Buch, Benutzung und Beeinflussung (#buchpassion)

logo-buchpassion[Der nachfolgende Beitrag ist Teil der Aktion „Buchpassion“ der Bloggerin Janine von Kapri-zioes.de, die vom 9. bis 11. September 2016 stattfindet. Es geht dabei darum, ein „Bekenntnis“ zum Medium Buch zu verfassen. Teil dessen ist auch ein Twitter-Lesemarathon. Alle Informationen sowie die Teilnehmerliste findet ihr hier.]

In den letzten Jahren hat meine Begeisterung für Bücher – insbesondere für Romane – ein wenig abgenommen. Ja, das klingt komisch, ist aber so. Nicht, dass ich es nicht immer noch schätzen würde, mich von den Werken in alternative Realitäten hineinziehen zu lassen, Neues zu entdecken und die Cover zu befühlen.* Wenn mich etwas überzeugt, komme ich auch weiterhin gerne ins Schwärmen. Aber der Drang danach, täglich einen Roman in die Hand zu nehmen, die Lieblingsstellen zu markieren und hinterher gleich noch eine Fanfiction zu erdenken,** hat nachgelassen.

Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Vielleicht hängt es mit der Professionalisierung meines eigenen Schreibens zusammen, das mich in jedem Buch nicht mehr nur Handlungen, Figuren und Botschaften sehen lässt, sondern auch Strukturen, Lektoratsanmerkungen und Zielgruppenanpassungen. Vielleicht ist es auch einfacher, nach einem fokussierten Arbeitsalltag eine Serie anzuschauen, die weniger kreative Eigenleistung fordert. Vielleicht habe ich es auch eine Weile einfach übertrieben mit dem Lesen.

Jedenfalls habe ich mich gefragt, was unter diesen Vorzeichen überhaupt noch ein Grund ist, weshalb ich Bücher weiterhin als mein konsumiertes „Hauptmedium“ begreife. Eine Zugfahrt später bin ich zu drei Hauptantworten gelangt:

  1. Bücher benutze ich***

    Ich habe schon erwähnt, dass die Haptik für mich einen Teil des Bucherlebnisses ausmacht. Das greift aber zu kurz. CDs beispielsweise müssten dem nicht nachstehen. Aber – in Booklets kritzel ich nicht rein. Bei Büchern, vor allem den guten, die mich nicht sofort wieder loslassen, kommt das dagegen durchaus vor. Je schlimmer eines meiner Bücher aussieht, desto mehr habe ich mich damit offenbar auseinandergesetzt. Nicht nur in Form von Notizen, sondern auch in solcher von Flecken, angerissenen Seiten und *seufz* schiefen Buchrücken.**** Bücher sind für mich nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Benutzen, zum Auseinandersetzen – und zum Entdecken da. Wenn ich nach etwas Bestimmtem suche, greife ich meistens zunächst aufs Internet zurück. Wenn ich nach etwas Unbestimmtem suche, nehme ich mir meine Lexika oder Artbooks vor. Und irgendwann finde ich.

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    Hier traf es „Fairwater“ von Oliver Plaschka
  2. Bücher verstehe ich

    Mag sein, dass mit dem eigenen Veröffentlichen meine Fähigkeit zur reinen Kontemplation verloren gegangen ist. Angenehmer Nebeneffekt ist aber, dass ich Bücher gerade deshalb zu verstehen glaube (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel).

    Musik kann mich beeinflussen, aber ich weiß nicht, wie sie es technisch vollbringt. Kunstwerke können mich träumen lassen, aber ich kenne mich meistens nicht mit ihren Hintergründen aus. Filme oder Videospiele können mich beeindrucken, aber ich verstehe nichts von ihrem Handwerk.

    Bei Büchern ist das anders. Manchmal ist das ernüchternd, weil es entzaubert. Manchmal macht es aber auch das Erlebnis umso faszinierender.

  3. Bücher beeinflussen mich

    Für mich der wichtigste Punkt. Ich habe nicht angefangen, selber Videos zu drehen oder Videospiele zu programmieren. Ich habe nie versucht, mehr aus meinen Basis-Keyboardkenntnissen zu machen. Ich verdiene mein Geld weder mit Malen noch mit Fotografieren.***** Ich verdiene es mit verschiedenen Arten des Schreibens. Zeigt nicht das schon, dass mich die Literatur und ihre Verwandten offenbar beeinflusst haben?

