Maiansichten 2019

Wir werfen einen Blick auf Diskussionen rund um Plotter und Pantser, widmen uns Zeitreisetheorien und musikalischer Phantastik, berichten über Wonder Woman und Dark Fantasy und huldigen helfenden Händen.

[der nachfolgende Post enthält leichte – aber wirklich nur sehr leichte – Spoiler zum Finale von „Game of Thrones“ und „Avengers: Endgame“]

Im Mai hat die Veranstaltungssaison weiter Fahrt aufgenommen: Litcamp NRW, MarburgCon, Fantasy Basel und der Gratis Comic Tag waren nur einige der Events, die der Monat zu bieten hatte. Aber irgendwie ging das alles etwas unter zwischen den Kino- und TV-Events. „Endgame“ wurde ja fast schon zum alten Hut, dafür dominierten die Diskussionen rund ums „Game of Thrones“-Finale Blogs, Zines und Soziale Netzwerke.

Pantser oder Plotter sein,
das ist hier die Frage

Nun, ich bin immer noch keine große Serienguckerin und habe auch „GoT“ nur sporadisch geguckt – dank Social Media und der Zusammenfassungen der Süddeutschen war ich trotzdem immer bestens informiert. In der finalen Staffel ging der Tenor nun eher dahin, dass die meisten nicht so begeistert waren, um es mal höflich auszudrücken. Joa. Kann ich nach dem, was ich so mitbekommen habe, grundsätzlich verstehen, aber mit dem Ausgang für die meisten Hauptfiguren bin ich persönlich doch recht zufrieden. Mal sehen, ob sich das ändert, wenn ich mir je mehr als ein paar Clips ansehen sollte.

Im Zuge der Diskussionen um die „Game of Thrones“-Staffel kam auch jene um die schriftstellerischen Lager der Plotter und Pantser wieder auf.* Als der RPG-orientierte „Selbsttest“ auf Twitter auftauchte, habe ich das Ganze noch eher als Witz aufgenommen, auch wenn an der grundsätzlichen Trennung sicher was dran ist. Aber hui, auf einmal hat sich halb Twitter der einen oder anderen Seite zugeordnet**, als hätte es nie eine andere Form der Autoren-Selbstwahrnehmung gegeben.

Wenn Jon seine Mutter rettet und Thor sich selbst besucht

Wie dem auch sei, „Game of Thrones“ ist erst mal rum. Aber wer weiß, vielleicht gibt es noch eine Fortsetzung, in der Jon eine Zeitreise macht, dabei seine Mutter irgendwie rettet und dunno, dann gibbet mehrere Zeitlinien, in denen jeder mal auf dem Thron sitzen darf oder sowas. In „Endgame“ hat das ja ziemlich viele Leute zufriedengestellt, und überhaupt wären diverse Franchise ohne Zeitreisen quasi undenkbar. Grund genug für Holger Christiansen von den Teilzeithelden, einen Blick auf drei gängige Zeitreisetheorien und damit einhergehende Logiklöcher in verschiedenen Werken zu werfen.

Graffiti von Mann mit Spielkarten vor Uhr
„Time Machine“ von Paul Don Smith,
Foto von MsSaraKelly unter CC BY-SA 2.0

Tanzende Androiden

Damit sind wir wieder in der Science Fiction. Deren Thematisierung in Songs und Musikvideos widmete sich Markus Mäurer mit einer entsprechenden Auswahl auf Tor Online. Wer nun auf den Geschmack gekommen ist: Einen etwas ähnlichen Ansatz zu Metal und Fantasy hatte ich 2015 mal in diesem Beitrag verfolgt, damals außerdem in der Film & Buch einen Artikel zur Verbindung von Musik und Magie veröffentlicht. Ebenfalls der Beziehung von Metal und Phantastik hat sich 2013 Ed Grabianowski angenommen.

