[Top 7] Fantasy-Nostalgie in schwarzen Covern

Ok, ist nicht die Überschrift des Jahres. Aber es ist etwas schwierig, die heutige Top 7 elegant zusammenzufassen. Worum es mir geht – zumindest dachte ich, dass es mir darum ginge – sind diese Goldmann-(SF)F-Bücher mit den schwarzen Covern, weißer Schrift und einer eingerahmten Illustration. Die waren wohl so Mitte/Ende der 80er auf dem Markt. Mein Vater besitzt viele dieser Bücher und es waren, mal abgesehen von kleinen Hexen etc., meine ersten Fantasyromane. Allerdings ist mir jetzt aufgefallen, dass einige der Bücher gar nicht von Goldmann, sondern von Heyne sind :o Insofern ist das nun die „Top 7 der Fantasybücher mit schwarzem Cover von Heyne und Goldmann, die glaub ich in den 80ern erschienen sind“.  Klingt aber auch nicht so fancy. Na, reden wir lieber über die Bücher selbst.

1. „Der Sohn der Sidhe“ von Kenneth C. Flint

Wird langsam langweilig, wa? Also, ich habe ja schon diverse Male über meine (Jugend-)Liebe zu diesem Buch schwadroniert, beispielsweise hier oder hier. Ein paar Leute habe ich damit sogar dazu bekommen, es sich zu kaufen, und auch wenn sie glaub ich nicht gerade solche Epiphanien wie ich empfunden haben, hat sich zumindest noch keiner beschwert.

Sollte es tatsächlich einen Leser dieses Blogs geben, dem das Buch nichts sagt: Es ist eine Nacherzählung des Taín bó Cuailnge und berichtet damit, angemessen fantasylastig (noch) ausgeschmückt(er) mit finsteren Zauberern und holden Sídhe, vom irischen Sagenhelden Cúchulain.

2. „Der Träumer in der Zitadelle“ von Esther Rochon

„Der Träumer in der Zitadelle“ ist einer der faszinierendsten Fantasyromane, die mir je begegnet sind. Heute würde man ihn vielleicht zur Weird Literature zählen, oder zur Social Fantasy. Vordergründig geht es um einen sich anbahnenden Konflikt zwischen zwei Reichen und um die junge Inalga, die als neue Nebenfrau des mächtigen Skern einen Platz an dessen Hof zu finden versucht (und im Klappentext nicht mal erwähnt wird, obwohl sie die Protagonistin ist). Diese Handlung trägt sich jedoch über weite Tage vor allem über Dialoge zwischen den Hauptfiguren, in denen soziale und ethische Fragen parabelhaft aufgeworfen werden. Dazwischen folgen immer wieder Drogenvisionen des „Träumers“, eines Art Wetter-Magiers in Diensten Skerns, die dem Ganzen eine sehr surreale Komponente geben. Die Story wird in den nachfolgenden – leider nicht aus dem Französischen übersetzten – Bänden weitergesponnen, aber das Buch funktioniert auch als fragmentarischer Einzelband. (Tatsächlich frage ich mich, ob es mir noch so gut gefallen würde, hätte ich die anderen Bücher ebenfalls gelesen.) Schade, dass er hierzulande kaum bekannt ist. (Gero von der Bibliotheka  Phantastika hat aber mal was zu Esther Rochon geschrieben und Sören Heim fand den nicht einmal 130 Seiten umfassenden Roman auch gut.)

3. „Der Mond der Brennenden Bäume“ von Joy Chant

In „Der Sohn der Sidhe“ war ganz hinten Werbung für dieses Buch. In der Kurzbeschreibung kamen viele seltsame Wörter und Namen vor, die mir ohne weitere Kenntnis des Inhalts gar nichts gesagt haben. Aber ich wollte das Buch immer haben, weil der Titel so schön klang (man muss halt Prioritäten setzen), und irgendwann ist es mir tatsächlich für 50 ct auf einem Flohmarkt in die Hände gefallen. Meine Erwartungen waren hoch, aber offenbar nicht zu hoch: Anfangs habe ich auch dieses Buch, quasi eine Abenteuerroman-Quest mit Einhörnern und Kolonialismuskritik, ziemlich abgefeiert. Inzwischen denke ich, dass ich das Buch vielleicht ähnlich wie „Der Sohn der Sidhe“ zu rosarot gesehen habe, da es doch ein wenig sehr mit dem Bild des „edlen Wilden“ kokettiert. Es wird Zeit für einen Reread, um das genauer zu eruieren. Na ja, diesen Reread plane ich jetzt auch seit locker zwei Jahren …

