STAR WARS Identities

 Wer im letzten halben Jahr Köln bet20151113_174354reten hat, kam um Amidala nicht drumrum. Überall prangte ihr von Raumschiffen eingefasstes Konterfei – unter Brücken ebenso wie in der U-Bahn, in der Innenstadt ebenso wie in Nippes oder Sülz. An Werbung für die STAR WARS Identities-Ausstellung wurde wahrhaftig nicht gegeizt.

Backen mit Darth Vader

Nicht, dass das nötig gewesen wäre – dieser Tage ist Star Wars ohnehin so überpräsent, dass selbst die Minions alternativ wirken. Es ist mal wieder die Zeit angebrochen, in der keine Cornflakes-Packung, die etwas auf sich hält, ohne Lichtschwert-Grillzange, Darth Vader-Muffinförmchen oder Kuschel-X-Wing auskommt.*

Einmal pleite gehen für Star Wars

Kein Wunder also, dass die STAR WARS Identities-Ausstellung, die seit 2220151113_172318. Mai und noch bis zum 17. November (also bis morgen) im Köln-Kalker Erlebnismuseum Odysseum gastiert, zumindest an den Wochenenden gut gefüllt ist. Umso mehr ein Wunder, dass ich am letzten Freitag noch ohne Reservierung eine Karte ergattern konnte. Eine nicht ganz günstige Karte übrigens – 21,75 Euro kostet es, sich Originalkostüme, Requisiten, Modelle und Konzeptzeichnungen aus und zu den Filmen anzuschauen. Zu den Stoßzeiten am Wochenende musste man noch einmal 2 Euro mehr drauf legen (Kinder, Familien und andere Ermäßigte kamen etwas günstiger weg). Kommt einem aber wie Kleingeld vor, wenn man erst die Preise im Merch-Shop sieht. Aber zu beidem später mehr.

Yoda, der Gartenzwerg

Ausgerüstet mit einem la20151113_164343unigen Headset (das anders als bei der Anfang des Jahres ebenfalls im Odysseum beherbergten Harry Potter-Ausstellung zumindest nichts extra kostete) und einem Armband zur „Identitätserfassung“ geht es also in die Ausstellung, die, in düsterer Atmosphäre gehalten, gleich zu Anfang das Herz eines jeden Fans höher schlägen lässt: Ist das – ist das Boba Fett? Oh, da steht R2D2! Alter Schwerde, ein Podrenner in Überlebensgröße! Mit anderen Worten: Es mangelt nicht an Aura. Da sind die Konzeptzeichnungen, die Yoda noch in der Optik eines Gartenzwergs oder auch der eines ausgewachsenen Höhlentrolls zeigen. Die Gewänder, die Natalie Portman in Episode 1 getragen hat. Chewbacca. C-3PO. Und natürlich die Modelle von X-Wings, Milleniumfalken und sonstigem Weltraum-Geflügel, das dank geschickter Verwendung von Leuchtröhren den Anschein macht, tatsächlich gerade bei Sternengefechten durchs All zu fliegen. Wer mag, kann au20151113_173353ch Selfies mit Karbonit-Han Solo, Yoda oder natürlich Darth Vader machen (zu meiner Überraschung haben die Slave Leia-Variante verhältnismäßig wenige gewählt). Fanservice pur also, auch dank der Zusatzinformationen, die über das Headset vermittelt werden, aber nicht immer zu 100 % korrekt sind, wie mir mein in Star Wars-Details erfahrener Begleiter erklärt.

They offered cookies!

Als roter Faden der Ausstellung dient – wie der Titel schon sagt – das Thema Identität. Am Vergleich der Figuren von Luke und Anakin Skywalker wird vermittelt, wie biologische und soziale Faktoren, aber auch unsere eigenen Entscheidungen und Vorlieben zu unserer Identität beitragen. An zehn Stationen kann man sich selbst oder seine eigene Figuren kreieren. Wie die ganze Auseinandersetzung mit dem Themenfeld „Identität“ verläuft auch diese Figurenerschaffung eher oberflächlich-20151113_174935kindgerecht: Man wählt beispielsweise aus, auf welchem Planeten man gerne leben, welchem Volk man gerne angehören würde usw. Am Ende stellt man sich dann beispielsweise als Landschaftsarchitektin vom Planeten Naboo heraus, die in ihrer Kindheit gerne zum Picknicken an den See gegangen ist, den Verlockungen der dunklen Seite aber trotzdem nicht widerstehen konnte. Tja, shit happens.

