Top 7: Comic-Realverfilmungen

„Valerian“ ist im Kino angelaufen, die San Diego Comic-Con spült jede Menge Marvel- und DC-Trailer ins Netz, Spidy rebootet sich erneut und überhaupt kann man sich kaum mehr retten vor lauter Comicverfilmungen. Auch wenn man dabei den Eindruck bekommt, der Trend sei langsam, aber sicher ausgereizt – solange die Cinematic Universes laufen, ist in Film und Serie kein Ende in Sicht. Und danach wird eben wieder ein Reboot produziert.

Höchste Zeit jedenfalls, zur Abwechslung zu einer Film-Top 7 zu greifen und meine liebsten Comic-Realverfilmungen vorzustellen:

1) „The Crow – Die Krähe“ von Alex Proyas

Die Sache mit den übersetzen Filmtiteln, die gemeinsam mit den Originalnamen verwendet werden, raffe ich wohl nie so ganz … Aber in diesem Falle sorgt die Dopplung wenigstens dafür, dass man den Titel schön episch aussprechen kann. Ihr wisst schon – „The Crowwww – DIE KrÄhe“. Okay, als Podcast würde das besser funktionieren.

Wie auch immer. Ich habe etwas mit mir gerungen, diesen Film um einen rachsüchtigen, aber doch ziemlich sympathischen Wiedergänger auf Platz 1 zu setzen, aber er muss dort schon aus nostalgischen Gründen stehen. Als ich so 15, 16 Jahre alt war, hatte ich eine Schulfreundin, mit der mich hobbymäßig eigentlich nicht allzu viel verband – außer der Liebe zu „The Crow“. Geht man nach der FSK, waren wir noch zu jung für den Film, aber sie war auf irgendwelchen Wegen an die DVD gelangt und wir haben diesen herrlich düster-melancholischen Film jedes Mal geguckt, wenn ich bei ihr war.

Was „The Crow“ damals ausgemacht hat, war natürlich nicht nur der Film selbst – auch wenn der durchaus sehenswert ist. Aber er gehört zu diesen Werken, die eine eigene Aura erschaffen haben, oder eine Atmosphäre, die weit über ihn selbst hinausreicht. In der Gothic-Szene besitzt er dank Thema und Look sowieso Kult-Status, aber auch darüber hinaus haben einzelne Schlüsselszenen, der Soundtrack und wahrscheinlich auch Brendan Lees tragischer Unfalltod am Set den Film in die Liga der Zeitlosen erhoben. Wobei ich mich frage, ob ich den Film heute noch genauso faszinierend fände wie als Teenager.*

2) Die „Dark Knight“-Trilogie von Christopher Nolan

Für mich war Val Kilmer ja lange der einzig wahre Batman. Bevor ihr jetzt aber die Mistgabeln herausholt, lasst mich vorher noch ein zweites Geständnis machen: „Batman Begins“ ist toll, „The Dark Knight“ ist super – aber mein Lieblingsfilm dieser Trilogie ist „The Dark Knight Rises“. Trotz der komischen Bein-über-Motorrad-Szene von Anne Hathaway.

Wäre das geklärt. Was gibt es sonst noch zu sagen? Der Soundtrack klingt immer gleich, ist aber ganz geil. Dass Katie Holmes durch Maggie Gyllenhaal ersetzt wurde, hat mich erstaunlich wenig gestört. Als ich in „The Dark Knight“ war, musste ich wegen eines neurologischen Tests die ganze Nacht durchmachen und habe an der Kinokasse einen Batman-Comic geschenkt bekommen. Christian Bale ist inzwischen der einzig wahre Batman und wehe, jemand erwähnt den Batfleck.

3) „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ von Edgar Wright

Scott Pilgrim würde gerne mit Ramona Flowers ausgehen. Doch dafür muss er zunächst ihre sieben teuflischen Exfreunde besiegen. So bescheuert wie die Handlung ist dieser ganze astrein postmoderne Film, aber ER MACHT SO VERDAMMT VIEL SPASS! Im Grunde besteht er aus einer Aneinanderreihung popkultureller Zitate, wobei er die Grenzen des Mediums Film so sehr ausreizt, dass es nicht bei allen Zuschauern auf Liebe stößt. Anyway, ich find’s super. Allerdings gefällt mir das alternative Ende, in dem [SPOILER!] Scott am Ende doch lieber was mit Knives anfängt und Ramona in ihre Dimensionen zurückkehrt, besser als das tatsächliche.

