Januaransichten 2019

Wir unterhalten uns über CliFi, Hopepunk und andere fancy Subgenres, verweisen auf ein anarchistisches Science-Fiction-Archiv und Zombie-Gespräche, philosophieren über den Wert von Conventions und machen Eigenwerbung. Und damned, damit habe ich nicht mal alles genannt!

CliFi-Didaktik

Von wegen ruhig ins Jahr starten: Viele haben offenbar die Zeit unterm Weihnachtsbaum zum Schreiben genutzt, denn die Artikel purzelten in den ersten Januartagen nur so hervor.

So untersuchte Diego Arguedas Ortiz für BBC Culture, inwiefern Science-Fiction-Literatur – genau gesagt CliFi – geeignet ist, Lesern den Klimawandel und dessen Komplexität näherzubringen. Besonderen Fokus setzt er dabei auf Kim Stanley Robinsons Roman „New York 2140“, ehe er sich der Frage zuwendet, wie aus solchen Zukunftsvisionen auch Utopien anstelle von Dystopien entstehen können. Und, oh Wunder, natürlich ist da auch schnell wieder die Rede von Solarpunk.

Es ist schon seltsam: Seit Jahren gilt Solarpunk als das nächste dicke Ding, als Ausweg aus der Misere. Aber wird da überhaupt mal was zu geschrieben oder ist das eher so ein Modewort? Ok, im deutschsprachigen Raum kräht da eh kaum ein Hahn nach, aber auch international scheint seit der brasilianischen Anthologie, die den Startpunkt geliefert hat, nicht viel passiert zu sein. Wir haben ein Manifest, aber keine Bewegung.

Hoffnung als Widerstand

Vielleicht ist man deshalb zu einem neuen trendigen Punk-Begriff übergegangen: dem Hopepunk. Haley Nahman beschreibt das als eine Art Gegenbewegung zu Grimdark, was mir grundsätzlich sympathisch ist. In ihrem Verständnis ist Hopepunk dabei weniger ein Genre, sondern mehr eine Haltung, die sich auch in Katzenvideos ausdrücken kann. Anthony Gramuglia dagegen betrachtet Hopepunk durchaus als SFF-Genre und Zwilling zum Noblebright – noch so eine fancy neue Spielart. Allerdings hält Gramuglia sich nicht mit reiner Genre-Beschreibung auf, sondern stellt Hopepunk in Zusammenhang zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und erklärt vor allem auch, worin der Punk in der Hoffnung liegt. Das gefällt mir, aber Lee Konstantinou hat zu meckern: Er ist der Auffassung, dass es Hopepunk auch nicht mehr retten kann und die großen neuen SF-Ideen schon seit den Cyberpunk-Glanzzeiten fehlen. Aber anarchistisch kann sie offenbar trotzdem, wie das Online-Archiv „anarchySF“ nahelegt.

Monsterwissenschaften

Nach so viel Punk und Pessimismus für den Optimismus müssen wir uns mal einem anderen Thema zuwenden. Wie wäre es mit Zombies?

Auf einem neu entdeckten Projekt-Blog mit dem klangvllen Namen Horror meets Politics ging ein wissenschaftlicher Artikel zum Mensch als Zoon Zombiekoon online. Im Wesentlichen geht es darum, wie sich der Mensch angesichts der Zombie-Apokalypse verhält, Schwerpunkt liegt dabei auf „The Walking Dead“.

Drei Zombies und ein Rabe
Zombies unter sich (Quelle: Pixabay, User 5187396)

Wir bleiben in der Zombie-Wissenschaft: Auf seinem Blog hat sich Henry Jenkins mal wieder an eins seiner mehrteiligen XXL-Interviews gesetzt. Dieses Mal unterhält er sich mit Stacey Abbott über Vampire, Zombies und was sonst so kreucht, fleucht und sich von menschlichen Innereien ernährt.

Ihr habt jetzt immer noch nicht genug von wissenschaftlich wertvollen Zombies und Co.? Dann empfehle ich euch diesen Artikel von mir den Sammelband „Vergemeinschaftung in Zeiten der Zombie-Apokalypse“.

