Aprilansichten 2016

Soo, der April ist zwar noch lange nicht vorbei, aber eine Prophezeiung besagt, dass ich die nächsten Tage Bildschirme weitgehend meiden muss. Daher sind wir etwas früher dran als sonst – auch auf die Gefahr hin, dass jetzt all die phantastisch relevanten Dinge in den letzten Apriltagen geschehen werden.

PANismus

Worüber reden wir also? Über das PAN-Branchentreffen, zu dem ihr in den letzten Tagen noch gar nicht mit Videos, Artikeln, Fotos und extrem relevanten Tweets vollgespamt wurdet? Gut, ich erzähle euch etwas über das Treffen: Tommy Krappweis berichtete in der Social Media-Diskussion, seine Fans hätten im Zuge der Mara-Verfilmung auf den sozialen Kanälen eine Blase geschaffen, innerhalb derer sie einander immer wieder gesagt haben, wie toll der Mara-Film ist – bis alle am Rande dieser Blase so genervt waren, dass einfach niemand mehr etwas von diesem scheinbaren „Mara-Hype“ hören wolle. Musste daran in den letzten Tagen das eine oder andere Mal denken. Aber das nur am Rande. PR is working.

Helfer_PAN Branchentreffen_2016
Mitstreiterinnen

Was ich eigentlich sagen wollte: Am 21. und 22. April fand im Kölner Odysseum das erste Branchentreffen des Phantastik-Autoren-Netzwerks (PAN e. V.) statt, dem ich selbst als Kleinverlags-Beirätin angehöre. An zwei Tagen wurde hier vor allem wirtschaftliche, inhaltliche und organisatorische Aspekte der Phantastik-Szene (bzw. eher der Phantastik-Ökonomie) diskutiert. Highlight waren dabei die Diskussionsrunden und die Kaffee-Pausen. Ich weiß jetzt, dass ich Agenten und Verlagen etwas ganz Neues anbieten, aber damit rechnen soll, dass sie das Risiko nicht eingehen. Und ich habe gelernt, dass ich auf Facebook auf jeden Fall eine Rampensau sein soll – aber nur, wenn ich das auch authentisch rüberbringen kann. Gleiches gilt für Lesungen, die ich besser nicht halte, solange ich kein Entertainer bin, aber an denen ich mich trotzdem so lange versuchen soll, bis ich einer werde. Verstehe.

PAN_Branchentreffen_2016
Diana freut sich, Verleger und Autoren diskutieren

Das mag jetzt etwas zynisch klingen, aber für mich war das wirklich gut zu hören. Wenn es eine ultimative Erkenntnis gegeben hätte, wäre ich eh skeptisch gewesen. So lautet das Fazit: Alles und nichts ist möglich. Quite postmodern, und das mag ich, zumal es meiner Arbeitsweise entgegenkommt.

Davon abgesehen habe ich aber noch viel mehr gelernt: Wie man Kekse ansprechend auf einem Teller anrichtet beispielsweise, oder was Falafel sind (ja, ich komm halt aus einer Kleinstadt; und ja, ich wurde schon ausreichend für meine späte Erkenntnis ausgelacht).

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Klaudia Seibel liest die Zukunft

Donnerstags fand mit dem Gipfeltreffen außerdem die von Karla Paul sehr lakonisch moderierte Lesung von Markus Heitz, Kai Meyer und Bernhard Hennen statt – zeitweise hatte ich echt Bauchschmerzen vor Lachen, war super. Überhaupt waren die beiden Tage trotz akuten Schlafmangels nicht nur informativ, sondern auch sehr unterhaltsam. Vielen Dank daher noch einmal an alle, die dabei waren und das Treffen zu einem Erlebnis gemacht haben =) Für weitere Infos verweise ich auf den Twitter-Hashtag #1stPANBT (plant ein paar Stunden ein), an Sabrina Železnýs Zusammenfassungen (zu Nachwuchsförderung, der Feuilleton– und der Zukunfts-Diskussion), den Lesungsbericht der Teilzeithelden und die offiziellen Medien. Inoffiziell wurden übrigens auch von Creepy Creature Reviews Interviews mit einigen Beteiligten geführt, die offenbar nach und nach hier veröffentlicht werden.

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Abschiedsszene

Wo sind all die Frauen hin?