    Es gibt auch Lieder, für die das gilt und bestimmte Filme oder Gemälde. Aber es sind vor allem Bücher (und Zeitschriftenartikel) gewesen, die mich zu Wendepunkten und Entscheidungen gebracht haben. Das beste Beispiel dafür ist „Der Sohn der Sidhe“ von Kenneth C. Flint. Ohne dieses Buch hätte ich womöglich nie angefangen, mich näher mit Mythologien, vorchristlichen Kulturen und Phantastik zu beschäftigen. Also hätte ich wahrscheinlich nie meine Romane veröffentlicht, hätte etwas anders studiert, würde heute woanders wohnen und einen anderen Beruf ausüben.******

    Bücher haben für mich Identität gestiftet. Und nicht zuletzt auch Trost. „Can a song save your life?“ fragt ein Film mit Keira Knightley. Ich weiß nicht, welche Antwort er gibt, aber ich denke, für Bücher gilt das bei mir schon.

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Was meint ihr, wie es „Der Sohn der Sidhe“ von Kenneth C. Flint erst innen ergangen ist?

Natürlich gäbe es auch noch andere Aspekte zu bedenken: Nostalgie vielleicht, Erinnerungen und Erfahrungen. Davon abgesehen gibt es auch noch die Schreibperspektive, zu der ich aber schon hier etwas geschrieben habe. Aber ich glaube, ich bin auf dem besten Wege, etwas zu überanalysieren, was ich einfach genießen sollte.


* Ja, ich bin da irgendwie haptisch veranlagt, was leider meinem Versuch, weniger Dinge anzusammeln, nicht sehr zuträglich ist.
** Aufgeschrieben habe ich sie äußerst selten, insgesamt nur zweimal – dreimal, wenn man „Age of Wonders“ dazuzählt.
*** Nicht dein Ernst, dass du meinst, das klänge unanständig?!
**** Schiefe buchrücken kann ich eigentlich gar nicht leiden. Ecken, Flecken, Anmerkungen? Dein Ding. Aber schiefe Buchrücken sind furchtbar. Leider bekomme ich ausgeliehene Exemplare meistens mit zurück und inzwichen denke ich mir – na ja, Bücher sind dazu da, gebraucht zu werden. (Man kann sie aber auch so lesen, dass sie gerade bleiben.)
***** Auch wenn mich das reizen würde. Aber ich weiß, wo meine Talente liegen – und wo nicht.
****** Einige Stunden des Grübelns später vermute ich, dass mein Weg doch nicht ganz so anders verlaufen wäre.

Text unter CC BY-ND 3.0 (mit Verweis auf Originaltext)

Aktionsansichten Allgemein Schriftstellerei

7 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Liebe Alessandra,
    dein Text zeigt eine ganz andere Sichtweise als ich sie bisher in den Beiträgen für #buchpassion gelesen habe. Ich danke dir, dass du diese Gedanken mit mir und überhaupt allen teilst. 🙂
    Ich frage mich in letzter Zeit immer öfer, ob es Menschen gibt, die nicht „haptisch veranlagt“ sind. Was denkst du?
    Viele Grüße,
    Janine

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    • Vielen Dank, Janine 🙂

      Ich denke, ein bisschen „haptisch veranlagt“ ist jeder, aber manche sind es eben mehr als andere – so, wie auch manche eher visuell oder auditiv veranlagt sind. Manche Menschen lernen ja auch besser, wenn sie sich etwas selbst vorlesen, während andere es nur ansehen oder abschreiben müssen. Vielleicht bedeutet das auch, dass die „Haptiker“ gedruckte Bücher und Skulpturen bevorzugen, während die „Visuellen“ Filme oder Gemälde lieber mögen und die „Auditiven“ Hörspiele und Musik. Aber hier verfalle ich in wildes Spekulieren 😉

      Danke noch mal für die Aktion! Hatte gerade eine kleine Schreibflaute, aber als ich hiervon gelesen habe, hat die Muse endlich mal wieder auf einen Tee vorbeigeschaut.

      Liebe Grüße
      Alessandra

      Gefällt mir

  2. Hallo Alessandra,

    ich bin jetzt kein Mensch, der der Meinung ist, dass Bücher nach dem Lesen noch wie neu aussehen müssen. Aber das ist…äh…extrem.

    Aber ein sehr schöner Text und mal was anderes 🙂

    Liebe Grüße,
    Lena

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    • Hallo Lena,

      also, um dich zu beruhigen: die beiden Bücher sind schon Extreme 😉 Zu „Fairwater“ habe ich im Studium eine Hausarbeit geschrieben, das erklärt einen Großteil der Markierungen. Und „Der Sohn der Sidhe“ war einfach schon 20 Jahre alt, als es mir in die Hände fiel und wurde dann wirklich, wirklich oft gelesen. Allerdings habe ich mir irgendwann noch eine zweite Version gekauft, in der keine Seiten fehlen 😉
      Außerdem sehen die Bücher erst so aus, wenn ich mir sicher bin, dass sie mir gut gefallen und ich sie nicht irgendwann weiterverkaufen möchte 😉

      Liebe Grüße
      Alessandra

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