Novemberansichten 2018

Wir verweisen auf verschiedene Artikel, erörtern die Frage nach anspruchsvoller Phantastik und werfen einen Blick auf SF-Visionen und eine kommende Veranstaltung.


Alte Bauernweisheit: Wer im Oktober ist früher dran, muss im November dann erst später ran. Yo. Es wird dieses Malauch nicht so ausufernd wie im Oktober, da es wieder einer dieser Monate war, in denen ich nicht so viel von der Szene mitbekommen habe, wie ich gerne hätte. Da sind allein schon wieder diese ganzen Podcasts, zu denen ich nicht kam* oder Veranstaltungen wie die Buch Berlin, die ich nicht besucht habe. Hach, seufz. Aber widmen wir uns lieber den erschienenen Artikeln anstatt meinen Unzulänglichkeiten.

Heldenzeiten

Auf Skalpell und Katzenklaue ging die Reihe zur Sword&Sorcery mit einem Beitrag zu Clifford Ball gewohnt ausführlich weiter. Ebenso setzte sich meine Genre-Reihe auf Tor-Online fort, dieses Mal ging es dabei um die Historical Fantasy (die mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet hat, da der Begriff fast ähnlich schwammig wie die Science Fantasy gebraucht wird). Und auf Fantastische Antike, einem Blog, der mythologische Inhalte in der Popkultur zum Thema hat, ging es u. a. um einen Vergleich von Mythen- und Marvel-Thor. (Streng genommen ist dieser Artikel schon Ende Oktober erschienen, aber wir wollen mal nicht so sein.)

Existenzielle Fragen zur originellen Phantastik

Quasi offiziell ist inzwischen auch Translate or die in die Blogosphäre zurückgekehrt, was mich doch sehr freut. Anfang des Monats ließ Markus Mäurer sich dort über den (nicht vorhandenen) Markt für anspruchsvolle / originelle Phantastik aus.

Ich bin bei dem Thema etwas zwiegespalten. Einerseits musste ich beim Lesen des Artikels oft nicken. Die meisten Neuerscheinungen wirken in der Tat wenig experimentell und ich denke auch, dass es ein Problem ist, als wirtschaftlich arbeitender Autor in relativ kurzen Abständen Romane veröffentlichen zu müssen. Diese Quantität muss sich nicht zwangsläufig auf die Qualität auswirken; aber ich merke an mir selbst, dass ich mich bei Zeitmangel lieber an „einfache“, und das heißt eben oft auch weniger originelle Themen setze. Was durch alle Branchen hindurch ein Problem sein dürfte, denn Kreativität entfaltet sich bekanntlich selten unter Zeitdruck.**

Andererseits sehe ich durchaus positive Entwicklungen. Ich habe sozusagen mit der Fantasy der späteren 1980er und 1990er gestartet, und auch wenn das als Einstieg alles super war, kam mir die Jugend- und High Fantasy jener Zeit später doch recht platt und weichgespült vor. Auch das ist sicher eine verkürzte Sicht, schließlich gab es auch da schon Terry Pratchett oder Joy Chant. Aber die Aha-Momente haben mir oft gefehlt. Aber die 2000er haben uns Leute wie Steph Swainston oder China Miéville gebracht, und man braucht gar nicht so exotisch zu werden: Selbst in der jüngeren Epic Fantasy ist es einigen Autoren tatsächlich gelungen, dem Genre neue Impulse zu entlocken. Ich denke da beispielsweise an Brandon Sanderson, dessen „Pfad der Winde“ mir zwar gerade viel Durchhaltevermögen abverlangt, aber dessen Weltenschöpfung eben wirklich mal innovativ ist. Oder auch die „Elfen“-Saga: Klar erfindet die das Rad nicht neu, aber die Komplexität, bzw. wie Plotholes des ersten Romans immer wieder sinnig aufgefüllt wurden, hat mich wirklich beeindruckt. Und auch in der scheinbaren Massenware lassen sich, durch alle Subgenres hindurch, immer wieder neue Facetten finden, kleine Ausbrüche aus dem Bekannten. Ich denke da etwa an Maggie Stiefvater, die der Jugend-Romantasy Melancholie und gebrochene Figuren zutraut, oder an Anika Beer, die trotz generischer YA-Fantasy interessante Denkanstöße liefert.

