[Top 7] Jugendfantasy-Reihen

Ich gammel gerade* im Garten bei meinen Eltern rum, während neben mir meine jüngere Schwester ein Buch aus einer Jugendfantasy-Reihe namens „Empire of Storms“ liest. Weder Titel noch Autor (Jon Skovron) haben mir vorher etwas gesagt, und um meine plötzliche Panik, nicht mehr up to date in Sachen Jugendfantasy zu sein, zu kompensieren, dachte ich, ich schreib mal eine Top 7 zu Jugendfantasy-Reihen zusammen. Geht man vom Startzeitpunkt aus, ist selbst die jüngste dieser Reihen („Lost Land“) bereits acht Jahre alt, also bin ich wohl so oder so nicht up to date, aber lassen wir das.

Um mich angesichts der Auswahlmasse halbwegs entscheiden zu können, habe ich nur Reihen aufgenommen, die mindestens vier Bände umfassen – entsprechend sind z. B. Trilogien wie „Die Tribute von Panem“ oder „Die Fließende Königin“ rausgefallen. Nach längerer Überlegung habe ich beschlossen, auch „His Dark Materials“ und „Faeriewalker“ als Trilogien anzusehen, da ich mich sonst nicht hätte entscheiden können die Grundhandlung in drei Büchern erzählt wird. Und man braucht ja noch was für die Top 7 der Trilogien und Zweiteiler.

Nach dieser harten Auswahl konnten folgende sieben Titel das Rennen machen:

1. Die Tiffany-Weh-Bände von Terry Pratchett

Jeder Leser hat wohl so seine Lieblingsreihe innerhalb des Scheibenwelt-Kosmos: Für die einen sind es die Wachen, für die anderen TOD oder die Hexen, und für mich ist es die fünfbändige „Tiffany Weh“-Reihe, die mit „Kleine freie Männer“ ihren Anfang nimmt und mit „Die Krone des Schäfers“ endet. Mit ihren relativ typischen YA-Elementen** ist sie bei vielen alteingesessenen Fans eher auf Ablehnung gestoßen, zumal das Genre weniger satirisch bedacht wird als zuvor beispielsweise High oder Low Fantasy. Aber ich mag den gegenüber vielen anderen Scheibenwelt-Romanen nachdenklicheren, zum Teil sogar melancholischen Humor, sehr. Zudem ist die Handlung stringenter, zielgerichteter und gerade „Die Krone des Schäfers“ letztlich ein sehr würdiger, wenn auch untypischer Abschluss für die „Scheibenwelt“.

2. „Harry Potter“ von Joanne K. Rowling

Mir war „Harry Potter“ ja lange zu mainstream, um es zu lesen. Aber nun, es begab sich zu der Zeit, da ich 2001 im Spanienurlaub weilte, dass mir der Lesestoff ausging und ich die Wahl hatte, „Der Stein der Weisen“ oder gar nichts zu lesen, und joa, könnt euch ja denken, wie’s geendet hat. Der Suchtpunkt war schnell erreicht. So bis zum Erscheinen von Band 5 war der Kauf bzw. das Erscheinungsdatum jedes Bandes für mich ein Happening, und die damit verbundene Euphorie würde ich echt gerne mal wieder bei einem Buch empfinden. Nun ja. Ich bin nicht so der Typ, der sich mit einem Schulhaus identifiziert*** und Zauberstäbe kauft, aber ich liebe die Bände nach wie vor, und es vergeht kaum ein Jahr ohne Reread. Spätestens, seit die Zauberwelt über die Bücher hinausgewachsen ist (z. B. durch Pottermore, Interviews und „Fantastic Beasts“), kann ich die Lücken in Weltenbau und Buchlogik zwar nicht mehr ausblenden, aber der Lesefreude tut das nur bedingt Abbruch.