Am Rande der Gipfeltreffen-Lesung kam die Frage auf, weshalb weibliche Autorinnen  in den Verlagsprogrammen noch immer unterrepräsentiert sind – insbesondere, wenn man von der Romantasy- und YA-Sparte einmal absieht. Das Thema hat wiederum Markus Mäurer dazu inspritiert, sich die kommenden Verlagsprogramme in Hinblick auf das Geschlechterverhältnis genauer anzusehen. Die Ergebnis ist einigermaßen ernüchternd. Dass es in der Science Fiction sehr mau aussieht, ist wahrlich keine Überraschung – schon im Vorfeld zum Branchentreffen hatten wir festgestellt, dass es sich schwierig gestaltet, weibliche SF-Autoren ausfindig zu machen. Klar, ein paar gibt es, Nadine Boos oder Miriam Pharo beispielsweise. Aber die Reihen sind ziemlich licht. Aus meiner Kleinverlagsperspektive heraus hätte ich aber erwartet, dass es in der Fantasy inzwischen ein bisschen besser aussähe als das Ergebnis impliziert.

In historischer Sicht ist es zumindest für den deutschsprachigen Raum allerdings nicht verwunderlich, dass männliche Autoren dominieren. Die Phantastikszene, wie sie heute im deutschsprachigen Raum existiert, ist primär aus dem Heftroman-Fandom und der Rollenspielszene entstanden. Ersteres ist glaube ich bis heute eine Männerdomäne, zumindest im SF- und F-Bereich. In der Rollenspielszene sieht das inzwischen zwar anders aus, aber Anfang der 90er waren Frauen auch hier unterrepräsentiert. Darin liegt vielleicht auch ihr verhältnismäßig geringerer Anteil an der Erstellung von DSA-Romanen und -Regelwerken begründet – aber eben die waren eine wichtige Vorstufe zur heutigen Szene. Davon abgesehen ist es kein Zufall, dass nahezu jeder der Ü35-Autoren angibt, aus dem Pen&Paper- oder TableTop-Bereich zu kommen.

Allerdings sind Vampire: The Masquerade und das Jahr 1992 inzwischen auch fast 25 Jahre her. Warum also weiter die Dissonanz? Warum ist Fantasy weiterhin auch hierzulande „one of the most male-dominated areas of literature“, wie Melissa Thomas es vor 13 Jahren ausdrückte?* Ich habe Ideen, aber weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es in einigen – nicht in allen – Kleinverlagen anders aussieht, es also anscheinend eher ein Problem der Publikumsverlage und traditionsreicheren Fandom-Verlage ist.

MarburgCon

Die Hartgesottensten sind vom Branchentreffen übrigens gleich weiter zum MarbugCon gefahren, wo wie üblich auch der Marburg Award und der Vincent Preis verliehen wurden. Den Marburg Award für Kurzgeschichten konnten in diesem Jahr Martin Beyerling, Christian Sauter und Iver Niklas Schwarz abräumen, der Vincent Preis ging u. a. an Jörg Kleudgen (Roman), Clive Barker (International) und den Amrûn Verlag (Anthologie).

Auf dem Con wurde mit einer Rede von Uwe Sommerlad auch dem Lektor, Autor, Illustrator und Übersetzer Malte S. Sembten gedacht, der am 22. April verstorben ist und selbst aus Marburg kam. Sembten veröffentlichte eigenständige Werke beispielsweise in den Verlagen Bastei Lübbe, Golkonda und Medusenblut, außerdem schrieb er zahlreiche Kurzgeschichten und übersetzte u. a. Horrorklassiker von Autoren wie H. P. Lovecraft oder Edgar Allan Poe.

An dieser Stelle enden die dieses Mal inhaltlich kürzer ausgefallenen Monatsansichten (ja ja, ich weiß. Hugo- und Arthur C. Clarke Award– Finalisten und so, aber trotzdem). Ich verweise in schamloser Eigenwerbung allerdings an die Verlosung, die ich gerade zu Joey Goebels Heartland veranstalte. Ist ja auch ein bisschen Phantastik. Es kommt – big spoiler! – zumindest ein Engel vor.

Viele Grüße von mir und DER KISTE (und Bernhard Hennens Löckchen)!

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P.S.: Mail-Follower werden diesen Beitrag wahrscheinlich gestern schon bekommen haben, nachdem ich ihn versehentlich veröffentlicht hatte. Da war er aber noch nicht fertig. Jetzt ist dann auch raus, dass ich die Beiträge manchmal nicht am Stück runterschreibe. Sowas.
*Im Essay Teaching Fantasy: Overcoming the Stigma of Fluff.

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