Versehentlich Hexe beschworen?
Wonder Woman regelt

Auch ein bisschen Science Fiction, einiges an Spionagethriller und vor allem viel Fantasy bieten die Wonder-Woman-Hefte, die diesen Monat sehr ausführlich auf Skalpell & Katzenklaue besprochen wurden. Es klingt herrlich abstrus – spätestens an dem Punkt, an dem versehentlich Morgana Le Feys Tochter beschworen wird, dachte ich nur noch so: „Dafuq?“ Eigentlich müsste man sich diese Abenteuer echt alle mal durchlesen.

Wonder Woman mit Bodypaint
Anastasia Bakss als Wonder Woman
(Foto von Eva Rinaldi unter CC BY-SA 2.0)

Nicht grad so ausführlich war ich in meiner eigenen Betrachtung zum Dark-Fantasy-Genre, aber ich hoffe, es bietet kundigen wie unkundigen Lesern einen guten Überblick.

Helfende Hände für Autoren

Dann begeben wir uns noch mal ganz an den Anfang des Monats: Am 1. Mai erschien auf dem Verlagsblog von ohneohren ein Beitrag zur Huldigung der „Menschen im Hintergrund“. Ich weiß nicht, ob das Bild Autor*innen im Kämmerlein je der Realität entsprochen hat – inzwischen jedenfalls tut es das nicht mehr. Es stimmt, der Schreibprozess selbst ist normalerweise keine Gruppenarbeit. Aber auf dem Weg davor und danach steht viel Teamwork an: Je nach Projekt und Veröffentlichungsform beispielsweise mit Agenten und Verlegern, Illustratoren und Lektoren, Mitautoren oder Redakteuren. Aber auch fern dieser „offiziellen“ Mitstreiter*innen hat man als Autor oft Unterstützer*innen. Eben diesen Helfern hat ohneohren seinen Blogbeitrag gewidmet.

Auch ich hätte ohne solche Helfer oft ein Problem. Wie viele Cons hätte ich ohne eine zur Verfügung gestellte Couch sausen lassen müssen? Wie viele Exposés hätte ich ohne kritische Testleser in die Tonne kloppen können? Wie viele Lesungen hätten ohne verständnisvolle Brotjob-Arbeitgeber abgesagt werden müssen? Eigentlich wollte ich eine XXL-Danksagung folgen lassen, aber es wurde echt ausurfernd, also fassen wir es einfach zusammen als: Ohne Helfer wäre ein noch so begnadeter Autor echt am Arsch.

Comic Con Experience is coming

Damit wären wir fast am Ende mit den Maiansichten. Als Finale aber noch der Hinweis auf die SciFi-Visions-Diskussionen der HOOU. Ich bin leider noch nicht dazu gekommen, sie selbst anzuschauen, aber insbesondere auf die „Elysium“-Diskussion gespannt. Habe mich im Kino selten so gelangweilt, aber vielleicht hatte der Film ja doch seine inhaltlichen Momente.

Im Juni findet erstmals die Comic Con Experience Cologne statt, die nun auch die RPC integriert. Eigentlich hatte ich zwar gesagt, diese neue Variante nicht besuchen zu wollen, aber man soll ja allem mal eine Chance geben ;) Donnerstags werde ich daher vor Ort sein und um 15 Uhr im Feder&Schwert-Lesecafé aus meinen „D9E„-Bänden lesen. Vielleicht sieht man sich dort ja. Bis dahin schon mal einen schönen Juni!


*Weil George R. R. Martin eher der figurenorientierte Pantser sein soll, die Drehbuchautor*innen dagegen handlungsorientierte Plotter. Allerdings haben einige, beispielsweise Bruno E. Thyke, bereits angemerkt, dass diese Erklärung allein doch ein wenig kurzgegriffen erscheint.
**Team Plotter mit einer Prise Pantser. Merke ich schon daran, dass meine Figuren nicht beim Schreiben neben mir stehen oder mit mir reden, mir ihre Wünsche mitteilen oder sonst was. Ich hoffe, sie funktionieren trotzdem … Wobei ich eigentlich als ersten Ausgangspunkt eine Aussage oder etwas in der Richtung nehme. Hey, kann dafür mal jemand ein eigenes Lager erfinden? Danke.

Allgemein Monatsansichten Phantastik

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