4) Die „X-Men“-Reihe

Als der erste „X-Men“-Film in die Kinos kam, hat er mich trotz Anna Paquin null interessiert. Den Titel fand ich richtig doof, mit Mutanten konnte ich nichts anfangen und warum hat der Kerl mit der komischen Frisur überhaupt Metallkrallen? Irgendwann hat mich meine ältere Schwester aber doch dazu überredet, ihn mit mir zu gucken und … joa. Seitdem ist „X-Men“ meine Lieblings-Filmreihe aus dem Marvel-Universum, wobei es mir vor allem die Geschichte um Wolverine und Rogue angetan hatte.

Natürlich gibt es einige nicht so tolle Filme in der Reihe – „Der letzte Widerstand“ hätte besser als Sammelkartenspiel funktioniert**,  „X-Men Origins: Wolverine“ war … eher durchschnittlich und wer „Apocalypse“ kritisieren möchte, muss sich nur mal Psylockes Outfit ansehen. Auch „Zukunft ist Vergangenheit“ hatte seine Schwächen, aber allein schon das Zusammentreffen zwischen alter und neuer Generation ist purer Fanservice.

Überhaupt hat die Reihe auch außerhalb von Rogue und Wolverine einige Glanzmomente, die mit dafür verantwortlich sind, dass ich mir die Filme teils zehn Mal angesehen habe. Da wäre die Bromance zwischen Youngster-Magneto und -Xavier. Oder die Nicht-so-ganz-Bromance von Oldie-Magneto und -Xavier. Quiksilver. Blinks Optik.*** Die Tatsache, dass ein Reboot trotz einiger Unfeinheiten ganz gut geglückt ist und vor allem die Verbindung zur „alten“ Trilogie hinbekommen hat. Und nicht zuletzt auch der sozialkritische Unterton, der Anfang der 2000er noch längst nicht selbstverständlich war.****

5) „Hellboy: Die Goldene Armee“ von Guillermo del Toro

Kann man das überhaupt noch als Comicverfilmung gelten lassen oder ist das schon eigenständige Fantasy? So oder so, dieser Film um den roten Teufel, der sich mit zerstörerischen Feen und Elfen abgeben muss, hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann: liebenswerte Figuren, eine solide Handlung, genug Drama und Humor, eine märchenhafte Optik und jede Menge liebenswerte Details. Auch so ein Film, den ich mir inklusive Making-Off immer wieder ansehen kann. Schade, dass die Filmtrilogie kein Ende findet. (Ich weiß, da wird es auch ein Reboot geben, aber das ist nicht dasselbe. Ich mochte die alte Besetzung, ich mochte del Toros Look und auch, dass sich der zweite Film von den Comics entfernt hat.*****)

Empfehlenswert ist übrigens auch der von Robert Greenberger verfasste Roman zum Film, hierzulande erschienen bei Cross Cult. Wie man einem beigefügten Interview entnehmen kann, konnte Greenberger den Film selbst nicht sehen, ehe er das Buch geschrieben hat, wodurch gelegentlich ein Bruch zu den bekannten Bildern entsteht. Dafür bekommen aber einige der Nebenfiguren, die Elfenzwillinge Nuada und Nuala etwa, mehr Raum.

6) „Ghost World“ von Terry Zwigoff

Im Allgemeinen macht es mir nicht viel aus, keinen Fernseher mehr zu haben. Aber das nächtliche Zappen durch die Sommernachtsfilme der Öffentlich-rechtlichen vermisse ich schon ein wenig. Auf diese Art habe ich nämlich nicht nur „The Fountain“ und „The Fall“ kennengelernt, sondern auch „Ghost World“, einen anfangs humorvollen, später traurig stimmenden Coming-of-Age-Film nach einem Comic von Daniel Clowes. Die Handlung dreht sich um die junge Enid, die ebenso idealistisch wie rücksichtlos bei dem Versuch vorgeht, stets maximal unkonventionell zu sein. Gespielt wird Enid von Thora Birch, früher ohnehin eine meiner Lieblingsschauspielerinnen (nein, nicht wegen „Dungeons & Dragons“ …), ehe sie in der Versenkung verschwunden ist.

„Ghost World“ ist ein sehr ruhiger, unaufgeregter und auch etwas unangenehmer Film. Sollte man sich mal (wieder) ansehen.

7) „Death Note“ von Shusuke Kaneko

Tja, wieder einmal das Rangeln um Platz 7. Wer sollte es werden, mein guilty pleasure „300“ oder doch mein nicht ganz so-guilty pleasure „Watchmen“? Weder noch, das Rennen hat die japanische Realverfilmung von „Death Note“ gemacht.

