Zum Tode Ulrich Becks

Es könnte schönere Anlässe für den ersten Beitrag eines Blogs und eines neuen Jahres geben, aber das würde ja nichts an der Sache selbst ändern: Vorgestern ist im Alter von 70 Jahren der Soziologe Ulrich Beck verstorben. Ich bin ihm nie begegnet, aber die Nachricht macht mich dennoch betroffen. Es gibt wohl keinen anderen Wissenschaftler, der mich während meines Studiums so geprägt hat wie er. Gewissermaßen ist er schuld, dass ich zum Ende noch einmal von der Ethnologie zur Soziologie hinübergehüpft bin, und viele Autoren/Wissenschaftler, die mich auf die ein oder andere Art beeinflusst haben – beispielsweise Manfred Prisching, Ronald Hitzler oder auch Daniel Miller – fußen in ihren Ansichten auf denen Becks. Mehr als zwanzig Jahre nach Erscheinen seines Grundwerks „Die Risikogesellschaft“ erscheinen zumindest seine Thesen zur spätmodernen Gesellschaft inklusive des zwischen Paradoxien gefangenen Individuums vielleicht nicht mehr besonders überraschend (auch wenn manche Autoren wie Andrew O’Hehir immer noch eine beeindrucke Ignoranz für sie zeigen). Seine essayistische und doch konkrete Art der Gegenwartsdiagnose ist aber weiterhin ebenso faszinierend wie auch in mancher Hinsicht aufrüttelnd, natürliche auch, was seine späteren Themengebiete angeht. Er wird in der Wissenschaftslandschaft (und darüber hinaus) eine Lücke hinterlassen.

Übrigens noch ein Kommentar für die Phantasten unter den Lesern: Gerade in Hinblick auf die ewigen Debatten zwischen Eskapismus, Repräsentation und Liberalisierung oder einfach die Frage nach unserem Szenepotenzial sind Becks Thesen zur zweiten Moderne erhellend. Weniger zwar als bei Prisching oder Hitzler – dafür war Beck zu sehr am größeren Ganzen interessiert -, aber von der „neuen“ Selbstverantwortlichkeit mit ihren Risiken und Freiheiten bis hin zum Conblues und zurück zur Liberalisierung sind es nur kleine Schritte.

Gerade erschienen ist auch ein Nachruf auf Süddeutsche.de

Outside Tellerrand

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