Aprilansichten 2019

Wir verweisen auf Unternehmen, die mit Science Fiction in die Zukunft sehen, denken über die Nachhaltigkeit von Dystopien nach, faszinieren uns für einen bemerkenswerten Zufall und erinnern uns ans PAN-Branchentreffen 2019.

Moin ihr. Ich dachte eben so, ich könnte mich ja mal an die heiligen ersten Sätze eines neuen Manuskripts setzen. Aber dann fiel mir auf, dass der 29. April ist* und ich mir noch keine Gedanken um die Aprilansichten gemacht habe. Nun ja, Traditionen müssen ja gepflegt werden** und was sind schon die heiligen ersten Sätze im Vergleich zu einem Blogbeitrag!

Zukunft denken

Im April fand die wissenschaftliche Beschäftigung mit Science Fiction gleich mehrfach Beachtung: In der Welt erschien ein Artikel über das „Future Life“-Projekt der Phantastischen Bibliothek Wetzlar. Der Fokus liegt im Beitrag auf den technischen Prophezeiungen der SF, und wie Unternehmen sich diese zunutze machen.

Dem Deutschlandfunk dagegen ging es im Interview mit Lars Schmeink von der Gesellschaft für Fantastikforschung um die „softe“ Seite der SF, darum, wie sie das Denken und Gewissen ihres Publikums beeinflussen kann. Insbesondere war dabei von Dystopien die Rede. In letzter Zeit wurde ja oft von deren Scheitern gesprochen, da sie die Zukunft in mancher Hinsicht voraussagen, aber nicht verhindern konnten. Stattdessen werden Genres oder Geisteshaltungen wie Hopepunk beschworen, die mit mehr Optimismus in die Zukunft sehen. Allerdings: Es mag sein, dass nicht jede/r Leser*in nach „Die Tribute von Panem“ automatisch ein Musterbeispiel an Medienkompetenz ist. Aber auch wenn mir die Resistance-Haltung des neuen Optimismus sympathisch ist, denke ich weiterhin, dass Dystopien nachdenklich stimmen können. Und Aktionen wie „Fridays for Future“ sind ein Zeichen dafür, dass die Generation junger Erwachsener, die mit Jugenddystopien aufgewachsen ist, keine passive ist. Und ob der kritische Inhalt der Medien nun alle Leser*innen erreicht oder nicht – Dystopien stehen (oft) für eine kritische Geisteshaltung, die schon für sich viel wert ist.

Vergangenheit finden

Apropos Dystopien: Offenbar wurde in Anthony Burgess‘ Nachlass eine Art essayistische Fortsetzung zu „Uhrwerk Orange“ gefunden, seinem wohl bekanntesten Werk. Bisschen bemerkenswert finde ich an der Sache, dass Burgess „Uhrwerk Orange“ und viele andere Romane angeblich nur schrieb, weil er dachte, er sei todkrank, und der Nachwelt bzw. seiner Frau etwas hinterlassen wollte. Letztlich erwies sich die Krankheit allerdings als Irrtum und Burgess lebte noch ein paar Jahrzehnte weiter. Ich weiß nicht, wie viel an dieser Story tatsächlich dran ist. Aber finde es da irgendwie umso bemerkenswerter, wenn nun tatsächlich nach seinem Tod noch eine „Fortsetzung“ auftaucht. Äh, ihr seht doch die Verbindung …?

Gegenwart lernen

Mir fällt keine tolle Überleitung zum PAN-Branchentreffen ein. Aber dieses fand statt. Yay. Vom 25. bis 27. April wurden dafür Autor*innen, Übersetzer*innen, Blogger*innen, Verlags- und Agenturmitarbeiter*innen sowie sonstige Szenemitglieder und -interessierte in den Komed*** im Mediapark Köln geladen. Motto war dieses Jahr „Eine Welt ist nicht genug – Weltenbau und Gesellschaftsentwürfe in der Phantastik“. Es ging allerdings vergleichsweise wenig ums Schreiben, Veröffentlichen und die Branche selbst. Auch Diskussionsrunden gab es weniger. Stattdessen standen Vorträge und Workshops im Vordergrund, die eher der Inspiration oder Analyse von (Randthemen der) Phantastik galten. Das soll allerdings keine Kritik sein, ganz im Gegenteil. Ob es nun um archäologische Fälschungen, Physik in Star Trek oder die bunte Welt der Viren und Parasiten ging – ich habe viel gelernt und mich in den meisten Vorträgen gut unterhalten gefühlt. Mein persönlicher Favorit war der Beitrag des LWL Museums Herne über besagte archäologische Fälschungen. Offenbar kann mich die Archäologie immer noch ziemlich leicht begeistern …

Mann vor Präsentation mit Tiara
Dr. Michael Lagers vom LWL Museum Herne

In meinen Augen weniger gelungen war dagegen der Abschluss des offiziellen Teils mit der Diskussionsrunde über LARP und Reallife Experiences. Das Thema ist spannend, keine Frage – gerade die Sache mit den Reallife Experiences, von denen ich vorher noch nie gehört hatte, fand ich faszinierend. Aber leider ist die Diskussion dazu sehr schnell in Details und ausschweifende Erfahrungsberichte abgedriftet. Wer sich mit dem Thema vorher noch nicht auseinandergesetzt hat, drohte da schnell auf der Strecke zu bleiben. Zudem lag der Fokus am Ende auf Missbrauchserfahrungen bzw. sexueller Belästigung im LARP, was einen doch ein wenig unvorbereitet getroffen hat. Der Versuch, das in 10-15 Minuten auszudiskutieren, war gleichzeitig zu ausgiebig wie auch zu kurz. Soll heißen: Sehr schwieriger Rahmen für dieses Thema.

Zum Abschluss ein Hinweis auf die neueste Ausgabe des E-Zines Phantast unter dem Thema „Weltenschöpferinnen“. Kostenlos heruntergeladen könnt ihr es hier.

Und damit entlasse ich euch in den Mai, der u. a. mit dem Literaturcamp in Bonn aufwartet. Ich plane auch dort zu sein; evtl. wiederhole ich noch mal in abgespeckter Form meinen Screencasting-Workshop vom PAN-Branchentreffen, oder ich halte eine andere Session … oder ich habe spontan lieber Lust, den anderen zuzuhören. Mal schaun. Auch ein Datum für den diesmonatigen Phantastik-Stammtisch in Koblenz steht bereits fest. Wer am 19. Mai ab 14 Uhr dabei sein möchte, bitte bis zum 14. kurz melden, damit wir passend reservieren können. Merci und ansonsten noch einen schönen Monat!


*Ok, inzwischen ist der 1. Mai …

**Na ja, seien wir ehrlich – nicht alle.

***Finde eigentlich nur ich es bemerkenswert, dass nach dem Odysseum ausgerechnet ein Komed genutzt wird?!

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