Juniansichten 2017

Was euch erwartet: Es wurden Preise vergeben und angekündigt, Menschen gingen auf Cons und andere Events, Harry Potter hatte Geburtstag, YA repräsentiert seine Zielgruppe nur unzureichend und aus Büchern werden manchmal Videospiele.
(Ja, ich probiere mich an einer neuen Struktur. Mal wieder. Heute außerdem mit massentauglichen Buchtiteln anstelle kreativer Zwischenüberschriften.)

Der Con der vielen Namen

Ich habe das Gefühl, im Juni viel Zeit damit verbracht zu haben, bei Twitter zu verfolgen, wie Menschen auf Cons und Co. herumgelaufen sind. Auf dem EuroCon beispielsweise, in diesem Jahr auch als U-Con oder DortCon oder SFCD-Con bekannt. Ich glaube, DortCon ist der inoffiziell offizielle Name, der Rest sind eher so Ehrentitel. Oder so. Keine Ahnung, klärt mich jemand auf? Jedenfalls fand in Dortmund dieser Con statt und dort wurde auch der Deutsche Science Fiction Preis (DSFP) vergeben. In diesem Jahr wurden Michael K. Iwoleit für seine Kurzgeschichte „Das Netz der Geächteten“ und Dirk van den Boom für den Roman „Principat“ ausgezeichnet. Die Reaktion auf Letzteres waren in etwa so wie 2016, als Leonardo DiCaprio endlich den Oscar bekam. Schade nur, dass in der Phantastikszene eine weniger ausgeprägte Meme-Tradition herrscht.

Das Camp der vielen Tweets

Kaum waren die etwas gesetzteren EuroCon-Tweets verschwunden, ging es mit dem LitCamp Heidelberg los. Okay, so gefühlt ging es damit schon vor Monaten los, aber nun kam der Punkt, an dem das PAN-Branchentreffen ehrliche Konkurrenz in Sachen Twitter-phantastisch-Zuspammen bekam. Ich weiß nicht, wie Phantastik-lastig das Camp letztlich war, aber es gab auf jeden Fall ein Einhorn am Eingang.*

Das Empowerment der Phantasten (?)

Preise verliehen wurden dort nicht (nur Ehren-Tassen), aber im Oktober wird der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels vergeben. (Woah, was eine geniale Überleitung!) An dieser Stelle relevant ist das deshalb, weil im Juni bekanntgegeben wurde, dass ihn in diesem Jahr Margaret Atwood erhalten soll. Da die Gute auch Science-Fiction- und Endzeit-Romane zu ihrem Repertoire zählt, ist das in etwa so, wie als Bob Dylan den Literatur-Nobelpreis bekam. Ja gut, ich lass das mit den halbgaren Vergleichen jetzt bleiben.

Die Auszeichnungen des Locus

Weniger Überraschungen boten die Ankündigungen der Locus-Gewinner. Zu denen zählen etwa Cixin Liu in der SF-Kategorie, Charlie Jane Anders in Sachen Fantasy, Alastair Reynolds bei den Jugendromanen und Yoon Ha Lee fürs beste Debüt. Ich erwähne das vor allem, um dieses Meme noch einmal herausholen zu können (wenn es schon keins zu Dirk van den Boom gibt):

locus

Die Vorzüge der Comic-Ausstellung

Okay, jetzt aber wieder professionell: Ich saß im Juni nicht nur herum und habe Tweets gelesen. Stattdessen habe ich beispielsweise die Comic-Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle besucht** und für gut gefunden. Klar, sie geht nicht so in die Tiefe wie die zu Métal Hurlant, die bis Anfang des Monats in der Bovarie in Lüttich gezeigt wurde – das ist aber nur verständlich, wenn man bedenkt, dass sich die Bundeskunsthalle mit ihrer Ausstellung an einem historischen Überblick über das gesamte Medium versucht und dabei auch noch mehrere Kontinente bedacht hat. Eben diesen Überblick hat man im Anschluss an den Besuch auch, wer mag kann außerdem ein paar VR-Erfahrungen machen oder sich einen der zahlreichen ausliegenden Comics nehmen (Garfield! <3) und auf den Sitzkissen verweilen. Dass es zur Not auch tiefer geht, hat die Bundeskunsthalle bereits 2011/2012 mit der Ausstellung „Anime! High Art – Pop Culture“ bewiesen.

Der Geburtstag des Zauberschülers

Ein weiteres wichtiges Quasi-Event war im Juni der Buch-Geburtstag von „Harry Potter“. Am 26. Juni 1997 erbarmte sich Bloomsbury seinerzeit, den ersten Band  der nicht ganz unbekannten Reihe zu veröffentlichen – wie sich das für eine ordentliche Legende gehört zunächst noch in Kleinauflage. Nun, 20 Jahre später, wurden ein paar mehr Bücher verkauft und auf Bento, Tor Online und Tausend anderen Webseiten berichten die Leute in den letzten Tagen über ihre Potter-Erfahrungen oder teilen neue Haus-Psychotests.***