Cover von "Lamento"
„Lamento“ von Maggie Stiefvater, PAN Verlag (Knaur), ISBN: ISBN: 978-3-426-55863-8

Markus selbst nennt zudem einige Positivbeispiele aus Kleinverlagen. Ergänzend möchte ich da auf das Programm von salomo publishing bzw. dessen Imprint des Dresdner Buchverlags hinweisen. Inzwischen hat man sich auch dort leider wieder etwas von der anspruchsvollen Phantastik abgewandt; doch mit Büchern wie „Drei Monde“ von Lars Hitzing oder „Katharsia“ von Jürgen Magister sind hier einige wirklich bemerkenswerte Genreexperimente erschienen. Also … Hoffnung gibt es :-)

Science-Fiction-Visionen damals und heute

In Sachen Science Fiction lohnte diesen Monat beispielsweise ein Blick auf How Stuff Works, wo sich Alison Cooper kurz und knapp der Frage widmete, inwiefern SF-Medien tatsächliche Innovationen vorausgesagt haben.

Zudem bin ich auf das Blended-Learning-Projekt SciFiVisions von der Hamburg Open Online University gestoßen. Interessierte können sich hier in verschiedene Themen zum Bereich Zukunft und Science Fiction einarbeiten. Zum Angebot gehören auch kurze Lehrvideos, beispielsweise zur Semantik des Raums oder zu Robotern in der SF.

Screenshot aus "SciFiVisions"
Screenshot zu SciFiVisions

Lesekultur incoming: Gegenlichtlesen 11

Und damit verabschieden wir uns in den Dezember, allerdings nicht, ohne noch auf eine Veranstaltung hinzuweisen: Am 15. Dezember findet um 20 Uhr im Theater „Die Wohngemeinschaft“ die 11. Ausgabe des Leseabends „Gegenlichtlesen“ statt. Drei Schauspieler tragen an diesem Abend Gedichte und Romanauszüge zum Thema „Andere Welten“ vor – beispielsweise aus Werken von Jules Verne und Lewis Carroll, aber auch Laura Flöter, Christian von Aster u. v. m. Dazu gibt es Live-Musik von Miriam Berger.

Das Konzept besteht seit mehreren Jahren, seit 2017 ist Christina Löw an der Organisation beteiligt, in diesem Jahr habe ich mich ihr angeschlossen. Es ist das erste Mal, dass ich so eine Veranstaltung selbst mitorganisiere, und sie ist auch einer der Gründe, weshalb es hier momentan ruhiger zugeht. Auch wenn uns die „Wohngemeinschaft“ viel abnimmt und leider durch meinen Wegzug aus Köln ein Großteil der Arbeit vor Ort an Christina hängenbleibt, ist es doch bemerkenswert, wie viel Zeit allein durch Textauswahl, Abklärung von Rechten usw. drauf geht. Gleichzeitig ist es eine sehr spannende Erfahrung, und nun, ich bin verdammt gespannt (und dezent nervös …), wie es dann am 15. laufen wird. Die Karten sind im VVK für 6 Euro zu beziehen (z. B. hier), an der Abendkasse kosten sie 8 Euro. Dafür gibt es dann aber auch knapp drei Stunden quasi crossmediale Unterhaltung.

Flyer zur Veranstaltung "Gegenlichtlesen 11".
Flyer zu Gegenlichtlesen 11


Jau. Nun aber allen, die sie zelebrieren, eine schöne Weihnachtszeit!

(P. S.: WordPress.com verwendet einen neuen Editor, mit dem ich mich noch vorsichtig anfreunden muss. Daher sieht gerade alles etwas … linkszentrierter aus.)


*Beispielsweise haben sich Hell yeah hell no über „Mad Max: Fury Road“ ausgelassen, einen Film, über den ich ja auch endlos philosophieren kann.
**Obwohl ein gewisser Stress auch durchaus Wunder wirken kann. Also, bei mir jedenfalls. Gib mir zu viel Zeit, und mein Hirn befasst sich lieber mit der faszinierenden Bodenstruktur unterm Sessel als mit dem Plot, der entwickelt werden möchte.

Allgemein Monatsansichten Phantastik

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