Septemberansichten 2017

… in denen wir uns mit phantastischen Veranstaltungen, dem Deutschen Phantastik Preis, dem Einfluss von „Harry Potter“, kroatischer Phantastik sowie kommenden Veranstaltungen beschäftigen.

Phantastika: Nur ambitioniert oder auch innovativ?

Wie im Augustbeitrag schon angespoilert, startete dieser Monat ambitioniert: Am ersten Septemberwochenende fand in Oberhausen erstmals die Phantastika statt, die sich durch medialen Facettenreichtum und Familienfreundlichkeit von anderen Veranstaltungen abheben wollte. Verantwortlich zeichnete sich dabei vor allem Mike Hillenbrand, der als Moderator viel Erfahrung auf diversen Cons und anderen Phantastik-Events sammeln durfte, auch sonst in der Szene relativ präsent ist und viel Aufwand in sein neuestes Projekt steckte. Selbst konnte ich mir das Ergebnis nicht ansehen, aber die Reaktionen sind geteilt. Während manche dem Festival einen soliden Start attestierten, störten sich andere an der Raumaufteilung, dem fehlenden Wasser für (einige der lesenden) Autoren, der Preispolitik, dem unzureichenden Angebot für Kinder oder dem mangelnden Facettenreichtum.

Im Netz kursieren eine Reihe von Erfahrungsberichten, allein zwei davon auf Teilzeithelden.de, die das gemischte Echo gut repräsentieren: Während Julia Weber den Wert der Phantastika für Literaturinteressierte herausstellte, bemängelte ihr Kollege Michael Fuchs das Angebot zu anderen Medienbereichen. Insofern nehme ich für mich aus den Berichten mit, dass die Phantastika ein weiterer solider Treffpunkt für die Literatur-Phantastikszene war – an einem Alleinstellungsmerkmal aber fehlt es anscheinend noch.

Der „neue“ DPP:
Verdiente Preisträger und sinnlose Kategorienaufteilungen

Die meiste Aufmerksamkeit bekam die Phantastika aber ohnehin nicht wegen seiner angepriesenen Familienfreundlichkeit oder dem Facettenreichtum. Hauptthema im Vorfeld war vielmehr der Umzug des Deutschen Phantastik Preises von BuCon zu Phantastika. In einer offenbar ziemlich langen Gala Abendveranstaltung wurde der erstmals dotierte Preis in nunmehr zehn Kategorien vergeben. Zu den diesjährigen Preisträgern gehörten u. a. Kai Meyer mit „Die Seiten der Welt: Blutbuch“ (Bester Deutscher Roman), Nicole Gozdek mit „Die Magie der Namen“ (Bestes Deutschsprachige Debüt), Andreas Eschbach mit „Acapulco! Acapulco!“ (Beste Deutschsprachige Kurzgeschichte) oder Markus May, R. Baumgartner, Michael Baumann und Tobias Eder mit „Die Welt von „Game of Thrones““ (Bestes Sekundärwerk).

In der Kategorie „Bester Internationaler Roman“ hat sich Mirjam H. Hüberli mit „Rebell: Gläserner Zorn“ gegen Konkurrenten wie Cassandra Clare oder Stephen King durchgesetzt. Das hat offenbar zu einiger Kritik geführt, aber ganz ehrlich: Ich find’s super und freue mich für Mirjam. Dagegen finde ich es absolut lächerlich, dass der DPP österreichische und Schweizer Autoren von der Kategorie „Bester Deutscher Roman“ ausschließt, womit sie zwangsläufig in Konkurrenz zu Namen treten, gegen die ihnen ein Erfolg immer übel genommen würde. In den anderen Kategorien wird auch keine nationale, sondern eine sprachliche Trennung vorgenommen, warum also hier? Der DPP möchte ernster genommen werden, separate Tickets, Gala-Versuch und Dotierung machen das deutlich. Noch schöner wäre es aber, die nationale Trennung in der Hauptkategorie zu vermeiden – dagegen böte sich eine Trennung in Novellen und Kurzgeschichten durchaus an.

