Februaransichten 2019

Wir berichten vom Steampunk-Markt in Bochum, verweisen auf Bengali-SF, königliche Garderoben und ein neues Imprint, diskutieren über den Stand von Kurzgeschichten und Lektoraten und dann ist da noch die Sache mit der kommenden CCXP.

Sorry, bin ein bisschen spät dran, aber da war ein echt herausforderndes Level bei Candy Crush. War aber auch nicht so richtig viel los diesen Monat, oder hab ich was verpasst?

SF von Bochum bis Kalkutta

Dafür ging in Kalkutta der Punk ab! Oder besser gesagt eine Science-Fiction-Konferenz. Für das Online-Magazin Scroll ein Anlass, einen eingehenden Blick auf „Bengali Sci-Fi“ zu werfen.

Hierzulande ging zumindest der Steampunk ab, und zwar in der Jahrhunderthalle Bochum. Der alljährliche Steampunk-Markt eröffnete hier zum mittlerweile fünften Mal den ebenso alljährlichen Historischen Jahrmarkt. Das Ganze erinnerte mich ein wenig an Cosplay-Events, die im Wesentlichen daraus bestehen, dass es viel Merch zu kaufen gibt und Leute in Kostümen von Fotografen belagert werden. Nur gab es hier halt statt Merch Steampunk-Kleidung (und was sich in der Szene sonst so verkauft), und statt Kostümen Gewandungen.

Das soll aber nicht heißen, dass ich keinen Spaß gehabt hätte! Die historischen Fahrgeschäfte, die im Eintrittspreis von 24 Euro inbegriffen sind, unterhalten ebenso wie die Verkaufsstände und die Gewandungen. Ich hätte mir allerdings mehr Ausstellungen steampunkresker Erfindungen oder passende Programmpunkte erhofft, wie es sie in den letzten Jahren wohl auch mal gab. Nun, wie gesagt, ein vergnüglicher Tag war es trotzdem.

Also war’s das doch mit der RPC?

Vergnüglich war auch immer die RPC, die ich seit 2009 fast jedes Jahr besucht habe – anfangs als Besucherin, später als Ausstellerin. Oft war sie auch meine umsatzstärkste Con als Selbstverkäuferin, was ich vor allem darauf zurückführte, dass das Publikum zwar Phantastik-affin, die Literatur-Konkurrenz aber vergleichsweise gering ist.

Dass die RPC neue Wege gehen will und ab diesem Jahr in die neue, mit Superlativen um sich werfende Comic Con Experience Cologne integriert werden soll, steht nun schon länger fest. Ebenso hält sich schon länger die Skepsis, ob diese CCXP, die vom 27. bis 30. Juni in Köln stattfinden wird, der RPC wirklich gerecht werden kann. Die neuesten Infos lassen das eher bezweifeln; der Fokus scheint eindeutig mehr Richtung Film-, Serien- und Cosplaystars zu gehen, dafür weg von Rollenspiel, Brettspiel und Literatur. Ob es für Autor*innen überhaupt noch (kostenlose) Ausstellertische geben wird, ist weiterhin unklar. Ebenso wie unklar ist, wer genau denn nun kommt. Aber hey, Kassen-Tagestickets gibt’s schon für ca. 50 Euro! o.O

Nun ist die Szene Veränderungen gegenüber generell nicht besonders aufgeschlossen und vielleicht tut man der CCXP Unrecht, sie (u. a. mit dem Hashtag #notmyRPC) von vornherein zu „verurteilen“. Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass hier ein neues, leicht überdimensionales Event kreiert wird, eben eine weitere Comic Con, die von der Atmosphäre der RPC weggeht. Als kommende Alternative versteht sich der WELTENWerker Konvent, eine für 2020 geplante Folgeveranstaltung der LARPwerker Convention; das genaue Datum und die Location hierzu sind jedoch noch offen.

Schade bleibt es so oder so – für mich war die RPC bisher ein Bindeglied zwischen den kleineren Konvents und den großen MediaCons. Ob ich der CCXP dieses Jahr eine Chance gebe – ob nun als Ausstellerin oder Besucherin – weiß ich noch nicht. Mit der etablierten Comic Con Germany in Stuttgart und dem LitCamp Heidelberg gibt es am Wochenende des 29./30. Juni genug Alternativen für Phantastikinteressierte.

Wicked and well dressed queens

Positiver von sich reden machte der Verlag Feder&Schwert, der mit Wicked Queen Editions dieses Jahr ein Imprint für Fantasy mit „feministischen Mindeststandards“ (siehe verlinkte Pressemitteilung) an den Start bringt. Den Anfang macht dabei eine Trilogie von Charlaine Harris.

Bedingt erfüllt solche Standards auch das Star-Wars-Franchise. Zwei Wissenschaftlerinnen haben jedoch untersucht, wie durch die Kleidung von Leia und Padmé durch die Filme hindurch der Fokus weg von ihren Machtpositionen, hin zu ihren Beziehungen zu den männlichen Figuren gelenkt wird.

