Juliansichten 2018

Veranstaltungen fanden statt und werden stattfinden, in der Rollenspielszene brodelt es und wir reden über Katzen.

Von Oberhausen nach Berlin

Eigentlich hieß es, die Phantastika fände dieses Jahr nicht statt. Aber öfter mal was Neues, nun findet sie doch statt, und zwar gemeinsam mit der German Comic Con Berlin am 20. und 21. Oktober. Das sorgt nicht unbedingt für Begeisterungsstürme, da erstens die Ankündigung ziemlich kurzfristig erfolgt und zweitens der Termin nah an BuCon, FBM und Buch Berlin liegt.

Ich finde diese Lösung aber gar nicht so schlecht. Sie wirkt zwar überhetzt, aber einer MediaCon wie der German Comic Con eine Literaturhalle hinzuzufügen und so eine neue, aber doch verwandte Zielgruppe anzusprechen, ist eine nette Idee. Außerdem kehrt die Phantastika damit einerseits ein Stück weit zu ihrer Idee zurück, ein Festival für verschiedene Spielarten des Genres zu sein, kann aber andererseits auch ihr neues Ziel verfolgen, die Literatur ins Zentrum des Interesses zu stellen. Klingt paradox, ist aber so.

Abgesehen davon ist das Angebot an Massen-Phantastikveranstaltungen in Berlin geringer als in NRW. Mehr Infos zur Entscheidung und Kooperation gibt es im „Interview“ von Mike Hillenbrand mit seinem Corona Magazine.

FeenKaffee

Am 21. und 22. Juli bereits stattgefunden hat der Bad Godesberger FeenCon, auf dem es, wie sich das für einen FeenCon gehört, wieder dolle warm war. Ich war mit Autorenstand dort und habe mir die Veranstaltung erstmals quasi komplett gegeben (auch wenn ich Samstagabend dann doch lieber in der WG anstatt im Stadthallenkeller genächtigt habe). Im Vorfeld war es etwas chaotisch, aber der Con selbst dafür aus meiner Sicht sehr erfolgreich und … menschlich nett. Lesungen und andere Programmpunkte konnte ich dieses Jahr keine besuchen, dafür aber viele Gespräche mit alten und neuen Bekannten führen, viele Bücher verkaufen (z. B. an Marny von der Fantastischen Bücherwelt) und richtig guten Con-Kaffee trinken. Sonntagabend habe ich noch die Versteigerung der Bring&Buy-Artikel besucht, die dank der humorvollen Gestaltung mein Highlight war, auch wenn es mir dann irgendwann doch zu heiß in der Halle wurde, um ganz bis zum Ende zu bleiben. Nach’m Con bin ich erstmal in eine Ecke gefallen und konnte bis zu einer rettenden Wassermelone keinen Piep mehr sagen.

Rollenspiel-Beef

Heiß wurde es auch bei Ulisses, oder zumindest sorgt eine frivole DSA*-Veröffentlichung für hitzige Debatten in der Rollenspielwelt. Das Drama zusammengefasst hat Judith Vogt auf Tor Online, und in den dort verlinkten Beiträgen und Kommentaren bekommt man eine ganz gute Ahnung davon, wie hoch die Diskussion her ging. Einige Details aus der Spielhilfe klingen haarsträubend, andere finde ich ohne Kenntnis des ganzen Buchs schwierig zu bewerten.

Was die Rollenspielszene insgesamt angeht, denke ich aber, kann eine Diskussion über rassistisch-kolonialistische Stereotype nicht schaden. Vor allem in älteren Fantasy-Settings finden sich viele zweifelhafte Völkerklischees von den wilden Steppen-Barbaren bis hin zu den blonden Befreiern. Als überdurchschnittlich sexistisch oder frauenfeindlich habe ich die deutsche Pen&Paper-Szene dagegen bisher persönlich nicht wahrgenommen, das erschien mir eher ein seltsames US-amerikanisches Ding zu sein.**

Cat-Content

Ansonsten ging es diesen Monat informativ zu. Markus Mäurer widmete sich weiter dem Horror-Genre und ich mich dem Cyberpunk. Joachim Sohn führte seine Reihe zu Tieren in der Phantastik fort, und warf dabei zuletzt ein Schlaglicht auf die Katze. Ein schöner Artikel, der den Bogen über Mythologie und Religion bis zu zeitgenössischer Fantasy, Horror und SF zieht. Ein paar Vertreter der felinen Phantastikprominenz vermisse ich allerdings, insbesondere jene aus den Gaiman-Büchern oder die Helden aus Tad Williams „Traumjäger und Goldpfote“. Meine Lieblingskatzenhelden sind aber (neben Kater Zorbas) Tam und Rory aus Jenny Nimmos Gruselmärchen „Drei Hexen, drei Katzen und die singenden Mäuse“. Schade, dass ihre Geschichte nie allzu viel Erfolg hatte.

Eure Stimmen machen mich glücklich

Und das war es auch fast schon wieder, aber abschließend noch eine kleine Bitte in eigener Sache. Erneut ist die Abstimmung für den Buchblog Award gestartet, und falls ihr meinen Blog gerne lest, würde ich mich freuen, wenn ihr ihn nominiert (Kategorie Fantasy/SF). Ansonsten danke fürs Lesen, entschuldigt die Verspätung und – man liest sich.


*BTW: Mein erster und eigentlich auch bis dato einziger Kontakt zur Welt von Aventurien fand in Form des Romans „Rabengott“ von Bernhard Hennen statt. Hab ihn gern gelesen, aber danach ging ich davon aus, dass DSA generell eine etwas … erotischere Gangart als die übrigen Fantasy-Rollenspiele fahre. War umso verwunderter, als ich irgendwann mitbekommen habe, dass DSA im Gegenteil eher für jüngere Spieler gedacht war. Aber das nur am Rande.
**Ich denke da vor allem an Gary Alan Fines Behauptung, Rollenspiel sei für Frauen unattraktiv, weil sie keine Phantasie hätten – eine These, die er nicht in irgendeinem Blogbeitrag, sondern in seinem wissenschaftlichen Standardwerk „Shared Universes“ aufgestellt hat. Ebenso denke ich an diesen trope von den Frauen als Exoten im Comicladen. Vielleicht liegt es daran, dass ich schon zur Post-Manga-Generation gehöre, aber in den Comic- und Rollenspielläden meines Vertrauens ist mir noch kein ausgewiesener Frauenmangel aufgefallen.

Allgemein Eventansichten Monatsansichten Phantastik

1 Comment Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ja, »Traumjäger und Goldpfote« und Neil Gaimans Katzen habe ich in dem Katzenartikel auf Tor-Online auch vermisst – und natürlich Blackjack, den Manxkater aus »Fool on the Hill« -, aber es ist zu heiß, um andauernd klugzuscheißen …
    Und die Diskussion über diesen „besonderen“ DSA-Band fand ich stellenweise schon arg schräg. (Wobei wir hier ganz sicher meilenweit von amerikanischen Verhältnissen entfernt sind, denn in der dortigen SF/Fantasy- und Rollenspiel-Szene tobt ja wirklich eine Art Kulturkampf.)

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