Harry, der Junge, der den Zeitgeist brachte

Genug aber von Veranstaltungen, widmen wir uns stattdessen den Büchern. Eine schöne Gegenüberstellung des Leseerlebnisses von „Der Herr der Ringe“ gegenüber dem von „Harry Potter“ kam in diesem Monat von Literaturjunkie. Auch wenn „Harry Potter“ seinen Platz längst gefunden hat, wird man ja von geneigten Kennern der Phantastik immer noch mit einer erhobenen Augenbraue angeschaut, wenn man zugibt, „Harry Potter“ zu bevorzugen. Aber nun, ich bin da ganz beim Literaturjunkie, und das nicht nur, weil mein Tolkien-Favorit ohnehin „Das Silmarillion“ ist. „Harry Potter“ ist eine Form von zeitgeistigem Zeitgeist (woah, Heidegger kann einpacken!). Negativ ausgedrückt könnte man auch von Hype sprechen und in dieser Form geht einem der Potter-Zeitgeist dann schon wieder auf die Nerven. Außerdem, klar, würde es „Harry Potter“ ohne „Der Herr der Ringe“ nicht geben. Aber „Harry Potter“ hat für mich damals eine neue Zeit eingeleitet – eine, in der man sich mit seinen Mitschülern anfing, über Bücher zu unterhalten* und in der Phantastik, Cosplay und dieser ganze Geekdom langsam zu etwas wurden, dem man sich nicht mehr im stillen Kämmerlein zu widmen brauchte. Allein das gibt „Harry Potter“ aus meiner Sicht schon einen besonderen Platz, den „Der Herr der Ringe“ nicht erreichen kann.**

Jugendfantasy

Nur einige der Bücher, deren Diskurs „Harry Potter“
auf den Schulhof brachte (siehe *)

Warum bekommen wir keine Schinkensandwiches?

Den Einfluss, den die Verfilmungen beider Reihen sowie „Harry Potter“ generell auf die Fantasyliteratur in Deutschland genommen haben, war auch eines der zentralen Themen in der roundtable discussion zwischen Diana Menschig, Kai Meyer und Oliver Plaschka zum Stand der deutschen Phantastik in der Mithila Review. Zu der habe ich bereits hier ein paar Worte verloren.

Und um international zu bleiben: Einen Einstieg in die kroatische Phantastik bot uns in diesem Monat Milena Benini auf Futurefire. In Kroatien bekommt man als Award also ein Schinkensandwich – und der DPP denkt, er könne mit 500 Euro was reißen … Weil uns das an Kuriositäten noch nicht reicht, weisen wir zudem noch darauf hin, dass Meister Yoda für die UNO und die saudi-arabische Geschichte offenbar von großer Bedeutung ist.

Ansonsten gibt es Gerüchte über das Ende eines Kleinverlags, in den ich eigentlich große Hoffnungen gesteckt hatte. Aber richtig offiziell ist das Ganze wohl noch nicht, daher halten wir uns mal zurück, mehr als ominöse Ankündigungen in die Netzwelt hinauszuposaunen.

Meet me at BuCon!

Damit verabschieden wir uns in den Oktober, der u. a. mit der Frankfurter Buchmesse, der Bonner Buchmesse, der Kitty Moan Con und natürlich dem BuCon noch einmal die volle Event-Breitseite bietet. Ach ja, mich kann man freitags auf der Buchmesse antreffen oder samstags auf dem BuCon – um 18 Uhr stelle ich mit anderen Teammitgliedern die Reihe „D9E – Die neunte Expansion“ aus dem Wurdack-Verlag vor. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich da zum Team gehöre und Anfang nächsten Jahres ein Band in Heftromanlänge von mir zur Reihe erscheinen wird? Falls nicht: Ich gehöre zum Team von „D9E – Die neunte Expansion“ und Anfang nächsten Jahres erscheint dort ein Band von mir! Nähere Infos gibt’s dann im Panel.


*Wobei der Hype zu meiner Schulzeit noch gar nicht so groß war wie jetzt, wo offenbar jeder einen Zauberstab, einen Haus-Schal und ein Pottermore-Profil besitzt. Es war mehr das Aufkommen eines allgemeinen Interesses an Jugendfantasy, in dessen Zuge dann auch Bücher wie „Der Goldene Kompass“, „Stravaganza“, „Die Fließende Königin“ oder eben die „Bis(s)“-Reihe zu Schulhofklassikern wurden.
**Dafür hat „Der Herr der Ringe“ diesen Platz gewissermaßen intrafamiliär inne.

 

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