Von Bergen und Amazonen

Viel gesitteter geht es in der High Fantasy zu, der ich im Januar einen kurzen historischen Abriss auf TOR Online spendierte. Dreckiger präsentiert sich wiederum die Welt von Sword&Sorcery-Heldin Red Sonja, der Peter von Skalpell und Katzenklaue (erneut) einen Artikel widmete.

Und wenn ihr lieber eigene Welten entwerft, anstatt über die anderer Leute zu lesen: Auf ihrem Blog hat Autorin Sina Bennhardt eine Reihe zum Thema Landkartenerstellung gestartet. Teil 1 setzt sich dabei gleich mit einem der herausforderndsten Themen auseinander, denn es geht um Gebirge.

Arm, aber idealistisch

Zurück zu diesweltlicheren Themen: In einem sehr ausführlichen Blogpost redet Mangaka Carolin Reich über ihre Con- und Buch-Verdienste
– und warum sich das Schreiben trotzdem lohnt.

Meiner Meinung nach ein sehr ehrlicher und gelungener Beitrag. Nicht alles lässt sich 1:1 auf Belletristik?-Autoren übertragen. Aber viele Punkte kann ich dennoch unterstreichen. Etwa als Beispiel die Sache mit den Cons: Rein finanziell lohnen sich für mich auf den ersten Blick nur Veranstaltungen wie FeenCon oder RPC, die kostenfreie Künstlertische anbieten und quasi vor der Tür stattfinden.* Trotzdem besuche ich auch viele andere Cons und Messen, beispielsweise den BuCon, der mit nicht unerheblichen Hotel- und Fahrtkosten verbunden ist. Ein Grund dafür ist natürlich die Freude an der Sache; nicht zuletzt bedeuten Cons ein Treffen mit Freunden, die man sonst nur selten trifft. Aber langfristig gedacht, können sich solche Veranstaltungen auch in ökonomischer Sicht lohnen.** Sie sind ideal zum Netzwerken, fürs Selbstmarketing und nicht selten werden neue Projekte angestoßen. Zudem sollte man den direkten Kontakt zu den Lesern nicht unterschätzen.

Awardation

Die Award-Zeit bricht wieder an. Der SERAPH kommt langsam in die heiße Phase, die Longlists in den Kategorien Bestes Debüt, Bester Roman und Indie-Seraph wurden bereits veröffentlicht. Außerdem kann man wieder Vorschläge für den Skoutz-Award einreichen. Dort gibt es übrigens auch eine Kategorie für den besten Blog. Da kann man ebenfalls Vorschläge für einreichen. Ich sag’s ja nur mal.

Von Logus nach Eden

Zuletzt noch zwei Hinweise in eigener Sache: Zum einen ist der zweite von drei Print-Sammelbänden zu „D9E – Der loganische Krieg“ erschienen. Neben Band 4 von Veronika Bicker und Band 5 von Stefan Cernohuby ist darin enthalten auch mein Band 6, „Eine Ahnung von Freiheit“, enthalten. Und auf TOR Online kann man sich ab sofort meine Kurzgeschichte „Neophyt auf Eden“ zu Gemüte führen. Erstmals ist die 2013 in der Anthologie „Intergalaktisches Seemannsgarn“ im Verlag ohneohren erschienen.

Zitat aus "Neophyt auf Eden"
Teaser zu „Neophyt auf Eden“

So, nun reicht’s aber. Kommt mir gut in den Februar. Steampunk-Jahrmarkt in Bochum steht an – vielleicht bekomme ich es auch mal auf die Reihe, dort vorbeizuschauen …


*Und selbst da gab es Jahre, in denen ich doch wieder ins Minus rutsche, weil z. B. die Verpflegung alle Umsätze frisst. Und dann selber gefressen wird, muahaha.

**Ausnahmen bestätigen die Regel. Zudem muss ich natürlich hinzufügen, dass ich Veranstaltungen wie BuCon oder auch Buch Berlin nicht mit eigenem Stand besuche, sondern in erster Linie als Besucher. Ich kann also gar keinen unmittelbaren Gewinn generieren; dafür verkaufen evtl. meine Verlage mehr durch den Autoren-Anwesenheitsbonus.

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