Do not track. Eine Empfehlung.

Es ist schon eine seltsame Sache rund ums Schlagwort Datenschutz: Es ist extrem präsent und betrifft jeden, der nicht völlig abseits der Zivilisation lebt. Gleichzeitig stellt es – so zumindest mein Eindruck – für viele Leute immer noch eine sehr schwammige Problematik dar. Die Gefahren durch das wahllose Sammeln von Daten werden höchstens als latent angesehen. Sollen sie doch meine Daten bekommen. Was sollen sie damit schon anfangen? Ich habe nichts zu verbergen. Im Prinzip ist diese Denkweise nicht allzu verwunderlich – es ist ein komplexes Feld, in dem der Durchblick (mir jedenfalls) sehr schwer fällt, und die Frage nach der Bewertung von Subthemen wie der Vorratsdatenspeicherung zwingt einen, sich mit der eigenen Ethik auseinanderzusetzen. Dennoch oder gerade deshalb kann es wenig Gutes bringen, vor dem Thema zu kapitulieren.

Insbesondere über das Tracking möchte „Do not track“ aufklären. In der siebenteiligen, interaktiven und international produzierten Web-Doku, in der in Interviews beispielsweise Ethan Zuckerman oder Cory Doctorow zu Wort kommen, wird nach und nach immer detailreicher erklärt, was es mit dem Tracking auf sich hat – wie es dazu kam, wie es funktioniert, auf welche Lebensbereiche es sich auswirkt. Paradoxerweise entfaltet die Doku ihren größten Reiz, wenn man ihr seine Daten preisgibt: Ihre Fragen beantwortet, sie auf sein Facebook-Profil zugreifen lässt und ihr so gestattet, einem vor Augen zu führen, wie wenig Handhabe man über das hat, was Dritte aus den eigenen Daten machen. Nicht immer ist „Do not track“ treffsicher – aber das sind die Ausspäher und Interpretierer unserer Daten auch nicht. Was einerseits beruhigend ist (yay, mein Leben lässt sich nicht berechnen), andererseits aber auch beängstigend (ich werde trotzdem in die Kategorien gesteckt, in die ich scheinbar passe).

„Do not track“ ist informativ, unterhaltsam – und nicht zuletzt beklemmend. Auf jeden Fall sind hinterher einige Fragezeichen weniger da, ob es einem nun passt oder nicht. An dieser Stelle daher die Empfehlung, sich die sieben Episoden anzuschauen.
Übrigens – wer bei der ersten Episode glaubt, die Webserie biete ihm keine neuen Infos, sollte sie trotzdem weitergucken. Sie fängt klein an.

Outside Tellerrand

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