4. „Wenn Voiha erwacht“ von Joy Chant

Neben „Der Mond …“ ein weiterer Roman aus Chants „House of Kendreth“-Universum und ein weiteres Beispiel dafür, dass gute Fantasyromane nicht lang sein müssen. Während in „Der Mond der Brennenden Bäume“ pseudoindigene Kultur im Zentrum stand, ist es in „Wenn Voiha erwacht“ eine matriarchalische Gesellschaft, die durch den Erfolg eines Musikers erschüttert wird. Und … mehr weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Es wird auch hier Zeit für einen Reread.

5. „Erdzauber“ von Patricia A. McKillip

Der zweite Band der „Erdzauber“-Trilogie, „Erbin von Wasser und Feuer“, war mein erster klassischer Fantasyroman und hat schon deshalb eine besondere Stellung für mich inne. Und selbst wenn ich das mal außer Acht lasse, finde ich die Trilogie immer noch empfehlenswert, auch wenn sie vor allem in Band 3 einige Längen aufweist. Mit Morgon und Rendel haben die Bücher dafür aber zwei ambivalente Protagonist*innen, mit Eriel eine überzeugende Antagonistin, und auch viele der Nebenfiguren können überzeugen.* Band 2 ist nach wie vor mein Lieblingsband, meine Lieblingsstelle aber das Zusammenleben von Astrid und Morgon in „Die Schule der Rätselmeister (1)“. Ich fand es immer bemerkenswert, wie fesselnd ein Kapitel geschrieben sein kann, das sich zwischen einem Stummen, einem Schweigsamen und einer Wildkatze abspielt.

6. „Bannsänger“ von Alan Dean Foster

So, jetzt aber mal ein Heyne-Beispiel. „Bannsänger“ ist der Auftakt zu einer achtbändigen Funtasy-Reihe** über einen Rockmusiker, der sich in einer u. a. von sprechenden Tieren besiedelten Fantasywelt wiederfindet. Und da fangen die Probleme auch schon an, denn Tierfantasy ist irgendwie was, womit ich gar nicht klar komme. Solange alle Figuren Tiere sind wie in „Maurice, der Kater“, kann es noch funktionieren. Aber wenn Mensch und Tier quasi als mehrere Völker mit- und nebeneinander leben, bin ich meistens raus. „Bannsänger“ war eines der ersten Bücher, in denen ich das festgestellt habe, aber Spaß gemacht hat es dank einiger gelungener satirischer Momente dennoch.

7. „Zeit und Welt genug“ von James Khan

Ein Mensch und ein Zentaur jagen in einer postapokalyptischen Welt Vampire. Klingt kurios, ist aber eigentlich sehr öko und deep gemeint. Kommt trotzdem kurios rüber und war nicht wirklich mein Fall. Ok, ich hab’s auch nicht zu Ende gelesen.


*Übrigens fällt mir dieses Buch immer als Erstes ein, wenn es um gelungene Frauenfiguren geht. Rendel, Eriel, Lyra, El, Tristan: Alles gute Beispiele. (Habe aber erst kürzlich in irgendeinem englischsprachigen Artikel gelesen, das Buch sei ein Beispiel für feministische Fantasy; dem kann ich mich nur bedingt anschließen. Ich meine, hallo, Morgon gewinnt Rendel in einem Wettbewerb und irgendwie sind alle voll d’accord damit …? Und warum wird Rendel eigentlich immer als die „zweitschönste Frau der Welt“ bezeichnet? Wer macht da die Rankings und haben alle Reiche dasselbe Schönheitsideal und überhaupt?)
**Und war bereits Bestandteil dieses und dieses Top-7-Artikels. Ich glaub, ich brauch ein neues Konzept oder muss mehr lesen …

P. S. @Wordpress.com-Nutzer: Äh, geht nur mir der neue Visual Editor auf die Nerven …?

Allgemein Phantastik Top7

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