3. „Lost Land“ von Jonathan Maberry

Auf diese Reihe bin ich durch meine erste GfF-Tagung aufmerksam geworden, die 2013 in Wetzlar stattfand. Eine Referentin hielt dort einen Vortrag über postapokalyptisches (Jugend-)Leben. An die genauen Inhalte kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, aber thematisch hat mich das genug beeindruckt, um später „Liminale Personae“ zu schreiben und die im Rahmen des Vortrags vorgestellte Reihe „Lost Land“ von Jonathan Maberry anzufangen. Aus der Sicht des jungen Benny Imura wird das Leben einer Gruppe Teenager in Zeiten der Zombie-Postapokalypse geschildert. Der Schreibstil ist flott, die Action reichhaltig, und der Menschen-sind-die-eigentlichen-Monster-trope wird zufriedenstellend bedient. Ab Band 2 entwickelt sich das Ganze eher Richtung konventioneller Jugenddystopie, was nach dem innovativen Anfang etwas enttäuschend ist. Trotzdem ist allein schon Band 1 den 3. Platz in diesem Listical wert. Eine Zeitlang hat vor allem Bennys Bruder Tom mich zu einem ziemlichen Maberry-Fangirl gemacht, was ich dann wie üblich mit einem Interview therapiert habe.

In den USA ist die Reihe als „Rot & Ruin“ bekannt und sehr erfolgreich. Hierzulande lief sie leider eher unter dem Radar; schon Band 3 erschien nur noch als digitale Ausgabe, Band 4 wurde nicht mehr übersetzt. Ein Schicksal, das sie mit „Dämonicon“ und „Stravaganza“ teilt (s. u.).

4. „Stravaganza“ von Mary Hoffman

Man kann „Harry Potter“ und auch der „Bis(s)“-Reihe ja nachsagen, was man will – aber es war wohl diesen beiden Reihen zu verdanken, dass Fantasyreihen plötzlich als der neue heiße Scheiß galten, mit denen auf dem Schulhof ähnlich rege gedealt wurde wie mit Diddl– oder Magic-Karten. Na ja, vielleicht nicht ganz so, aber man konnte sich zumindest über die eine oder andere Reihe unterhalten, ohne gleich als Nerd abgestempelt zu werden. Auch die „Stravaganza“-Reihe, in der Teenager zwischen unserer Welt und einem Alternativ-Italien hin- und herreisen, war einer dieser Gesprächslieferanten. Hatte leider zur Folge, dass ich an Band 1 bereits hart gespoilert ranging, aber gefallen hat er mir trotzdem. Die Folgebände waren inhaltlich zunächst etwas eintönig, weil dieselbe Struktur immer wieder mit neuen Protagonisten wiederholt wurde, doch ab dem Finale von Band 3 nahm die übergeordnete Handlung dann wieder an Fahrt auf.

Kürzlich wurde die Reihe von Arena noch einmal neu aufgelegt. Auf Englisch sind bislang sechs Bände erschienen (auf Deutsch vier), bis zu zwölf sollen es werden.

lost_stravaganza

Buchstillleben auf Wolldecke:
„Lost Land 1“ (Thienemann) und „Stravaganza 3“ (Arena)

5. „Dämonicon“ von Darren Shan

Darren Shan zum Ersten: Ich habe um das „Dämonicon“ lange einen Bogen gemacht, da ich mit Horror nicht viel anfangen konnte und es hieß, die Reihe gehe für die Verhältnisse von YA sehr explizit mit Gewalt um. Nach „Mitternachtszirkus“ hatte ich dann aber doch das Bedürfnis nach mehr, und da das „Dämonicon“ gerade in Sammelbänden herausgebracht wurde und sogar lose mit „Mitternachtszirkus“ zusammenhängt, bot es sich als Trostpflaster an. Die „Dämonicon“-Bände sind ebenso flott geschrieben, aber die Protagonisten wechseln je nach Band, und ihre Abenteuer im Kampf gegen Lord Loss und dessen Dämonenhorden werden nicht chronologisch erzählt. Das ist für eine Jugendreihe ebenso ungewöhnlich wie die zuweilen leicht psychedelische Darstellung der Dämonenwelt und der Splatteranteil. Doch zuzulesen, wie sich die verschiedenen Zeitebenen und Protagonisten zusammenfügen, hatte eine besondere Faszination. Nach Band 4 habe ich trotzdem aufgehört, weil die nachfolgenden Teile zum Lesezeitpunkt nur schwer zu bekommen waren (die Sammelbände wurden eingestellt). Muss ich unbedingt noch mal in Angriff nehmen, denn die Reihe war echt gut.

Auf Englisch sind zehn Bände erschienen.

