Buchmessen- und BuCon-Ansichten 2017

Erst letzten Samstag habe ich behauptet, hier vier Beiträge im Monat zu veröffentlichen. Dass das eher ein theoretischer Wert ist, war mir da schon klar, aber herrje, es ist der 22. Oktober und immer noch kein einziger Beitrag diesen Monat erschienen! Zu meiner Verteidigung sei gesagt: Messevorbereitungen. Und dann Messe, BuCon, noch mal Messe, dann das Auskurieren der traditionellen Messe-Seuche,* ehe mir der Berg an Liegengebliebenem einfiel. Ja, hört auf zu lachen, meine letzten beiden Wochen waren echt hart!

Warten, bis es lustig wird

Wie hart, das verrät euch dieser Beitrag. Nein, eigentlich verrät er es euch nicht. Ich war am Sonntag so ein bisschen down, was wohl bedeutete, dass ich den Initationsritus der Phantastikszene endlich hinter mir hatte, denn ICH LERNTE DEN MESSE-/CONBLUES KENNEN! Was mir allerdings niemand über ihn erzählt hatte, war dass er einen bereits während der Messe/Con ereilen kann. Am letzten Wochenende habe ich daher schon mehrmals zu kleinen Berichten angesetzt, die alle wirkten, als seien sie von französischen Katzen auf Rotwein geschrieben worden. Ich habe sie gedanklich zerknüllt und in den Papierkorb geworfen** und so am Mittwoch, Donnerstag kam ich nach diversen Hustenbonbons und literweise Erkältungstee langsam zu einem dämmrigen Zustand von „War doch eigentlich ganz cool“. Und nun bin ich verwirrt von den widerstreitenden Gefühlen in meiner Brust und werde deshalb nur wirre Gedanken zu Stichpunkten aneinanderreihen, anstatt so fancy Reportagen zu schreiben, wie ich es damals tat, als ich dachte, ein Presseticket verpflichte mich zu journalistischen Darstellungsformen aus dem Lehrbuch.

Also. Leset und staunet.

Nr. 1: Real Life

Ich kommuniziere fast täglich mit diversen Menschen, von denen ich keine Ahnung habe, wie sie eigentlich aussehen. Bei einigen hat sich das jetzt vor allem auf dem BuCon verändert – Twitterer, Blogger und meine D9E-Kollegen haben dort Gesichter bekommen! Bei manchen konnte ich die Namen sogar rechtzeitig zuordnen, bei anderen kam die Erkenntnis leider erst am Abend oder bei späteren Fotos, was halt echt schade ist. Über diejenigen, die ich so mal „in echt“ (wieder-)treffen konnte, habe ich mich aber sehr gefreut – die Treffen mit euch waren definitiv einer der Höhepunkte der Messe- und Con-Tage.

Nr. 2: Kleine Erfolge

Anhand der Blog-Statistiken und der Resonanz über Kommentare, Twitter und Facebook habe ich ja einen groben Überblick über meine Leserzahlen und merke, dass es tatsächlich ein paar Leute gibt, die hier regelmäßig lesen. Trotzdem bin ich immer wieder positiv überrascht, wenn ich direkt auf die FragmentAnsichten oder einzelne Beiträge angesprochen werde. Auf GaFo und BuCon ist mir das gleich mehrmals passiert, was mich, wenn ich so darüber nachdenke, immer noch flasht. Die meisten konnten mit dem Blogtitel auch mehr anfangen als mit meinem Namen, was meinem Autoren-Ich zwar nicht so schmeichelt, mich aber auf seltsame Art trotzdem gefreut hat. Ebenso übrigens wie die Resonanz auf mein BuCon-Bullshit-Bingo, das es sogar ohne mein Zutun in die heiligen Hallen des BuCon gebracht hat. Auch wenn die meisten vermutlich nicht wussten, dass es von mir war (und für den nachträglichen Copyright-Hinweis auf einem der Aushänge war ich nur bedingt verantwortlich ;)), kam ich mir ein paar Minuten lang sehr influencing vor.

BuCon Bingo

BuCon-Bullshit-Bingo. Nur echt mit Kringeln.

Mein Schriftsteller-Ich konnte sich aber auch nicht beschweren. Am Ende des BuCon-Tages war „Spielende Götter“ ausverkauft, wofür ich insbesondere einer gewissen Tischecke danke, und die D9E-Lesung/-Vorstellung lief glaube ich auch ganz gut.