Material Girl

Dunklen Verlockungen muss auch widerstehen, wer nach dem unvermeidlichen Meeting mit Darth Vader die Ausstellung verlässt und den Merchandising-Bereich betritt. Ein Laserschwert für 50 Euro, wie wär’s? Oder doch den special Kugelschreiber für 70 Euro?(!?) Günstig wäre der Papp-R2D2 für 20 Euro! Aber es wird dann doch das 20151113_171411Girlie-Shirt für 25 Euro. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Fazit: STAR WARS Identities macht zweifellos Spaß und lässt Fanherzen höher schlagen. Stellenweise stellt sich aber die Frage, ob der Identitäts-Ansatz für Star Wars wirklich so geeignet ist und nicht noch andere Aspekte oder mehr Details hätten Raum einnehmen können. Trotzdem, grundsätzlich meine Empfehlung an die Wiener, sich die Ausstellung anzusehen, bei denen sie ab Mitte Dezember im MAK gastiert.

*Gibt es tatsächlich alles. Mein Highlight ist aber die R2D2-Teekanne.


Exkursion: Oh, diese Kulturindustrie!

Ich muss noch ein paar Worte zum Eintrittspreis verlieren. Wie schon der Vorgänger, die Harry Potter-Ausstellung, ist auch STAR WARS Identities für einen Museumsbesuch teuer – manchen zu teuer. Als wir hingefahren sind, ohne zu wissen, ob wir noch Karten bekommen, haben wir uns auch mit dem Gedanken getröstet, dass wir ansonsten eben noch Geld haben, einen Kaffee trinken gehen zu können. Beziehungsweise – 10 Kaffees. Man kann nun argumentieren, dass der Besuch nicht teurer ist als meinetwegen die meisten Kneipenabende oder ein Kirmesbesuch. Kultur darf eben auch kosten, das ist halt nur noch nicht so in der breiten Masse angekommen. Rückblickend bin ich auch froh, das Geld auszugeben zu haben und finde den Preis okay. Hinterfragen, wie verhältnismäßig der Preis ist, darf man trotzdem.

Ich habe meine Studien-Pflichtpraktika in verschiedenen Kunst- und Archäologiemuseen verbracht, die eines gemeinsam hatten: Äußerst geringe Eintrittspreise von weniger als 5 Euro – gleich, welche Ausstellung gerade anstand. Viel mehr hätten auch die wenigsten Besucher bezahlt. Gleichzeitig hatten die Museen teilweise erhebliche finanzielle Probleme, die sich auch auf die Pflege der Kunst- und Kulturgüter ausgewirkt haben.

Dem gegenüber Harry Potter– oder Star Wars-Ausstellungen zu setzen, ist problematisch. Klar locken popkulturelle Requisiten mehr Besucher an als Gemälde aus dem 17. Jahrhundert. Für einen Blockbuster interessieren sich auch mehr Leute als für Arthouse-Filme (den Vergleich mit dem günstigeren Louvre klammern wir der Fairnesshalber auch aus). Aber auch vergleichbare Ausstellungen – beispielsweise Anime! High Art – Pop Culture oder aktuell The World of Tim Burton, deren einziger Unterschied in der unterschiedlichen Präsentation und einem hierzulande vielleicht etwas kleineren Fandom liegt (ihre Themen dafür aber, soweit ich das beurteilen kann, ungleich tiefgehender behandeln), verlangen normalerweise maximal die Hälfte des Eintrittspreises.

Dass sich dieser durch höhere Transport- oder Pflegekosten rechtfertigt, kann ich mir nicht richtig vorstellen. Eher sehe ich hier das Phänomen, was auch bei Blockbustern wie Avengers 2, Star Wars 7 (ach, den darf man nicht so nennen, ne?) mit ihren Maximalabgaben oder manchen Musicalpalästen auftritt: Museen bauen sich einen „fannischen“ Ruf auf und nutzen diesen, um überteuerte Eintrittspreise zu verlangen.* Das betrifft (Gerüchten zufolge) beispielsweise auch das Londoner Sherlock Holmes-Museum, die Warner Bros. Studio Tour London  oder Madame Tussaud’s. Und selbst, wenn dieser Preis nötig ist, um die Kosten zu decken, bleibt die Frage, ob nicht an anderer Stelle hätte gespart werden können. Ehrlich, die Hälfte der Plakate in Köln hätte es auch getan.

Das soll aber ausdrücklich nur eine Überlegung am Rande sein, auch wenn sie etwas ausufernd geworden ist. Man muss natürlich auch bedenken, dass es sich hier um eine Wanderausstellung mit europaweit festen Preisen*** und meines Wissens auch um ein privates Museum handelt. Zudem geht es hier weniger um Themen als um Marken (womit wir wieder bei den Blockbustern wären). Das wirkt sich natürlich alles auf die Preispolitik aus und ich kann nicht beurteilen, wie angemessen/nötig der Eintrittspreis unter all diesen Voraussetzungen tatsächlich ist.

*Im Falle der Musicalpaläste kommt allerdings wahrscheinlich wirklich hinzu, dass sich die Dinger anders nicht finanzieren lassen. Dafür sind sie aber auch fast immer halb leer, wenn ich sie besuche …
** The World of Tim Burton ist allerdings auch eine Wanderausstellung. Bericht dazu folgt noch.

[Text ohne Fotos unter CC BY-ND 3.0 DE]

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