. Noch ist nicht aller Tage Abend und gerade Feder & Schwert hat sich schon häufiger in Krisen behaupten können.

Weitere Gedanken zum Thema findet ihr auch auf dem Blog von Mike Krzywik-Groß sowie auf der Webseite von Prometheus Games.

Allgemein Fangirlmodus Phantastik Top7

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