Nr. 3: Netzwerken

Als ich am Papierverzierer-Stand herumeierte, kam ein Typ vorbei und sprach den Verleger an. Ja, er sei Autor, hätte da ein Manuskript, richtig geiler Scheiß, wär das nicht was und so. Ich war beeindruckt. Es gibt sie also, diese selbstbewussten Schriftsteller, die zur Messe fahren und das mit dem Kontakteknüpfen proaktiv in Angriff nehmen. Ich bin ja mehr der Typ Mal-gucken-was-so-kommt. Lief aber auch ganz gut, ich hab Leute kennengelernt, nette Leute sogar, und in einem besonders lichten Moment jemanden gefragt, ob er nicht Bedarf für eine Redakteurin hätte. Hatte er nicht, aber hey, ich hab’s versucht. Außerdem wurde ich das erste Mal in meinem Leben nach meiner Visitenkarte gefragt (die ich natürlich in genau diesem Moment nicht dabei hatte) und zu später Freitagsstunde fiel mir aus heiterem Himmel eine fremde Verlagsmitarbeiterin um den Hals, um mir großen Ruhm zu versprechen. Hach, solche Momente sind für die Ewigkeit!

Nr. 4: Kontemplation

Es gehört ja zum guten Ton, über die Frankfurter Buchmesse zu lästern. Dieses Jahr eh, aber auch so generell, weil laut, voll und vor allem Business. Aber ich mag sie grundsätzlich echt gern, auch so aus reiner Besuchersicht.*** Klar ist es voll und sonntags hab ich gewisse Hallen dann doch gemieden (außer ich habe nach Tad Williams gesucht, s. u.), aber es gibt sie, die Orte, an denen man etwas herumsitzen oder -laufen und die gar nicht so üble Atmosphäre auf sich wirken lassen kann. Mein Top-Favorit war da dieses Jahr die teilweise sehr schön gestaltete und recht verwaiste asiatische Ecke. Einfach mal zwischen Regalreihen entlanglaufen, sich Bücher ansehen, bei denen man gar nicht checkt, worum es geht und über das Für und Wider der Ahnungslosigkeit philosophieren – eine sehr empfehlenswerte Methode der Entspannung für zwischendurch.
Außerdem gibt’s guten Tee.

peking

Ein Hauch von China auf der Buchmesse.

Nr. 5: Müdigkeit

Die hat’s mir so ein bisschen versaut dieses Jahr. Irgendwie gehört Müdigkeit ja dazu. Der gute Messe-Ton verlangt, dass du als Zombie durch die Gänge schleichst, diesen koffeinlüsternen Blick in den Augen, der jedem sagt, dass du ein Autor auf der Suche nach dem nächsten Kaffee bist. Denn schließlich musstest du die Nacht damit verbringen, künstlerisch über neuen Ideen zu brüten bzw. irgendwas Alkoholisches zu trinken, das dich zum nächsten Hemingway machen soll. Ein Unding, dass dann jemand von dir verlangt, in eine Halle voller Menschen zu gehen, die mit dir reden wollen und so einen Scheiß.****  Trotzdem darf diese Müdigkeit nie den Punkt überschreiten, an dem du es als reelle Möglichkeit ansiehst, dich auf den kuscheligen Teppichboden voller Chipsreste und Colaflecken zu legen und einfach noch zwei Stunden zu schlafen, ehe du voller Aktionismus und Tatendrang einen Verleger überfällst, um dein Buch an den Mann zu bringen.

Leider habe ich diesen goldenen Müdigkeitspunkt dieses Jahr überschritten. Vielleicht lag’s am Terminoverkill, vielleicht an den vorangegangenen zwangsläufig sehr schlafintensiven Monaten oder vielleicht hatte ich auch einfach einen schlechten Zeitpunkt erwischt. Seit Freitagnachmittag jedenfalls war meine stärkste Motivation die Aussicht auf das Hotelbett, in dem ich aber partout nicht einschlafen konnte, was auch eher ne neue Erfahrung war. *jammer* Und nja, das war doof, vor allem auf dem BuCon, auf den ich mich ewig gefreut hatte, und auf dem ich dann aber vieles nicht mitbekommen habe, was ich mitbekommen wollte. Es tut mir daher echt leid, wenn Koma-Alessandra etwas aufmerksamkeitsarm gewirkt haben sollte. Stellenweise kam ich mir vor wie R aus „Warm Bodies“ im verzweifelten Versuch, halbwegs menschlich rüberzukommen.

Nr. 6: Cosplay

Eigentlich wollte ich sonntags gar nicht mehr zur Messe, aber da ich ohnehin noch drei Stunden zu überbrücken hatte und es nur acht Versuche gebraucht hat, ein funktionierendes Schließfach am Frankfurter Hauptbahnhof zu finden, bin ich dann doch noch mal rüber. Hauptmotivation neben Tad Williams waren dafür die Cosplayer, die an den Fachbesuchertagen noch gar nicht anzutreffen gewesen waren.