6. „Mitternachtszirkus“ von Darren Shan

Darren Shan zum Zweiten: „Mitternachtszirkus“ ist so ein bisschen wie „Harry Potter“ mit Vampiren. Ähnlich geschrieben, ähnlicher Prota, ähnlicher Hang zu Plottwists, selbst die finale Auflösung erinnert ein wenig an das Verhältnis zwischen Harry und Voldemort. Das Ganze wird allerdings mit sehr viel Humor gewürzt, der hin und wieder überraschend in Melancholie abdriftet, was man aber keinesfalls negativ sehen sollte. Ein paar der zwölf Bände rund um Halbvampir Darren und dessen Auseinandersetzungen mit dem personifizierten Schicksal waren etwas dröge, aber insgesamt hatte die Reihe sehr viel Tempo. Zudem lebte sie nicht zuletzt von gelungenen Nebenfiguren wie Larten Crepsley, der später sein eigenes Spin-off bekommen hat. Das Ende umgeht trotz aller Ähnlichkeiten zum Glück den Kitsch von „Harry Potter“ und gehört zu den besten, die mir je begegnet sind.

mitternachtsdämonen

Die Einzelbände waren schöner, die Sammelbände praktischer:
„Mitternachtszirkus 2“ und „Dämonicon 2“ (jeweils PAN)

7. „Dark is rising“ von Susan Cooper

Die hierzulande auch als „Wintersonnenwende“ bekanntgewordene Reihe habe ich zuletzt in einem Blogpost über Bücher bedacht, an die ich mich kaum noch erinnern kann. Da ich immer noch nicht zu einem Reread gekommen bin, kann ich mich nur wiederholen: Ich weiß, dass ich die Reihe geliebt habe. Aber warum genau, kann ich nicht mehr sagen. :D

*

Und damit wären diese Top 7 auch schon wieder zu Ende. Honorable Mentions gehen an „Maximum Ride“****, „Die Chroniken der Unterwelt“ und, mit etwas Bauchschmerzen, auch an „Strange Angels“.

Abschließend wie immer die Frage an euch – was sind eure liebten YA-Fantasyreihen?

 


*D. h., als ich mit diesem Beitrag Sonntagmittag angefangen habe.
**Z. B. jugendliche Protagonistin, die ihre Probleme weitgehend ohne Hilfe Erwachsener erledigen muss und Coming-of-Age-Thema
***Aber falls einer fragt – im Herzen Ravenclaw, laut Pottermore Gryffindor.
****Obwohl ich noch überlege, ob ich „Maximum Ride“ nicht doch zu den Trilogien stecken sollte. Übrigens, warum hab ich nicht mitbekommen, dass die Verfilmung inzwischen erschienen ist?! Na ja, sieht seltsam aus.

Allgemein Phantastik Top7

3 Comments Hinterlasse einen Kommentar

    • Habe es eigentlich nie so empfunden, als hätte „Harry Potter“ einen schlechten Ruf, vor allem nicht im Vergleich zu anderen Jugendreihen seiner Zeit. Fand es manchmal schon wieder etwas übertrieben, wie „Harry Potter“ in der Uni intellektuell auseinandergenommen wurde.

      „Tintenherz“ ist etwas an mir vorbeigegangen, das habe ich noch gar nicht gelesen.

      (Link muss ich daheim gucken, bin gerade unterwegs.)

      • Hab sowohl in der Uni als auch im Freundes- als auch im größeren fb-Bekanntenkreis die Erfahrung gemacht: Je gebildeter, desto „bäh“ wird HP betrachtet. Und da lassen dann Leute, denen sonst saubere Begründungen wichtig sind, jegliche Beschäftigung mit dem Gegenstand vermissen.
        Außerdem registriere ich einen vll typisch deutschen Dünkel, „abspruchsvollere“ Kinder/Jugendbücher HP gegenüberzustellen. Nur meint „abspruchsvoll“ da all zu oft „mit genehmerer/bildungsbürgertauglicherer Botschaft. Strukturell ist HP anspruchsvoller gearbeitet als fast alle anderen Werke für die Zielgruppe, die ich kenne, & auch wenn ich es für wichtig halte, die Potter-Schwächen (vor allem ab Teil 5) ebenfalls herauszustellen – dass HP mehr ist als ein lucky shot aus der Hüfte, der halt wegen des Themas begeistert, das wird mE doch zu wenig beachtet.

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