Dass man es mit einer Realverfilmung eines ikonischen Mangas eigentlich nur falsch machen kann, haben schon viele festgestellt – zuletzt etwa Rupert Sanders mit „Ghost in the Shell“, und die angekündigte Netflix-Realverfilmung von „Death Note“ wird bisher ebenfalls eher skeptisch betrachtet.****** Auch die japanische Verfilmung, obgleich recht erfolgreich und drei Fortsetzungen bzw. Spin-offs nach sich ziehend, musste sich einiges anhören lassen. Viel zu viele Änderungen! Misa sieht komisch aus! Und überhaupt, was ist das denn für eine Besetzung?!

death note

Aber ganz ehrlich: Der Film ist deutlich besser als sein Ruf. Natürlich gibt es viele Änderungen gegenüber Manga und Anime. Aber wie sonst sollte ein knapp 130 Minuten laufender Film (ok, 270 bzw. 410, wenn man die beiden Sequels dazu rechnet) denn einem Mammutwerk wie „Death Note“ gerecht werden? Natürlich lässt sich darüber streiten, ob das Material überhaupt fürs Medium Film geeignet ist. Aber ich denke, dass die dafür notwendigen Änderungen genau an den richtigen Stelle vorgenommen wurden. Hauptfigur Light, der jeden Menschen töten kann, indem er dessen Namen in ein Notizbuch schreibt, durchläuft in Manga und Serie eine langsame Entwicklung. Im Film wird diese durch die neu eingeführte Figur Shiori Akino beschleunigt, ohne dass die Glaubwürdigkeit dabei verloren ginge. Außerdem ist vor allem „L“ mit Kenichi Matsuyama großartig besetzt worden. Was mich mehr gestört hat, war die Darstellung der Frauenfiguren in dem Film. Vielleicht fehlt mir hier die Routine mit japanischen Filmen …

So weit zu meiner Top 7. Wie immer die Frage – wie sieht es bei euch aus? Welchen Klassiker habe ich grob fahrlässig übersehen, was sind eure Tops oder welche Geheimtipps vermisst ihr hier schmerzlich?

P. S.: Manchmal merkt man ja gar nicht, was alles eine Comicverfilmung ist. Hinterher habe ich z. B. festgestellt, dass auch „Immer Drama um Tamara“ in diese Kategorie fällt. Hätte ich das vorher gewusst, hätte er es mit Sicherheit auch in die Liste geschafft.


*Ja, das sollte sich herausfinden lassen. Patrick, wenn du das hier liest – lass mal „The Crow“ gucken!
** Obwohl ich den Film nicht so schlecht fand wie manch anderer. Jean Grey war endlich mal interessant.
*** Bin ich oberflächlich?
**** An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich zu „Logan“ nichts sagen kann, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Ja, kommt gleich nach „The Crow“ dran.
***** Obwohl ich die Comics durchaus auch mag, aber manchmal ist es doch besser, sich nur lose daran zu orientieren.
****** Nach dem ersten „richtigen“ Trailer bin ich allerdings auch hier etwas positiver gestimmt. Es sieht aus, als orientiere sich Netflix noch loser an der Vorlage als die japanische Version. Ich schätze, nachdem sie schon das Setting geändert haben, tun sie sich damit nur einen Gefallen.

Allgemein Fangirlmodus Top7

6 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Meine Top 7:

    1. Ghostworld
    2. American Splendor (mit Paul Giamatti nach den autobiografischen Comics von Harvey Pekar
    3. Lone Wolf and Cub (bei uns auch als Okami bekannt, insgesamt sechs grandios durchgeknallte Samuraifilme aus den 70er zur Mangareihe)
    4. Spider-Man 1 und 2 von Sam Raimi
    5. Die ersten beiden Batman-Filme von Nolan, der dritte hat mir nicht gefallen, weil da nichts zusammenpasst.
    6. The Crow (wegen der tollen melancholischen Atmosphäre)
    7. Legion (ist zwar eine Serie, dafür aber die genialste und kunstvollste Superheldenverfilmung wo gibt, für mich das Maß aller Dinge, spielt übrigens im X-Men-Universum

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    • Echt, die beiden ersten Spiderman-Filme? Der Erste hat bei mir einen gewissen Nostalgie-Status, weil es die erste Comicverfilmung war, die ich bewusst als solche gesehen habe. Aber insgesamt kann ich mit dem Spinnenmann nicht viel anfangen …

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  2. Ich habe ja keine wirklich innige Beziehung zum Comic als künstlerischem Medium {hat sich einfach nie ergeben}, und ob man alle Filme auf der folgenden Liste als „Adaptionen“ bezeichnen kann, ließe sich gleichfalls diskutieren. Trotzdem {in willkürlicher Reihenfolge}:

    1. Batman Returns (1992)
    2. Superman (1978)
    3. The Rocketeer (1991)
    4.Hellboy (2004)
    5. Creepshow (1982)
    6. Barbarella (1968)
    7. The Vault of Horror (1972)

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