„Willkommen in unserer Welt“, kommentierte ein Zack Fair hinter mir lakonisch, als ich aufs Außengelände trat und sie dort herumstanden: die Black-Butler-Ensembles vor Efeuwänden, die Cinderellas auf Treppenstufen, die Catwomen auf Brunnen und Brücken.  Vor zwei Jahren bin ich dort ja selbst noch als „Age of Wonders“-Julia herumstolziert, aber … joa. So schön ich es auch finde, dass andere das noch machen und die Cosplayer weiter auf der Buchmesse herumlaufen – hier bin ich irgendwie raus.

cosplayer

Dankbares Setting.

Erst beim Rückweg habe ich bemerkt, dass es wie auf der LBM nun auch in Frankfurt eine eigene Halle für die Cosplayer gibt. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen: Einerseits haben die Cosplayer so im wahrsten Sinne des Wortes mehr Raum, andererseits hat für mich gerade die nun spürbar zurückgegangene Durchmischung in den „normalen“ Hallen den Reiz des Cosplays auf den Buchmessen ausgemacht.

Nr. 7: Fangirlen / Tad Williams

Als ich gelesen habe, dass Tad Williams dieses Jahr zur Buchmesse kommen würde, hab ich mich vor mich gestellt und mir das Versprechen abgenommen, „Otherland“ einzupacken und mich brav in die Signierreihe zu stellen – ganz egal, wie lange diese sein würde! Ein hehres Ziel, das ich kurz danach wieder vergessen hatte. Erst beim müden Samstagsdurchscrollen von Twitter fiel mir auf – weia, Tad Williams befindet sich nur wenige Kilometer entfernt und HATTE ICH DIR NICHT DAS VERSPRECHEN ABGENOMMEN, DIR WAS VON IHM INS BUCH KRITZELN ZU LASSEN? Ja, sorry Vergangenheits-Alessandra, ich hatte es wie gesagt vergessen und im Koffer wäre auch kein Platz mehr für „Otherland“ gewesen.***** Am Sonntag um 14 Uhr sollte er noch mal signieren und ich dachte mir „joa, kannste dir ja wenigstens eine Serviette signieren lassen“, allerdings wollte ich um 14 Uhr schon auf halbem Wege nach Mainz sein. Erneute Planänderung: Einfach mal creepy an den Klett-Cotta-Stand stellen und gucken, ob ich ihn sehe. Stand dann also da rum und dann fiel mir ein, dass ich gar nicht wusste, wie Tad Williams aussieht. Vermutlich Glatze und Gut Hut oder lange Haare und Hut, denn das haben Fantasyautoren so an sich. Das Schicksal schickte netterweise zwei Blondinen, die neben mir standen und miteinander berieten, ob sie Tad Williams um ein Foto bitten könnten. Dabei wiesen sie auf einen Kerl mit Glatze und Hut, natürlich. Ich lief zweimal um den Stand, machte dabei ein verwackeltes Foto von Tad Williams und war zufrieden. Ein verwackeltes Foto aus der Ferne ist ja praktisch die persönliche Widmung der Soziophoben. Nur Nnedi Okorafor, die hab ich leider nicht mehr erwischt.

Nr. 8: Bedanken

Special thanks gehen an Fabienne für viele Worte, die Hotelbuchung, Entpanikisierung und die Erkenntnis, dass wir in Dreieich-Buchschlag umsteigen mussten. Außerdem an Hannah für die vielen Leute, mit denen sie mich bekannt gemacht hat. Anja fürs geteilte Leid. An die Vogts für die Rückfahrt zum Hotel und die Reservierung. An Schwester2 für lebensrettende McDonald’s-Pommes und das Winken zum richtigen Zeitpunkt. An meine Eltern dafür, dank Privattaxi noch ein Vorstellungsgespräch zwischen Messe und Messe möglich gemacht zu haben. An Nordsee für die tomatenfreien Angebote. Und an euch dafür, bis hierhin durchgehalten zu haben! Danke! *knutscht den Oscar*


*Wobei ich voller Stolz behaupten kann, diese Tradition bisher eher vom Hörensagen gekannt zu haben. Normalerweise kenne ich mich nach Cons eher als Endorphinkönigin zwischen einem Heer von Verkaterten, aber nö, dieses Jahr bin ich selbst bloß Fußsoldat. Ich wünsche mir die Endorphintradition zurück.
**Ist es nicht irgendwie schade, dass das Bild vom Briefe zerknüllenden Autoren zu einer Karikatur verkommen ist? Der Klick auf das X eines Dokuments ist einfach nicht theatralisch genug!
*** Jetzt mal unabhängig von gewissen politischen Vorfällen gesprochen.
**** Nicht dass wirklich jemand zur Messe käme, um mit mir zu reden, aber man muss sich sein Image ja schönreden.
*****An die Wälzer-Sympathisanten unter den Autoren: Wenn ihr Bücher signieren wollt und euch die Rücken eurer Leser nicht egal sind, fasst euch kurz, verdammt!

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