Stiefkind Kurzgeschichten

Für Diskussionen sorgte zudem ein Artikel von Carsten Schmitt über das mangelnde Ansehen von SFF-Kurzgeschichten in Deutschland. Im ersten Moment wollte ich aufbegehren, denn schließlich gibt es eine nicht eben kleine Indie-Verlagsszene für Anthologien. Aber hab dann doch mal den Beitrag selbst gelesen (bei Diskussion generell recht empfehlenswert, hab ich gehört) und da werden eben diese Anthologien ja auch erwähnt. Dass Kurzgeschichten darüber hinaus – also in den Publikumsverlagen – hierzulande außerhalb von beliebten Reihen auf wenig Interesse stoßen bzw. gerade von deutschsprachigen Autor*innen kaum veröffentlicht werden, lässt sich jedoch nicht von der Hand weisen.

Allerdings sind auch hier Kurzgeschichten für viele Autor*innen der Start ins Verlagswesen. Besagte Anthologien mögen oft nur von den Autor*innen selbst, deren Verwandten und ein paar eingefleischten Genre-Fans gelesen werden. Aber sie sind Testballons, für Verleger*innen wie Autor*innen, und erst kürzlich sagte mir ein Verleger, dass sich in der klassischen SF-Szene nur Romane von Autoren verkaufen, welche sich vorher mit Kurzgeschichten einen Namen gemacht haben. Insofern … die Szene mag klein sein, aber immerhin gibt es sie.

Zudem sehe ich kleine Lichter am Horizont: die bezahlten Kurzgeschichten auf Tor-Online, Kurzgeschichten-Sammlungen wie „Das öde Land und andere Geschichten vom Ende der Welt“ und … na ja okay, irgendwie war’s das auch schon wieder. Eigentlich wollte ich noch die Möglichkeiten der E-Books nennen, aber ich glaube, die haben eher der Novelle zu einer Renaissance verholfen.

Muss sagen, selbst auch eher der Novellentyp zu sein. Diese Kurzromane sind voll mein Ding, schon weil sehr pendlerfreundlich. Kurzgeschichten dagegen versuchen mir im SFF-Bereich zu oft ebenfalls Kurzromane zu sein – inklusive Weltenbau, epischer Figureneinführung, Heldenreise und so weiter. Da die meisten Anthologien aus Ausschreibungen mit Zeichen-Maximalanzahl resultieren, neigen zudem viele dieser Geschichten dazu, am Ende sehr überhetzt zu werden. Mein Ding sind eher Geschichten wie „Wie lautet mein Name“ von Peter Hohmann – wenige Figuren, keine ausgeprägte Handlung, dafür mit gelungener Pointe. Eine der wenigen Geschichten, an die ich mich ähnlich einprägsam erinnere wie an einen Roman. **

Von Triaden und guten Lektoraten

Gelegentlich gerät man leider sowohl als Autor*in als auch als Leser*in auch an Anthologien, die man nach ein paar Seiten frustriert zur Seite legt, weil das Lektorat offenbar maximal ein vages Korrektorat war. Über entsprechend negative Lektoratserfahrungen schreibt Science-Fiction-Autor Henrik Sturmbluth auf seiner Webseite.

Was meine eigenen Erfahrungen angeht – auch da gab’s (wie gesagt) gute und schlechte. Grundsätzlich bin ich ein absoluter Befürworter des professionellen Lektorats; wenn bei einem Roman oder Sachbuch direkt ersichtlich ist, dass es keines gab, kaufe ich es normalerweise nicht.*** Aber inzwischen bezeichnen sich sehr viele Leute als Lektor*in, und nun ja, da gibt es dann eben auch schwarze Schafe drunter. In denkwürdiger Erinnerung ist mir etwa ein Vertreter dieser Zunft geblieben, der aus meinen Dryaden „Triaden“ machte und mir jedes „es tut mir leid“ in ein „es tut mir Leid“ änderte. Seufz.

Glücklicherweise überwiegen meine positiven Erfahrungen. Insbesondere kann ich Marion Lembke empfehlen, die damals freundlich, aber bestimmt viele Anfängerfehler aus „Vor meiner Ewigkeit“ entfernt hat. Noch heute reagiere ich dank ihr empfindlich darauf, wenn jemand zu viele „dass“-Konstruktionen verwendet :-)

Bis demnächst.

So. War ja doch mehr los als gedacht, und ich hab noch nicht mal meinen Dystopie-Artikel auf Tor-Online erwähnt. Nun aber ab in den März mit euch! (Na ja, da seid ihr jetzt eh schon.) LBM steht an, leider wieder ohne mich, aber wat soll man machen. Dafür bin ich nächste Woche – off topic! – auf dem HochschulBarcamp. Noch irgendwer?

Upps, mein Essen kocht über.


*Dass Kurzgeschichten mit Novellen beim DPP zusammengepackt werden, ist dagegen für beide Literaturformen ein Schlag ins Buchstabengesicht.
**Und ich kenne weder den Autor persönlich, noch bin ich in der betreffenden Anthologie „Flammende Seelen“ selbst vertreten. ;)
***Ein-, zweimal wurden Kurzgeschichten von mir auch unlektoriert und sogar unkorrigiert veröffentlicht, was mir nicht so lieb ist. Klar freue ich mich, wenn nicht viel zu tun ist, aber *irgendwas lässt sich wohl an jedem Text verbessern. Und ich sehe es als eine zentrale Aufgabe von Verlagen an, ein Lektorat anzubieten, erst recht wenn das im Vertrag festgeschrieben ist.

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