Mir war Harry Potter in den ersten Jahren viel zu erfolgreich. Etwas lesen, das alle mögen? Bitte, doch nicht mehr mit 10! Mit 12 ging mir im Spanien-Urlaub allerdings das Lesefutter aus und so griff ich doch widerwillig nach dem ersten Band, den sich eigentlich mein Vater mitgenommen hatte. Nun, er hat ihn die nächsten 24 Stunden nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ich hatte einen Leseflash und hab das Buch einfach in einem durchgelesen, ebenso wie Band 2 und 3. Danach hatte ich erstmal kein Geld mehr, denn verdammt, wisst ihr wie teuer die Bücher waren??! Daher lernte ich, mit Band 4 und 5 etwas mehr zu haushalten, da habe ich also schon 48 Stunden gebraucht. Waren ja auch umfangreicher, diese Teile. Ihr seht: Das Potter-Fieber hatte mich auch mich befallen und vom Kartenspiel über Notiz-, Postkarten- und Posterbücher bis hin zur VHS des zweiten Films waren ich und alle, die mir in dieser Zeit etwas geschenkt haben, ein dankbarer Abnehmer für jegliche Marketingprodukte.

sweets

Auch die Süßigkeiten aus „Harry Potter“ konnten überzeugen.

Mit Band 7 war für mich allerdings etwas die Luft raus. Ich erinnere mich noch, wie ich das Buch im Rewe gekauft habe (ja … sorry …) und auf dem Heimweg dachte: „Hey Alessandra, du hältst den allerletzten Band in den Händen. Wo ist die Aufregung?“ Diese ganz große Euphorie war nicht mehr da und anfangs mochte ich Band 7 auch nicht besonders – das kam erst beim zweiten Lesen. Aber: Es gab dieses zweite Lesen. Und das dritte, vierte, fünfte Lesen. Manche „Harry Potter“-Bände – vor allem den vierten, auch wenn der dritte mein liebster ist – habe ich sicher zehn Mal durchgeackert. Wenn ich überlege, was meine Lieblingsbücher sind, denke ich eigentlich nicht als Erstes an „Harry Potter“. Aber die Reihe ist etwas Zeitloses, was ich immer wieder lesen kann und die mich durch viele Stationen begleitet hat. Davon abgesehen finde ich es faszinierend, wie generationenübergreifend die Reihe begeistert. So kenne ich das sonst nur von „Star Wars“. Vielleicht ist „Harry Potter“ insofern der wahre „Star Wars“Erbe der 2000er.

Die Leiden des YA-lesenden Teenagers

Wenn wir aber bei YA-Literatur sind****, sei ausnahmsweise auch die Huffington Post verlinkt, da hier ein launiger Artikel darüber erschienen ist, was mit Teenagern in der YA falsch läuft. Ich kann die Verfasserin gut verstehen – eigentlich mochte ich viele YA-Fantasyromane auch erst so richtig, als ich nicht mehr unter „Teenager“ fiel. Gerade diese Unterteilung in „coole“ und „normale“ Teenies wird oft auf eine absurde Spitze getrieben. Meine Güte, ich war mit 16 auch ein Goth mit Nieten und schwarzen Haaren, aber Freunde hatte ich trotzdem. Manche von denen haben sogar „Busted“ gehört und wir haben uns dennoch gut verstanden!***** Und dieses Liebes-Geplänkel … ach, reden wir besser nicht davon. Dennoch: Aus Autorensicht würde ich sagen, dass auch Stereotype ihre Daseinsberechtigung haben. Sie vermitteln eine Symbolik, die die Handlung dynamisch macht. Außerdem gibt es natürlich auch jede Menge Titel, bei denen ich mich auch als Teenager äh, verstanden gefühlt habe. „Mara und der Feuerbringer“ beispielsweise******, oder die Tiffany Weh-Bände.

Die Videospieladaptionen von Büchern

Abschließend noch eine Leseempfehlung, die gar nicht groß kommentiert werden braucht: In zwei Artikeln (Teil 1, Teil 2) ging Guddy auf Fried Phoenix auf einige Beispiele von Videospiel-Adaptionen zu Romanen ein. Im PAN/Mephisto-Sonderheft hatten wir das Thema auch, hier ist es nun noch einmal etwas ausführlicher und internationaler aufbereitet.

Ehe es längenmäßig völlig eskaliert, belassen wir es diesen Monat dabei. Ich wünsche euch einen schönen Juli.

 


*Gut, geht man danach, ist derzeit natürlich jeder Drogeriemarkt ein Phantastik-Event.
**Dabei habe ich es zufälligerweise genau an dem Tag dorthin geschafft, an dem der Eintritt kostenlos war.  Von diesem Glück werde ich noch meinen Kindeskindern erzählen!
*** 63 % Ravenclaw.
**** Ich weiß, ich weiß, ich habe „Harry Potter“ gerade selbst als All Ager definiert. Aber … kommt schon … die Grenzen sind da fließend.
***** Im Artikel wird sich an der Einteilung in „goth“ und Co. gestört. Ich schätze, das ist da eher als Attribut denn als Szenemerkmal genannt, denn sonst wüsste ich nicht, wo das Problem liegt.
****** Ich weiß, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem die Sternchen unübersichtlich werden. Aber das muss noch erwähnt werden: In der Filmversion hat mir dieser repräsentative Aspekt an Mara leider völlig gefehlt. Da hat sie mich einfach nur genervt, was halt schon echt … schade war.

 

Allgemein Monatsansichten Phantastik

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